Hiob war Roths erster durchschlagender Erfolg als Autor und bildet zusammen mit dem ein Jahr später erschienenen Radetzkymarsch auch den künstlerischen Höhepunkt seines Schaffens: Der kleine Lehrer Mendel Singer erfährt großes Leid, wendet sich gegen seinen Gott und findet erst in Amerika am Ende seines Lebens nach der wundersamen Wiedervereinigung mit seinem totgeglaubten Sohn wieder zurück zu seinem Glauben. Nicht nur stellt der »Roman eines einfachen Mannes«, so der Untertitel, dabei ein exemplarisches Schicksal dar, sondern ist gleichzeitig ein Denkmal für die vernichtete Kultur des ostjüd ischen Shtetls. Der Text folgt der Buchausgabe von 1930. Nachwort und ein vollständig neuer Kommentar geben Hilfen zum Verständnis besonders des jüdischen Hintergrundes.
Bewertungen & Erfahrungen
5,0 von 5
6 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion30.04.2026
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Hiob ist ein großartiges Buch und ein beeindruckender Erfolg von Joseph Roth, der mich tief berührt hat. Ich kann es jedem wärmstens empfehlen!
Redaktion30.04.2026
testmonster.de · Redaktion
Hiob ist ein großartiges Buch und bildet den ersten durchschlagenden Erfolg von Joseph Roth, was es zu einem wirklich empfehlenswerten Werk macht. Ich habe die Geschichte sehr genossen und bin begeistert von der literarischen Qualität.
Obwohl sie vor mehr als hundert Jahren in einer untergegangen Welt spielt, ist diese Geschichte um den modernen Hiob namens Mendel Singer noch immer tief berührend. Roths vollendete Sprache könnte ich seitenweise zitieren, hier wenigstens ein kleines Beispiel: "Er schüttelte den Kopf, daß sein tiefer Bart über die aufgeschlagenen Blätter des Buches strich und ein zartes Rascheln hörbar wurde, als wollte sich der Bart Mendels an dem Gebet beteiligen, da der Mund Mendels so sparsam feierte."
Die Parallelen zum biblischen Hiob (und anderen biblischen Geschichten) sind deutlich, aufschlussreich sind aber die Abweichungen. Mendel Singer ist nicht wie Hiob reich und mächtig, sondern ein unbedeutender kleiner Toralehrer, der im Vergleich zu seiner Familie - der vitalen, ehrgeizigen Frau Deborah, der lebensgierigen Tochter Mirjam, den beiden gesunden Söhnen Schemarjah und Jonas reichlich schwächlich und weltfremd wirkt. Nur in dem geistig und physisch behinderten Kind Menuchim kann er sich wiedererkennen: "Du bist mein wirklicher Sohn!" (43).Mendels Entschluss, nach Amerika zu gehen, ist kein Versuch, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und sein Glück zu machen, sondern eher ein Weglaufen vor den Problemen in seinem Leben: Er möchte nicht, dass Mirjam sich mit den Kosaken einlässt, und er lässt Menuchim in der Pflege fremder Leute zurück.In Amerika geht es den Singers nicht eigentlich schlecht: Schemarjah hat zunächst Erfolg, Mirjam nimmt sich alle Freiheiten, die sie braucht. Daran und an den Zeitläuften gehen Mendel und seine Familie aber zu Grunde: die Söhne fallen im Krieg (vom zweiten gesunden Sohn Jonas nimmt Mendel es an), Mirjams "Freiheit" schlägt in Verzweiflung und Irrsinn um, und Mendel, der sich ohnehin in Amerika immer als Fremder fühlte, wird zusehends von Schuldgefühlen geplagt, weil er Menuchim verlassen hat. Mendels Unglücksschläge sind also - im Gegensatz zu Hiobs - teilweise selbst verschuldet: Er hat sich nicht aktiv um Deborah und Mirjam gekümmert und ist seiner moralischen Verantwortung für Menuchim nicht gerecht geworden.Als Mendel wie Hiob von den Unglücksschlägen heimgesucht wird - seine ganze Familie wird in gewisser Weise dahingerafft -, verliert er - im Gegensatz zu Hiob - fast gänzlich seinen Glauben: Er verwünscht Gott und vegetiert nur noch dahin. Als er sich endlich entschließt, noch einmal Menuchim in der alten Heimat aufzusuchen, also letztlich seiner moralischen Verantwortung gerecht zu werden, geschieht das "Wunder", das ihm die Augen öffnet. Und im Zuge dieser wunderbaren Ereignisse wird Mendel dem Leben wiedergeschenkt. Auf einmal öffnet sich ihm die amerikanische Gegenwart, die ihm bis dato nur fremd und sogar unheimlich gewesen war, und Mendel erkennt: "Ein schlechter Vater war ich" (187). Dabei denkt er an Menuchim und Mirjam.Der biblische Hiob musste reich und schuldlos sein, um seine Fallhöhe im Unglück und seine Unerschütterlichkeit im Festhalten an Gott zu demonstrieren. Mendel Singer ist ein Durchschnittsmensch, sein Glaube ist erschütterbar, seine eigene Schuld und sein Schicksal sind untrennbar miteinander verwoben.Joseph Roths Buch ist ein Klassiker, weil die "Legende" in einem einprägsamen, sinnlich-anschaulichen Stil geschrieben ist. Sie ist holzschnitthaft-einfach geschildert - vielleicht auch immer nah an Stereotypen - aber voller emotionaler Tiefe. Das "Wunder" am Schluss ist auf meisterliche Art und Weise in Szene gesetzt, so dass einem beim Lesen die Tränen kommen können. Auch wenn man an dem Status dieses wunderbaren Buches nicht rütteln mag, so frage ich mich doch, wie die Geschichte ausgegangen wäre, wenn sich das Wunder nicht ereignet hätte - wie es ja wohl im wirklichen Leben zu gehen pflegt.
Für mich war die Entdeckung des Jahres der Schriftsteller Joseph Roth (1894-1939), der in Galizien, damals zur k.u.k.-Monarchie gehörend, geboren wurde. Seine literarischen Themen kreisen um Aspekte, die mit seiner Biographie zusammenhängen: Das (osteuropäische) Judentum, der Niedergang der k.u.k.-Monarchie, Krankheit, Wahnsinn, Entwurzelung und Verlorensein. Von den bislang gehörten Romanen "Radetzkymarsch", "Hiob", "Hotel Savoy" und "Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht" hat mir der "Hiob" am besten gefallen. Der Protagonist ist der Jude Mendel Singer, der mit seiner Frau und den 4 Kindern als armer Lehrer in Russland lebt. Der jüngste Sohn ist behindert zur Welt gekommen, er kann weder gehen noch sprechen. Die älteren Söhne werden zu Militär eingezogen, die Tochter pflegt einen losen Lebenswandel mit Soldaten. Der zweitälteste Sohn entzieht sich dem Militärdienst mit Hilfe seiner Mutter und gelangt nach Amerika. Er realisiert den "American dream", verdient leidlich Geld und möchte seine Familie nachholen. Nur den Jüngsten, Menuchim, glauben sie aufgrund seiner Behinderung nicht mitnehmen zu können, obwohl der Rabbi der Mutter eine strahlende Zukunft und völlige Genesung vorhergesagt hatte. In Amerika verbessert sich zwar die materielle Lage, aber das schlechte Gewissen wegen Menuchim plagt Mendel Singer. Weitere Schicksalsschläge treffen ihn, und im Gegensatz zum biblischen Hiob hält Mendel Singer Gott nicht die Treue. Doch dann taucht der totgeglaubte Menuchim als völlig gesunder Mensch und begnadeter Musiker in New York auf und kümmert sich um den Vater und die psychisch kranke Schwester.In diesem Roman, wie auch in anderen Texten Roths (Hotel Savoy) ist Amerika das Symbol des gelobten Landes, die Verheißung auf ein besseres Leben. Verständlich, denn Amerika versprach im 19. Jh. einen Ausweg aus den ärmlichen Verhältnissen von Teilen der Landbevölkerung Europas und gerade auch für Juden bis Ende 30er-Jahre, insbesondere für die deutschen Juden. Selbst für Franz Kafka war Amerika ein Lichtblick und sein leider unvollendet gebliebener Roman "Amerika" lässt einen sanften Opimismus durchscheinen, den man sonst in seinem Werk so nicht findet.Was hat mich für die Texte Roths so eingenommen? Vielleicht ist es ja unter anderem dieses Element - Amerika als Symbol der Hoffnung auf ein anderes, besseres Leben, ein Entkommen aus der Enge Europas. Vielleicht auch diese menschliche, fast liebevolle Darstellung menschlichen Leids, menschlichen Verlorenseins in der Welt, der Entwurzelung der Menschen, die Sehnsucht empfinden, aber doch nicht wissen, wo sie hingehören.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 10:22 Uhr.