»Das ist die Geschichte des Musikers Johannes Elias Alder, der zweiundzwanzigjährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu schlafen.« - Mit seinem Debütroman über das Leben und Sterben eines musikalischen Genies in einem österreichischen Bergdorf gelang Robert Schneider ein sensationeller Welterfolg, der in über 30 Sprachen übersetzt, erfolgreich verfilmt und zu einem Klassiker der Gegenwart wurde.
Bewertungen & Erfahrungen
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Redaktion18.05.2026
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Eine interessante und nachdenkliche Biografie, die viel über das Leben des Musikers mit sich bringt, allerdings ist die Darstellung etwas dicht.
Der Bauernjunge Johannes Elias Alder ist überdurchschnittlich musikalisch begabt. Das nützt ihm aber nur wenig in dem verwunschenen Dorf Eschberg, aus dem er stammt; eher ist es ihm hinderlich, denn was hier zählt sind Zähigkeit der Natur und Kraft der Muskulatur, um das täglich Brot für sich und die Seinen den rauen Elementen abzutrotzen. Elias verschreckt die unwissenden Menschen um sich herum mit seinem Gehör, seiner Stimme, seinem Orgelspiel. Die aber, die seine außergewöhnlichen Talente zu erkennen in der Lage sind, fürchten diese Begabung und suchen ihre Entfaltung zu behindern. So verweigert sich letztlich Elias dem Leben in dem er sich dem Schlaf verweigert.Mit Schneider steigen wir hinab in verstaubte Archive, um in vergilbten Chroniken zu blättern, aus denen sich der kurze Lebens- und Leidensweg eines Menschen erschließt, der für die Welt um ihn her zu begabt und zu beseelt war. Sein bleischweres Schicksal ist an die Geschichte von Eschberg gekettet, dessen Bewohner „über Nacht entweder zu Heiligen oder zu Mördern werden konnten“. Vor uns entsteht das Bild eines archaischen Bergdorfs, in dem ein starrsinnig gottloses Volk dahinvegetiert. Diese Kreaturen, reduziert auf ihre Triebe, haben sich noch nicht um Haaresbreite über das Tierreich erhoben. Wenn ausgerechnet aus ihrer Mitte ein Genie erwächst, so nur zum Hohn der Schöpfung.Einen Menschen, dessen Talent unentdeckt bleibt, bezeichnet Schneider als „zeitlebens ungeborenen Menschen“. Er appelliert an die Verantwortung und Verpflichtung der Eltern, Erzieher und Lehrer, einer naturgegebenen Begabung auch zur Geburt zu verhelfen. Denn um wie Vieles reicher an Schönheit, Schöpferkraft und Wissen sollte die Menschheit sein, würde sie diese Quellen nur annähernd ausschöpfen. Und somit ist das Buch auch ein Plädoyer für einen aufmerksamen, liebevollen Umgang der Generationen und Geschlechter miteinander. In einem Umfeld, das Begabung und Liebe nicht zulässt, müssen wir leben wie im Schlaf. Der Schlaf aber ist nicht wirkliches Leben, er ist der Bruder des Tods.Robert Schneider soll das Manuskript zu „Schlafes Bruder“ erfolglos 23 Verlagen angeboten haben; erst der Reclam-Verlag hat das Talent des Autors erkannt, das Buch veröffentlicht und damit einen Welterfolg ermöglicht. Manchmal braucht es wohl doch den Starrsinn eines Bergbauern, um ein gutes Werk vollenden zu können.
Schlafes Bruder erinnert in seiner Story an Das Parfum von Patrick Süsskind. Während in Süsskinds Roman der Geruchssinn die zweite Hauptrolle spielt, ist es in Schneiders Roman der Gehörsinn. Der Protagonist ist von Geburt an mit einem perfekten Gehör ausgestattet, was ihn zum genialen Außenseiter macht.Sehr gut an dem Buch ist die Szenerie. Der Roman spielt in einem österreichischen Bergdorf und bietet Einblicke in das Leben der Bergbauern, in die inzestuösen Familienverhältnisse und die Abgeschiedenheit. Das ist eher düster gezeichnet, es wird mitunter ziemlich brutal, und streckenweise sehr spannend.Ein Stern Abzug, weil mich die Erzählsprache Schneiders nicht vollständig überzeugen konnte. Er hat durchaus seinen eigenen Stil, teilweise erzählt er aber zu viel und interpretiert statt die Geschichte wirken zu lassen. Das ist durchaus gewollt, denke ich, so wird immer wieder die die 4. Wand durchbrochen und der Leser direkt angesprochen. Es ist in dem Sinne auch kein schlechter Stil, er gefällt mir subjektiv einfach nicht.Insgesamt aber auf jeden Fall lesenswert und mit ca. 200 Seiten hat man das Buch auch an 2 Abenden durch.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.