Wie bei allen anderen Kriminalfällen, die der "kräftige" Maresciallo Guarnaccia lösen muss, ist auch bei diesem nicht alles so, wie es zunächst aussieht. Was steckt hinter der Ermordung des Hausherrn? Wer ist aller darin verwickelt? Und wie hängen alle anderen Personen damit zusammen, die im Palazzo (den die Hausherrin nur widerwillig vermietet) wohnen, zusammen? Der Maresciallo fühlt sich in diesem Palazzo nicht wohl, er fühlt sich beobachtet, fehl am Platz, unbeholfen, und doch lässt er nicht locker, bis er die Tragik dieses Mordfalls völlig aufgedeckt hat.In seiner bewährten Art, in der sich alle Indizien, auch die kaum merklichen, in seinem Kopf zusammensetzen, bis er die Lösung gefunden hat, löst Salva Guarnaccia auch die kniffligsten Fälle.Guarnaccia ist kein smarter Detektiv, sondern Wachtmeister im Palazzo Pitti, nach außen hin langsam - zumindest behaupen das viele, und er selbst glaubt es auch -, wohlbeleibt, und zugleich ein besorgter Vater für seine beiden heranwachsenden Söhne und ein dankbarer Ehemann, der ein gutes Essen zu genießen versteht.Manchmal wird er mit Donna Leons Commissario Brunetti verglichen, aber mir gefällt Magdalen Nabbs Stil, die Art, wie sie mir beim Lesen einen sehr menschlichen Wachtmeister nahebringt, Florenz aufleben lässt, wesentlich besser. Guarnaccia hat für mich mehr Menschlichkeit und Tiefe. Selbst in längeren Passagen, wo sich nicht viel tut, außer dass er in seinem Inneren der Lösung nachspürt, fesselt seine Persönlichkeit und Beschreibung.
Ein Todesfall in der florentinischen Familie Ulderighi, der Mann der Gräfin Ulderighi wird tot aufgefunden, erschossen mit dem Gewehr in seiner Hand. Jetzt stellt sich die Frage: war es Mord, Selbstmord oder ein Unfall? Maresciallo Guarnaccia übernimmt diesen Fall und muss sich mit den schrägen Vögeln der gehobenen Gesellschaft herumschlagen. Magdalen Nabb zeichnet die sympathischen Wesenszüge des behäbigen, etwas langsamen Wachtmeisters wieder einmal mit Meisterhand. Auch der Sprecher Frank Engelhardt bringt den Charakter mit seiner Stimme gut rüber. Er versteht es außerdem, stimmlich verschiedene Rollen zu unterschieden. Insgesamt ist "Tod im Palazzo" ein stimmungsvoller Krimi, der den Hörer mitten hineinversetzt in den schwülen florentinischen Sommer mit seinen mörderischen Ereignissen.
Inhalt:Maresciallo Guarnaccia steckt in einer Zwickmühle. Im Palazzo Ulderighi wurde der Hausherr in seiner Jagdkammer tot aufgefunden. War es Unfall oder Selbstmord? Der Oberstaatsanwalt, ein Freund der Familie, besteht auf Unfall - alles andere käme in der Gesellschaft nicht gut an, und auch nicht bei der Versicherung. Sollte Guarnaccia nun herausfinden, dass es Selbstmord war, könnte ihn dies seine Stelle kosten. Wie soll er nur seiner Frau einen neuerlichen Umzug erklären?Meine Meinung:In gewohnt behäbiger Manier ermittelt Guarnaccia nicht unbedingt zielstrebig, dafür aber mit viel gesundem Menschenverstand und Empathie. Immer weiter dringt er in den Sumpf der Adelsfamilie und deren Mieter ein. Es handelt sich dabei um die unterschiedlichsten Leute, teils sympathisch und warmherzig, teils eiskalte Gestalten. Anscheinend hat jeder etwas zu verbergen, und keiner will recht mit der Sprache heraus. Doch dank Guarnaccias hartnäckigen Ermittlungen und Überlegungen wird am Ende auch dieser Fall gelöst.Gestört haben mich etwas die abrupten Zeitsprünge, die mich immer wieder zwangen, den roten Faden zu suchen.Es ist der 8. Band der Reihe, kann aber ohne jegliche Vorkenntnisse gelesen werden.Die Guarnaccia-Reihe:1. Tod eines Engländers2. Tod eines Holländers3. Tod im Frühling4. Tod im Herbst5. Tod in Florenz6. Tod einer Verrückten7. Tod einer Queen8. Tod im Palazzo9. Geburtstag in Florenz10. Das Ungeheuer von Florenz11. Alta moda12. Nachtblüten13. Eine Japanerin in Florenz14. Vita nuova