Der „Dämon und Fräulein Prym“ war für mich ein Buch, dem ich mich schon nach den Probelesen-Seiten nicht mehr entziehen konnte. Und ich kann sagen, wem diese Seiten es antun, der wird auch in den nächsten Stunden nicht enttäuscht sein. Dies Büchlein zieht einen in seinen Bann und man hat es recht schnell gern … man fühlt sich gut beim Lesen.Coelho baut Stimmungen auf (und trotz der eigentlich schon bekannten Handlung von Dürrenmatt) auch Spannung.Es macht Freude, sich auf seine Interpretation des Stoffes einzulassen, man genießt das Lesen. Die Sprache verzaubert.Am Ende allerdings war ich ziemlich enttäuscht. Ob ihm die Inspiration ausgegangen war oder ob es eben unbedingt so ausgehen sollte, weiß ich nicht. Ich hielt das Ende schlichtweg für abwegig. Das Buch hatte ja zuvor gerade durch seine bemerkenswerte Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis bestochen, ein Autor, der so viel über menschliche Beweggründe versteht, kann unmöglich glauben, dass die gleichen Menschen, die vorher beschrieben werden, plötzlich so einheitlich moralisch handeln. Keiner schert aus der Masse aus, alle lassen sich bekehren (… amen …)Ungeachtet dessen, dass der Schluss mich sehr enttäuscht hat und ich plötzlich das Gefühl hatte, nach so viel Lesegenuss plötzlich im falschen Film zu sein, kann ich dieses Buch trotzdem sehr empfehlen.Zum einen, weil es wirklich Freude bereitet, Coelhos „Kunst des Formulierens“ zu folgen, zum anderen, weil es sich gut anfühlt, in die von ihm beschriebenen Stimmungen einzutauchen. Durch seine beeindruckende Menschenkenntnis kommt genial und schaurig-schön rüber, wann und auf welche Weise Menschen vermeintlich korrekt und begründbar zu Übeltaten bereit sind. Und wie miese Bündnisse durch Hetzerei und Überzeugungstäter die Oberhand gewinnen. (Im Namen des Guten natürlich – wie immer.)Übrigens ist dieses Buch auch hervorragend zum Vorlesen geeignet. Coelhos Sätze beginnen dann zu klingen.Fazit: Coelho schafft es mühelos, dass man sich seinem Text nicht mehr entziehen kann. Sogar die eigentlich durch Dürrenmatt bereits bekannte Grundstory vermittelt er auf eine Weise, dass man ihm gespannt folgt, wie er die Sache zu lösen gedenkt. Der Text strotzt nur so vor lauter Sätzen, die man mit „wie wahr“ kommentiert. Leseempfehlung.