Das Genie: Roman (detebe)
Gegenwartsliteratur EAN 9783257244731

Das Genie: Roman (detebe)

Hersteller: Diogenes Verlag Ag  ·  MPN: 1013420
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Produktfakten auf einen Blick

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Diogenes Verlag AG
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Gegenwartsliteratur
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Produktbeschreibung

Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der amerikanischen Presse als »Wunderjunge von Harvard« gefeiert. Sein Vater Boris, ein bekannter Psychologe mit dem brennenden Ehrgeiz, die Welt durch Bildung zu verbessern, triumphiert. Er hat William von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Durch Anwendung der Sidis-Methode könnten alle Kinder die gleichen Fähigkeiten entwickeln wie sein Sohn, behauptet er. Doch als William erwachsen wird, bricht er mit seinen Eltern und seiner Vergangenheit. Er weigert sich, seine Intelligenz einer Gesellschaft zur Ver­fügung zu st

Bewertungen & Erfahrungen

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Redaktion 18.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Super Qualität
Silver Surfer 24.03.2024 amazon.de
Der historische William Sidis lebte von 1898 bis 1944. Sidis zeichnete sich durch überragende Intelligenz und frühreife Gelehrsamkeit aus: Mit 18 Monaten konnte er lesen, mit 11 wurde er schließlich zum Studium in Harvard zugelassen, nachdem ihm genau das wegen seines Alters vorher verweigert worden war usw. Erstaunlicherweise machte diese Ausnahmebegabung als Erwachsener keinesfalls eine große Karriere, sie dümpelte vielmehr Zeit ihres Lebens am Rande der Gesellschaft herum und hielt sich mit untergeordneten Jobs über Wasser.Lange Zeit hat sich kaum jemand für diesen Exzentriker interessiert. Im Jahr 2017 erschienen nun gleich zwei Romane die von William James Sidis und seinem außergewöhnlichen Leben handeln, Morten Brask, Das perfekte Leben des William Sidis (auch ein gutes Buch, das ich bei Amazon rezensiert habe) und eben Klaus Cäsar Zehrers Das Genie.Zehrer sieht William Sidis wesentlich kritischer als Morten Brask. In seinem Roman entwickelt der Leser Verständnis für all die Menschen, die sich mit Sidis schwer tun, weil sie von ihm vor den Kopf gestoßen werden. Das gilt beispielsweise für die Studenten in Harvard, bei denen William, den sie das Baby nennen, sehr unbeliebt ist, weil der Junge in Vorlesungen durch besserwisserische Zwischenrufe auffällt und seinen älteren Kommilitonen im Wohnheim erklärt, dass das „Koitieren“ keine angemessene Tätigkeit für geistige Menschen sei. Auch die Ablehnung der Studenten, die Sidis später unterrichtet, kann man verstehen: Weil er die Mathematik-Lehrwerke allesamt für unzulänglich hält, schreibt Sidis für seine Studenten kurzerhand ein eigenes, der Klarheit des mathematischen Denkens wegen auf Altgriechisch.In Zehrers Roman bekommen die Eltern von William mehr Raum, vor allem Boris Sidis, der bereits viele Züge aufweist, die dann auch seinen Sohn kennzeichnen. Neben seiner überragenden Intelligenz ist das seine kompromisslose und radikale Art zu denken und zu leben. Dies zeigt sich auch in der Sidis-Erziehungsmethode, die er an William erprobt. Das Kind wird von Anfang an wie ein Erwachsener behandelt. Es bekommt sehr früh sehr viele kognitive Anregungen; kindliches Spiel, körperliche Nähe und Gefühle gelten als verzichtbar. Als der Dreijährige das Wort „Ophthamologie“ falsch schreibt, ist sein Vater so enttäuscht, dass er zwei Tage lang nicht mit dem Kind spricht.In Zehrers Roman ist William Sidis ein idiot savant, um den wenig freundlichen alten Begriff für Menschen zu verwenden, die in manchen Bereichen überragend sind (savant = Wissender), in anderer Hinsicht aber große Einschränkungen aufweisen (idiot). Wichtige Bereiche des Menschseins sind bei Sidis unterentwickelt: Es fehlt ihm an Empathie, überhaupt an der Fähigkeit, die Sichtweise von anderen nachzuvollziehen. Kunst, Musik, Literatur bleiben Sidis fremd. Es fehlt ihm an Stil, Anstand und Manieren. Er vernachlässigt sein Äußeres und ist ungepflegt, vor Sexualität ekelt er sich, mit dem Begriff Schönheit, besonders wenn er sich auf Frauen bezieht, kann er nichts anfangen. Sidis hat keinen Humor. In seine hektographierte Zeitschrift für Fahrkartensammler nimmt er Straßenbahnwitze auf, die er sich selbst ausdenkt. Diese armseligen Witzchen, die wir in Zehrers Roman finden, stammen von dem historischen Sidis und sind alle authentisch.Die Leitlinien seines Lebens sind für Sidis immer eine konsequente Rationalität und passende Regeln. So schließt er bereits als Kind einen Vertrag mit sich selbst, in dem er die Regeln für sein „perfektes Leben“ schriftlich fixiert. Sidis braucht explizite Regeln, weil er das nicht hat, was man in der Weimarer Klassik als „Herzensbildung“ bezeichnete, in späteren Zeiten als „emotionale Intelligenz“.Die strenge Rationalität, die ohne emotionalen Autopilot auskommen muss, bewahrt Sidis nicht davor, zunehmend wahnhafte Gedankengebäude zu errichten. So sieht er in sich selbst die Reinkarnation des „gray champion“, einer mythischen Figur, die auf eine Erzählung von Nathaniel Hawthorne zurückgeht und immer dann auftaucht, wenn das amerikanische Volk sich gegen seine Unterdrücker erhebt.Sidis orientiert sich an seinen Grundsätzen und nur daran. Das macht aus ihm einen Querulanten und Prinzipienreiter, dem jegliches Augenmaß fehlt. Insofern ist Sidis eine faszinierende Figur, aber bestimmt kein Vorbild für ein gelungenes, gar ein perfektes Leben.Der Roman von Klaus Cäsar Zehrer ist aber ohne Einschränkung zu empfehlen.
dreamreader 24.03.2024 amazon.de
sind 5 Sterne wert.Klaus Zehrer hat sich mit William James Sidis einen ungewöhnlichen und wohl in weiten Kreisen (so auch mir) unbekannten Menschen für sein Buch ausgesucht. Faszinierend. Einfach unvorstellbar zu welchen Leistungen das menschliche Gehirn fähig ist. Und man neigt dazu, seinem Vater Boris Sidis Recht zu geben in seiner Ansicht, dass jeder Mensch mit dem gleichen Potential geboren wird und nur seine Erziehung (seine Ansicht) den Unterschied macht.Aber: Klaus Zehrer gelingt es in bewundernswerter Weise, aber unaufdringlich zu vermitteln, wie Williams menschlich gescheitert ist. Tragisch. Ein lesenswertes Buch, das gegen Ende unglücklich macht, weil man nicht zusehen möchte wie so ein Genie die Nutzung seine Talente verweigert, und trotzdem am Schluss versöhnt, weil man Williams versteht und ihm seinen Frieden gönnt.
Tom Liehr 24.03.2024 amazon.de
In dieser Romanbiografie, die 2017 von einigen als die beste deutschsprachige Neuerscheinung des Jahres gefeiert wurde, erzählt der Robert Gernhardt-Spezi und Benedict Wells-Mentee Klaus Cäsar Zehrer die Geschichten zweier Männer mit dem Nachnamen Sidis. Der eine, Boris, geboren im Russischen Kaiserreich – übrigens auf dem Gebiet der heutigen Ukraine –, kam im Jahr 1887 in die U.S. of A. Der andere, William James Sidis, war sein Sohn.Boris Sidis, von den Schergen des Zaren verfolgt und deshalb geflohen, betritt das neue Land in New York, und er landet in einer umtriebigen, schmutzigen, auch architektonisch nicht besonders ansehnlichen Stadt, in die scharenweise Flüchtlinge kommen. Die billigen Herbergen sind dreckig und überfüllt, die Jobs schwer, gefährlich und schlecht bezahlt. Aber der zwanzig Jahre alte, nicht besonders gesellige Sidis, der ein Dutzend Sprachen fließend spricht und sich die englische innerhalb weniger Wochen beibringt, findet schnell seinen Weg, der ein paar Jahre später mit einer vielbeachteten Promotion in Harvard seinen vorläufigen Höhepunkt findet. Sidis begründet die moderne Psychologie mit, widmet sich vor allem der Hypnosetherapie, aber im Kern seines Interesses steht das Unterbewusstsein, auch das kollektive Unterbewusstsein, dessen unerforschtes Potential er für den Schlüssel zur nächsten Evolutionsstufe der Menschheit hält. Deshalb wendet er bei seinem 1898 geborenen Sohn William James konsequent die „Sidis-Methode“ an – heutzutage würde man das „frühkindliche Begabtenförderung“ nennen, wobei Sidis den Säugling quasi ab dem ersten Lebenstag didaktisch malträtiert. Nebenher legt er sich energisch mit den Freudianern an, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts immer mehr Zulauf bekommen. Ihre Ideen hält Sidis jedoch für Kokolores.Seine eigenen beweist er eindrucksvoll an seinem Sohn, der sich rasant zu einem echten Genie entwickelt, sensationell sprach- und mathematikbegabt, extrem frühreif, eigenwillig, aber zugleich aufgrund des völligen Fehlens einer klassischen Kindheit ohne jede soziale Kompetenz. Die Geschichte dieses William James – benannt nach Sidis‘ berühmtem Doktorvater – erzählt „Das Genie“ in seiner zweiten Hälfte, die leider die Versprechungen der ersten nicht einzuhalten vermag, die so furios, originell, amüsant, clever und rasant beginnt.Das ist, wenn man so will, ein typischer Diogenes-Roman, so ein Wohlfühlbuch für die Klugen und jene, die sich nur selbst dafür halten, durchaus stilvoll, schlau konzipiert, wissensreich, mit spektakulären Dialogen, reichlich Gesellschaftskritik, verblüffenden Geschichtsdetails, einigem Zeitkolorit und vielen zitierfähigen Sätzen, auch wirklich gut zu lesen, aber dann doch irgendwie artifiziell, und im Wortsinn verkopft. Das zeigt sich vor allem im zweiten Teil, der episodisch den tragischen Werdegang des Jungen zeigt, der eigentlich nur seine Ruhe haben will, der seine Gedanken fließen lassen möchte, und der am liebsten stundenlang mit Straßenbahnen fährt. Der allerdings auch leider eine ziemliche Nervensäge ist, und an dem man nach und nach vollständig das Interesse verliert. Die Rasanz, mit der der Roman anfängt, versandet schließlich, und am Ende ist die von bemüht originellen Einfällen durchsetzte Geschichte nur noch anstrengend.Was natürlich eben daran liegt, dass es sich eben um eine Romanbiografie handelt, wobei sich Zehrer, wie auch die Quellen und Literaturverweise belegen, um ein hohes Maß an Genauigkeit bemüht hat, zumindest bei jenen Ereignissen, zu denen es Dokumente gibt. Eine reale Geschichte lässt sich nur schwer mit einer fiktiven Dramaturgie motorisieren, aber es ist auch im Roman so, wie es in der Wirklichkeit war: Am Ende hat sich niemand mehr für William James Sidis interessiert.Mir hätte das Buch besser gefallen, wenn ich gegen Seite 200 mit der Lektüre aufgehört hätte. Denn bis dahin ist „Das Genie“ brillant. Danach wollte ich nur noch das Ende erreichen.
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