die Gegenüberstellung 2er Päpste scheint gut belegt im Quellenverzeichnis. Bei der derzeitigen Fülle an "Enthüllungen über den Vatikan" bleibt aber gefühlsmäßig eine gewisse Vorsicht (bei mir) bestehen.ein interessantes Buch ,das nicht alleine steht.
Woher der in Neuseeland geborene Schriftsteller die Legitimation nimmt, Leben und Werk von Benedikt XVI. und Franziskus I. genauer unter die Lupe zu nehmen, konnte ich nicht eruieren. Außer dass McCarten vom irischen Katholizismus geprägt wurde, hatte er vor diesem Buch keinen intensiven Bezug zu theologischen Fragestellungen. So erstaunt es auch nicht, dass ihm die Idee zu diesem Buch zufällig kam. Im Prolog heißt es nämlich: „Die Idee zu diesem Buch kam mir seltsamerweise bei dem plötzlichen Tod einer meiner Kusinen.“ Und weil er sich damals gerade auf dem Petersplatz in Rom befand, fragte er seine Partnerin, ob sie wisse, wo der andere Papst sei, der abgedankt hatte. Sie wusste es. E voilà, die Inspiration für dieses Buch war da.Obschon nicht zu den Digital Natives gehörend, ist Anthony McCarten offenbar ebenfalls der Ansicht, Experte könne man auch mit Google werden. Doch damit unterliegt er einem verbreiteten Irrtum oder versteht unter Experte etwas anderes als ich. Denn um Expertenstatus zu erreichen, braucht es oft Jahre, viel Leidenschaft, verarbeitete Niederlagen und die besten Sparringpartner. Egal auf welchem Gebiet. Kurz und gut: Anthony McCarten gibt sich zwar redlich Mühe, kann aber seine Wissenslücken nicht verbergen, was natürlich automatisch auch zu sachlichen Fehlern führt.Auch wenn sich die wenigsten Leser an fraglichen Zusammenhängen, falschen Zahlen oder fragwürdigen Ausflügen in theologische Gefilde stören werden, spüren sie die mangelnde Souveränität wahrscheinlich trotzdem. Und sie werden sich vielleicht sogar ärgern, dass der Autor wichtige Fragen nicht beantwortet. Warum Kardinal Ratzinger noch immer im Vatikan wohnt und welche seiner Denkansätze selbst für seine heftigsten Kritiker von Interesse sein könnten, bleibt ebenso im Unklaren wie die Persönlichkeitsstrukturen der beiden Kontrahenten.Mein Fazit: Anthony McCarten hat aus einer guten Idee leider zu wenig gemacht. Zugegeben, die Aufgabe, die er sich selber stellte, ist auch ungemein schwierig. Aber sie wäre lösbar, wenn man sich vorher genau überlegt, was die Anforderungen an eine Biographie sind, welches Vorwissen die meisten Leser haben und was Menschen interessiert, die von Theologie keinen blassen Schimmer haben. Es ist einfach zu hoffen, dass die Netflix-Produktion mit Anthony Hopkins, Jonathan Pryce und Juan Minujin die Schwächen der Buchvorlage ausbügeln kann.