Jean, Stan und Ronny – klingt nach einer amerikanischen Folkband, die mit der Gitarre über der Schulter durchs Land tingelt. Doch bis auf das Tingeln liegt dieses Bild schief in der Landschaft von Lew Archer. Er ist gerade aufgestanden, als ihm Ronny, ein Knirps von einer Handvoll Jahren beim Buschhäherfüttern Gesellschaft leistet. Ein aufgewecktes Kerlchen. Das ändert sich als Stan die Szene betritt. Mürrisch, aggressiv ermahnt er seinen Zögling sich zu beeilen, weil er mit ihm zu Oma Nell fahren will. Ronny ist eingeschüchtert. Auch das erfrischende Wesen seiner Mutter Jean kann die Situation nicht retten. Die Drei bewohnen vorübergehend die Wohnung der Wallers, die Jean in weiser Voraussicht Lew Archer als Ratgeber und im schlimmsten Fall als Helfer in der Not angegeben haben.Und dieser Umstand wird schneller Realität als allen Beteiligten lieb ist. In der Nähe von Oma Nells Haus wüten verheerende Waldbrände. Jean ist besorgt. Auch als sie endlich Nell telefonisch erreicht, von Archers Apparat, legt sich ihre Anspannung nicht. Im Gegenteil. Stan hatte wohl nie vorgehabt mit Ronny zu Nell zu fahren. Und das blonde Gift auf dem Beifahrersitz, Archer hatte nur ihre Schultern erkennen können, tragen auch nicht unbedingt dazu bei Jean zu beruhigen. Archer schnappt sich Jean und fährt mit ihr zu dem Haus, in dem sie und Stan eigentlich wohnen. Dort gab es einen riesigen Streit. Stan hatte eine Frau bei sich, Sue. Und die steht schon bald im Fokus von Archers Interesse.Doch zuerst findet Archer heraus, warum Stan ein so derart getriebener Mensch ist: Stan wurde in Kindertagen vom Vater verlassen. Nun ist er geradezu versessen seinen Erzeuger zu finden. So versessen, dass er alles diesem Ziel unterordnet. Doch dieses Ziel wird er nicht erreichen! Im Waldbrandgebiet in den Bergen wird seine Leiche entdeckt. Von Sue, seiner Begleiterin, die nirgends einen guten Eindruck hinterlassen hat, fehlt jede Spur. Auch von Ronny!Sue und ihr Komplize / Begleiter Jerry teilen nicht nur den Weg, den sie nun gemeinsam mit dem Broadhurst-Jungen beschreiten, sondern eine weitere gemeinsame Person: Leo Broadhurst, Ronnys Opa und Stans Vater.Lew Archer geht es dieses Mal nicht ums Geld. Die Summen, von denen er in anderen Fällen gern mal redet, stehen hier kaum zur Debatte. Mit Fingerspitzengefühl wird er Klienten, Zeugen, Befragten und Verdächtigen gleichermaßen gerecht. Ein Urteil erlaubt er sich nicht. Alle haben schon genug mit sich und der eigenen Geschichte zu tun. Lew Archer ist Amerikaner durch und durch. Doch Stereotypes Amerikanisch sucht man in Ross Macdonalds Roman vergeblich.
Es ist ein heißer Sommer in Kalifornien. Beim morgendlichen Vogelfüttern macht der Privatdetektiv Lew Archer die Bekanntschaft des kleinen Nachbarjungen Ronny Broadhurst, der in den Streit seiner Eltern geraten ist. Der Vater Stanley und der Sohn machen sich auf den Weg zur Großmutter, doch sie kommen nicht, wie angekündigt, dort an, sondern sind spurlos verschwunden. Archer erhält von Ronnys Mutter den Auftrag, ihren Sohn und ihren Mann zu suchen, denn sie macht sich Sorgen, da in der Gegend ein Waldbrand ausgebrochen ist.Während sich Archer auf die Suche macht, verzweigt sich der Fall immer mehr. Er findet heraus, dass Stanley mit einer jungen Frau unterwegs war. Der labile Mann will außerdem herausfinden, wieso sein Vater vor 15 Jahren ebenfalls spurlos verschwand. Archer findet schließlich Stanleys Leiche, von Ronny und der jungen Frau gibt es aber immer noch kein Lebenszeichen. Geht es um Lösegeld oder um Erpressung in einem Ehekrieg? Mitunter fragt sich Archer, warum er sich auf die Sache eingelassen hat. Doch die Sorge um den Jungen überwiegt. Nur langsam gelingt es ihm, das ganze Ausmaß des Familiendramas zu enthüllen.„Der Untergrundmann“ ist eine mitreißende Geschichte um Vatersuche und ein dunkles Familiengeheimnis. Das Spätwerk (1971) von Ross Macdonald, ist der berühmteste Fall seines Detektivs Lew Archer. Komplettiert wird die Diogenes-Ausgabe (eine Neu-Übersetzung) durch ein Nachwort von Donna Leon.