Farne und andere Sporenpflanzen haben es nicht leicht. Die rasante Klimaerwärmung schreitet schneller voran, als sich die Pflanzen neue Lebensräume suchen können und selbst häufige Arten werden immer seltener. Gute Bestimmungsliteratur hilft auch dabei, solche Veränderungen zu dokumentieren (oder überhaupt zu bemerken), aber gerade zum Thema Farne gibt es bei uns, anders als z. B. in England, verhältnismäßig wenig Literatur.„Farne, Schachtelhalme und Bärlappe“ ist ein an Laien gerichtetes, aber auch für Experten geeignetes Handbuch, das insbesondere im Aufbau seines Bestimmungsschlüssels die herkömmlichen Pfade verlässt und die systematische Verwandtschaft weniger gewichtet als die allgemeine Gebrauchstauglichkeit im Gelände. Anstatt traditionell auf die mikroskopischen Merkmale der Sporenkapseln und deren Hüllen zu setzen, nutzen Bendel und Alsaker in erster Linie Blatt- und Wuchsmerkmale, die auch ohne technische Hilfsmittel erkennbar sind. Es wird maximal eine 10-fach Lupe benötigt. Der dichotome (ja/nein-Entscheidungen) Bestimmungsschlüssel verwendet zwar die botanische Fachsprache, es werden auf den Innendeckeln aber alle Fachvokabeln illustriert erklärt. Die Orientierung ist einfach und die Ergebnisse werden bis auf Artenebene aufgelöst, mit einem Verweis auf die zugehörige Seitenzahl.Der allgemeine Teil beschreibt die Ökologie, Morphologie und interessante Fortpflanzungsbiologie der betrachteten Gruppe, benennt die charakteristischen Merkmale, um sie von ähnlichen Gattungen abzugrenzen und enthält auch einen Abschnitt zur Anzucht von Farnen, was mich persönlich besonders reizt.Der spezielle Teil mit den Artensteckbriefen ist sehr ausführlich und vor allem exzellent illustriert. Die Fotos sind nicht nur ästhetisch, sondern ausgesprochen aussagekräftig, erfreulich groß und zeigen meistens auch noch charakteristische Makrovergrößerungen. Auf eine allgemeine Einführung zur jeweiligen Gattung folgen die Einzelsteckbriefe. Alle phänotypischen Merkmale werden hier noch einmal zusammengefasst, bestimmungsrelevante Elemente im Fettdruck hervorgehoben und Verwechslungsarten aufgezählt. Die Angaben zu den Lebensräumen und Standortfaktoren sind präzise, genau wie die detaillierten Verbreitungskarten, die z. B. für Deutschland auf den Messtischblatt-Kartierungen des „Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen“ basieren. Erfasst sind Deutschland, Österreich und die Schweiz. Weitere Informationen umfassen den gesetzlichen Schutzstatus in diesen Ländern sowie Angaben zur Sporenreife und der Chromosomenzahl. Letzteres ist in der Regel kein relevantes Bestimmungsmerkmal, außer bei den Tüpfelfarnen, die auch gerne hybridisieren. Diese Problematik wird in einem eigenen Kapitel behandelt. Ein Glossar, Register und Bibliografie finden sich im Anhang.Ein handliches, praxistaugliches und wirklich hervorragend illustriertes Bestimmungshandbuch aller in Mitteleuropa vorkommenden Farne, Bärlappe und Schachtelhalme, das auch die mehr oder weniger beständigen Neophyten berücksichtigt.(Dieses Buch wurde mir vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auf meine Rezension wurde kein Einfluss genommen, der Inhalt stellt meine persönliche Meinung dar.)
Gleich auf der ersten Seite des Buches erhält man eine Schulung zu den morphologischen Merkmalen der Farne. Das bedeutet Formen der Blätter, wie sehen die Blattränder aus und was sonst noch so wichtig ist, um einen Farn zu identifizieren.Weiter geht es, mit der Einführung hier erfährt Mann/Frau für wen und wie das Bestimmungsbuch zu verwenden ist und wo ich welche Informationen finde. Auf den nächsten Seiten erhalten wir einen Überblick über den schematischen Stammbaum der Moose und Gefäßpflanzen zu denen die Farnpflanzen gehören. Wo die Sporen zur Vermehrung sich verstecken und welche Merkmale noch wichtig sind um diese Gewächse zu bestimmen.Ein weiteres wichtiges Kapitel betrifft die Vermehrung und welche Grenzen die Feldbotanik uns aufzeigen. Der folgende Bestimmungsschlüssel ist unabhängig von der Systematik angelegt und dient zum Bestimmen der Arten und auf welcher Seite des Buches diese zu finden sind.Als Nächstes kommen wir zu den Porträts der Arten. Zuerst wird die Familie vorgestellt, deren Merkmale und das Vorkommen. Danach folgen die einzelnen Arten mit genauen Beschreibungen, möglichen Verwechslungen, Standorten, Bodenbeschaffenheiten, Verbreitung, ob sie unter Schutz stehen oder nicht und noch vielem mehr.Weiter geht es mit dem Farn-Glossar. Hier werden die verwendeten Fremdwörter und Pflanzen spezifischen Bezeichnungen erklärt. Es folgen die Hinweise zu weiterführender Literatur, Danksagung, Bildnachweisen und Register.Das Buch endet wie es begonnen hat, nur dieses Mal mit den morphologischen Merkmalen der Schachtelhalme.Ich erteile eine absolute Kaufempfehlung. Die vielen detailreichen Fotos helfen zur Bestimmung genauso wie die vielen Illustrationen. Es ist ein Erlebnis darin zu schmökern und neue Arten zu entdecken. Das einzige, was ich als Nachteil empfunden habe, waren die zu klein geratenen Verbreitungskarten. Diese sollten bei einer Neuauflage größer abgebildet werden. Der Inhalt verdient trotzdem die 5 Sterne.