Ich habe sie alle, die Klassiker des Buchbindens! Hin und wieder gönne ich mir eine der Neuerscheinungen, die meistens nur Altbewährtes aufwärmen und sich meist mit komplizierten Faltungen und Nahtverbindungen aufhalten. Dieses Fachbuch der Schwedin Monica Langwe becircte mich bereits beim ersten Durchblättern, weil sie so herrlich schlicht in der Materialauswahl ist und immer wieder textil Anmutendes den Eye-Catcher ausmacht. Dann habe ich mit Muße die Seiten im Detail durchgearbeitet. Schon mit ihrem Vorwort über die Tradition in ihrer Familie, ständig ein oder mehrere Handarbeitsprojekte am Laufen zu haben, hat sie mir aus der Seele gesprochen! Auf fast 20 Seiten informiert Langwe über die Geschichte des Papieres und des Buchbindens, sie klärt über die Vielfalt von Papierarten und von Spezialwerkzeugen auf, um dann grundlegende Fertigungstechniken zu veranschaulichen und auf ihre Inspirationsquellen einzugehen. Ihre Bemerkungen sind sehr aufschlussreich, weil die Kunsthandwerkerin nicht wie üblich im anglo-amerikanischen Raum beheimatet ist, sondern ihre Wurzeln im skandinavischen Kulturkreis hat. Es folgen dann 25 Projekte, die sich durch genaue Materiallisten, detaillierte Darstellung des Arbeitsablaufes und zahlreichen Fotos des Endresultates mit vielen Varianten auszeichnen. Hergestellt werden Bücher, Notizhefte, Schachteln, Grußkarten, Sammelmappen und Alben, die sich weitestgehend durch einfache Techniken, durch schlichte Oberflächengestaltung und durch die ungewöhnliche Verzierung mit Alltagsmaterialien auszeichnen. Textilaffine Buchbinder werden mit Entzücken feststellen, dass immer wieder Fadenverschlüsse, Fadenheftungen, Varianten des Knopfannähens, Kurzwarensammlungen, Aufgenähtes, Aufgesticktes auftauchen. Das Layout der Umschläge ist meist dem Design von Schnittmustern, Stickschriften und alten Handarbeitsbüchern entliehen, sei es als Farbkopie, sei es mit echter textiler Struktur. Menschen, die sich an unterschiedlichsten textilen Techniken üben, Musterproben im Miniaturformat realisieren und dadurch eine Sammlung von kleinen Kostbarkeiten besitzen, die keine wahre Funktion haben, bekommen hier viele Inspirationen, wie durch ein Etui, ein Einsteckalbum, ein Album mit Fenstern und einem Faltordner mit Einstecktaschen diese Proben ansprechend präsentiert eine Wertschätzung erfahren und sich zu einer kleinen delikaten Ausstellung entwickeln. Einige Hüllen sind schnell gemacht, ihr voluminöser Leerkörper bietet sich an, textile Kostbarkeiten oder Zutaten als Geschenk zu überreichen. Auf den letzten Seiten liegt der Schwerpunkt auf Faltarbeiten. Die fertigen Tüten, Schachteln, Etuis, Sternspulen dienen allesamt dazu, Ordnung im Nähkasten oder in der Schneiderwerkstatt zu schaffen. Einige Modelle sind Klassiker, aber im neuen Gesicht. Andere Faltarbeiten waren mir neu: mittelschwer zu falten, aufwändig wegen der Mehrfachmodule, kniffelig in der Fertigstellung, aber sehr ansprechend in der Ausführung. Hilfreich sind die Bezugsquellenliste im Anhang und das Glossar der Fachbezeichnungen, das neben den deutschen Begriffen auch den englischen notiert, was die Nutzung der hauptsächlich englischsprachigen Erklärvideos, Websites und Fachbücher erleichtert. Da in diesem Buch unterschiedlichste Niveaustufen bedient werden, lassen sich viele Projekte im Kunst- , Werk- und Textilunterricht ab Klasse 4 einsetzen.