Der fast taube Nicholas Quinn wird überraschend zum Mitglied des Verbands für Auslandsprüfungen der Oxford-Universität berufen. Quinn lebt sich schnell ein in die Welt der angesehenen Professoren, der Nachmittagssitzungen mit gutem Rotwein und der bequemen Ledersessel. Nur hat er kaum Gelegenheit, sich an seinem neuen Job zu erfreuen: Schon kurz nach seiner Ernennung wird Quinn vergiftet in seiner Wohnung aufgefunden. Ein Mord ohne die geringsten Anhaltspunkte - wie geschaffen für den brillanten Inspector Morse.
Bewertungen & Erfahrungen
4,3 von 5
4 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion30.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein faszinierendes und atmosphärisches Buch, das mich sofort in die Welt von Nicholas Quinn hineinzieht. Die Geschichte ist sehr gut erzählt, auch wenn manche Teile etwas langsamer wirken.
Nachdem ich die erste Staffel Inspector Morse auf amazon prime mit Begeisterung angesehen hatte, entdeckte ich erst die Buchvorlage von Colin Dexter (dessen alter ego Morse ein bisschen zu sein scheint.). Nun kann man auf dessen Spuren nochmal gedanklich statt rein visuell durch Oxfords wunderschöne Stadtteile und Umgebung wandeln - Kidlington, Jericho, Summertown, North Oxford, Woodstock... dieses authentische Lokalkolorit und das Spannungsfeld zwischen "town and gown", der Stadt und ihrer Universität, machen viel von dem Charme der Serie aus.Morse wirkt wie ein herrlich politisch unkorrekter und auch widersprüchlicher Gegenentwurf zu allen weichgespülten Ermittlern der Neuzeit: er trinkt im Dienst; er flucht; er gräbt Frauen an, gern auch mal Verdächtige; er kommandiert seinen Sergeant Lewis nach Belieben herum; zieht falsche Schlüsse mit einer Überzeugung, die ihresgleichen sucht, ist aber gleichzeitig gebildeter Akademiker (wenn auch verkracht), drückt sich gewählt aus, wenn er will, löst das Times-Kreuzworträtsel in weniger als 12 Minuten, ist Wagner-Liebhaber und kann auch Gentleman sein (ebenfalls, wenn er will). Ein Blick auf das Erscheinungsdatum des ersten Romans (Der letzte Bus nach Woodstock) zeigt dann auch, dass er bereits 1973 im Original erschien, die erste Staffel der TV-Serie wiederum spielt immerhin auch bereits 1986. Auf uns Leser aus dem 21. Jahrhundert wirkt diese Welt schon antiquiert und das ist ein großes Vergnügen. Gleichzeitig sind die Romane zeitlos.Das wirklich Wunderbare bei Morse ist aber: Jeder noch so verzwickt und abstrus erscheinende Fall ist so liebevoll konstruiert wie ein Times-Kreuzworträtsel, so einzigartig wie eine Wagner-Partitur. Dem Leser wird einiges an Fantasie abverlangt, er flucht und rauft sich die Haare wie Morse, wenn er mit ihm auf einer falschen Fährte ist, er leidet mit Lewis, wenn der Chef seine miese Laune an ihm auslässt, er krümmt sich bei Morses platten Komplimenten hübschen Frauen gegenüber. Doch am Ende wird natürlich alles gelöst, ein Ale getrunken und versöhnlich wieder mit dem Sergeant angestoßen (oder wie hier: ins Pornokino gegangen!). Diese Aufklärung ganz am Schluss geschieht eben nicht – zum Glück - nach Art eines selbstzufriedenen, unfehlbaren, ja arroganten Holmes oder Poirot, sondern erst nach zahlreichen Fehlinterpretationen, Irrwegen, Frustrationen und Ungereimtheiten. Das macht Morse so - ja: menschlich. Und darum lohnt es sich, jeden Teil der Reihe zu lesen, die der Unions Verlag in schöner Ausstattung und entstaubter Übersetzung bis 2021 neu herausgibt.So auch "Die schweigende Welt des Nicholas Quinn", eine Abwandlung des typischen ”locked room mystery”, des Rätsels vom verschlossenen Raum, wie es schon bei Christie, bei Poe oder Conan Doyle vorkam. Der Plot ist beinahe rührend altmodisch mit seinem überschaubaren setting - die Kommission für Auslandsprüfungen - und dem ebenso überschaubaren Kreis der Verdächtigen. Immer wieder, auch dies ein Kunstgriff des Autors, wechselt er die Erzählperspektive, lässt uns gar an den Gedanken und Laufwegen der Verdächtigen teilhaben, ohne jedoch irgendetwas zu verraten. Diese hohe Kunst der Auslassung, die sich manchmal nur in einem Halbsatz, einer Geste und dann einem abrupten Abbrechen der eben noch so lustvoll detailliert beschriebenen Perspektive äußert, beherrscht der Altphilologe Dexter perfekt und dies ist es, was den Leser fesselt und immer wieder dranbleiben lässt.Uneingeschränkte Leseempfehlung und darauf ein pint Ale!
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 10:22 Uhr.