‚Es waren bis heute mehr Menschen im All als in der Tiefsee. Die Oberfläche des Mondes, ja sogar die ausgetrockneten Seen des Mars kennen wir besser. In der Tiefsee ist das Leben wie ein Traum, aus dem man nur langsam erwacht.‘Die langjährigen Freunde Morton und Hugo machen sich mittels Schlauchboot auf den Weg in den Nordatlantik, um dort einen Eishai zu fangen. Während sie darauf warten, dass ein Fisch auftaucht, erzählt Morten A. Strøksnes vom Meer und all seinen Facetten: von Mythen und Legenden, Leben in der Tiefsee und Biolumineszenz, Walen und Walfang, Winden und Seefahrt, Sternbildern und der Entstehung des Universums, Literatur und Expeditionen, Leuchttürmen und Seeungeheuern, Lofoten und Fossilien, Seeigeln und Springflut, Massensterben und Evolution.‚Das Buch vom Meer‘, dessen kompletter Titel ‚Das Buch vom Meer oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen‘ lautet, ist bereits das neunte Buch von Strøksnes, der in Kirkenes an der Barentsee geboren wurde und heute in Oslo lebt.Obwohl das Hörbuch sehr stimmungsvoll mit Walgesängen beginnt und die Beschreibungen von Anfang an sehr lebendig waren und die Imagination anregen, habe ich eine Weile gebraucht, bis ich mich in das Hörbuch eingefunden hatte. Doch dann war ich regelrecht verzaubert von Strøksnes‘ Erzählstil und den vielen Geschichten rund ums Meer, die den Hörer in fremde Welten und vergangene Zeiten entführen.Strøksnes zeigt in seinem Buch die Magie der Meere und ihrer Bewohner - zum Einen durch die Erwähnung von Mythologie und von Legenden, zum Anderen durch die Verdeutlichung, welchen Zauber die Naturwissenschaften ausüben, wie magisch und fesselnd Biologie, Paläontologie usw. sind, wie sie den Hörer staunen und fasziniert aufs Meer schauen lassen.Strøksnes zeichnet ein umfassendes Bild vom Meer und von damit assoziierten Themen, und damit ist ‚Das Buch vom Meer‘ meiner Meinung nach nicht nur ein stimmungsvolles Hörbuch, sondern auch ein Sachbuch, mit dem man viel Wissen erlangen und das man immer und immer wieder hören kann, weil es so viel Input bietet.Auch die Interpretation durch Shenja Lacher und Stefan Wilkening hat mir sehr gut gefallen, so dass das Hörbuch ein echtes Hörerlebnis ist und ich ‚Das Buch vom Meer‘ voll und ganz empfehlen kann.
Eishaie gehören evolutionär zu den ältesten Lebewesen der Erde. Sie können mehrere Hundert Jahre alt werden, vermehren sich nur sehr langsam und ihr genauer Status ist unbekannt. Sie sind außerdem für Menschen ungenießbar - lediglich den Lebrtran kann man für Farben benutzen. Wenn Sie jetzt denken "Oh, da muss ich gleich einen fangen und töten!" haben Sie die Prämisse des Buches verstanden. Denn genau das wollen der Autor und sein bester Freund: Einen Eishai fangen. Als Großwildjägerhaften "Weil ich es kann!" vermutlich, so genau wird das im Buch nicht thematisiert. Jetzt ist ein Angelausflug natürlich nicht mit den Umweltschäden etwa durch Treibnetze zu vergleichen (und der negative Einfluss des Menschen auf Meer WIRD angesprochen), aber die Stimmen hier, wie naturnah und romantisch das alles ist, kommen angesichts dieser Prömisse bisweilen etwas schräg.Allerdings weiß ich schon was gemeint ist: Stöksnes hat einen plaudernden, sehr sympathischen Stil und während die beiden Freunde im Boot sitzen und warten, dass jemand anbeißt - oder an Land und warten, dass sich das Wetter bessert - wird geplaudert. Das ist die Zeit von Anekdoten und vielleicht auch von Seemannsgarn, aber auch von Erzählungen über das Meer, über die Lofoten, über die Fischerei, die Fische und deren Geschichten. Nichts geht wirklich in die Tiefe - es ist ja Plauderei - aber dafür um so mehr in die Breite. Man erfährt viel und ja, es ist schön geschrieben. Man bemerkt die Bewunderung des Autoren für das Meer (wobei er an der Fischerei selbst nicht zweifelt). Nicht umsonst ist dieses Buch ein weltweiter Besteller geworden. Man kann es wunderbar nebenbei lesen und dabei von den Lofoten träumen. Das ist schon nicht schlecht.