Wer einen guten Unterhaltungsroman mit Lachgarantie sucht, dürfte hier fündig werden. Das Erstaunliche an diesem Buch ist, auch die Geschichte des schwedischen Autors, einst der Gründer einer Consulting-Firma, entscheidet sich ins Tessin zu gehen und zu schreiben, ein Debut das überrascht, schon in der 7.Auflage steht, sich über Monate in der Spiegelliste hält und ungebrochenen Erfolg vorweisen kann. Wer ein Buch auf wiederholten Lachreflex anlegt, geht die Gefahr ein, eintönig zu werden, oder den Atem dann doch nicht über immerhin 412 Seiten dafür zu halten. Eine abstruse Verfolgungskomödie mit Krimitouch, so mancher Wendung und Überraschung, clever inszeniert, das spezielle eines Hundertjährigen wie einer Biographie aufblättert, dessen Schilderung man aber irgendwann, nicht mehr gar allzu ernst nimmt, sich im Gegenzug aber der Humor dafür gefallen lässt.Allan Karlsson, der im Mittelpunkt dieser wilden und lustigen Verfolgungsstory steht, ist mit so mancher Charakterraffinesse ausgestattet, die so richtig flott dahin erzählt wird! Ein Roman der sich wie in zwei Zeitfenstern bewegt. Zum einen die Gegenwart, die damit beginnt, dass der Hunderdjährige Allan beschliesst aus seinem Pensionärsheim heimlich abzuhauen. Er nimmt sein ganzes Gespartes, das aus wenigen hundert Kronen besteht, macht sich auf zur nächsten Busstation. Dort trifft er einen jungen Mann, dessen Jacke die Aufschrift "Never again" trägt. Als er von ihm beauftragt wird, auf seinen Koffer anzupassen während er auf eine Toilette muss, in die der Koffer nicht passt, haut Allan ungeplant damit ab. Daraus entsteht eine herrlich komponierte Verfolgungskomödie, wo Polizei und Staatsanwaltschaft dem Alten auf den Fersen ist, die richtig um die Nase herum geführt wird, bei der so manche Freundschaft entsteht, die ich persönlich lieber las, als sein Pendant, nämlich der biographischen Rückblenden, die das Leben des Hundertjährigen erzählen will, die dann doch von politisch-militärischen Interessen erzählen will..Die Kapitelüberschriften zeigen uns, in welchem Zeitfenster wir uns befinden, bereits auf S.32 springen wir in das Jahr 1905 und erfahren etwas von den Eltern und den Anfängen von Allans Leben und Wurzeln. Ein Leben, das vom Leben eines Sprengstoffexperten erzählt, der durch seine berufliche "Mission" gar bis zur Nuklearbombe als Fachspezialist gehandelt wird und ihm dadurch die Welt offen steht, so manches Land scheint dadurch an ihm interessiert und nimmt mit ihm Kontakt auf, immer mit dem Hintergedanken, den Spezialisten für den eigenen Bau für Atomwaffen zu gewinnen. Damit einhergeht die witzige Komposiotion, so manchem politischen Führer zu begegnen. Ob Stalin oder Mao, ob Breschnew oder Truman, Churchill oder Nixon, Jonasson spart nicht an bekannten Persönlichkeiten aus der Weltpolitik, als ob sie Jonasson hier alle versammeln will. Allan erreicht dabei so manche Lebensstation, so manches Land das er bereist und in dem er auch lebt.Fazit: Ein Autor, der es schafft ein Lächeln beim Leser hervor zu holen. Einer wunderbaren Sprache, wo man der Übersetzerin Wibke Kuhn nur gratulieren kann. Eine Posse zwischen wilder Verfolgungsjagd und politischer Zeitgeschichte. Ein Roman der vor allem in der ersten Hälfte brilliert, gegen Ende jedoch am Niveau abfällt und nicht halten kann. Ein gewiefter Unterhaltungsroman mit Lachgarantie und brillierender Komik, jedoch dadurch eher kurzweilig ist und dafür keine grosse Tiefe vorweist. Ein Roman der über herrlich geschriebene Passagen verfügt, spannend geschrieben ist, die Frage bei Humor ist natürlich immer dieselbe, nämlich mögen diesen Humor alle Leser? Ich bin mir das nicht so sicher, auch wenn ich ihn selbst mochte. Komik, die mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde. Ein lustiger Schreibstil, der selbst brutale Szenen erlaubt. (Man denke an die Elefantin Sophia, die sich auf einen Verfolger setzt...) Dieses ganze Atombomben-Thema und militärische Teil hat mich nun wirklich nicht gepackt. Jonassons Phantasie scheinen hier keinerlei Grenzen gesetzt zu sein. Dafür zeigt der Erfolg dieses Buches auch, dass sich Humor gut verkaufen lässt, wenn er ankommt. Ein Buch das über die erste Hälfte packend spannend ist, jedoch in der zweiten Hälfte langatmig wird. (Zur Bewertung: Die erste Hälfte 5* / die 2. Hälfte 3* => 4*)
Das Erstlingswerk Jonas Jonassons „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ berichtet vom spannungsgeladenen Leben des betagten Allan Karlsson, der zu Beginn seines hundertsten Lebensjahres noch ein wahres Abenteuer erlebt – hätte er nicht eh schon genug im Leben mitgemacht.So war der rustikale Schwede und Sprengstoffexperte nicht nur im spanischen Bürgerkrieg beteiligt, er rettete sogar General Franco, verhalf den Amerikanern entscheidend zur Atombombe und trank mit Präsident Truman Tequila. Daraufhin wanderte er kurzerhand nach einem Aufenthalt in China durch den Himalaya, sprengte die Geheimpolizei des Irans weg, um sich auf den Weg zurück nach Europa zu machen. In Schweden angekommen eröffnete er einem russischen Physiker – natürlich bei einem Schnaps – das Geheimnis der Atombombe, wird letztendlich jedoch von Stalin in den Gulag Wladiwostoks verfrachtet. Nach 5 Jahren Schnappsabstinenz floh er über Nordkorea, wo er durch glückliche Umstände und Verbindungen auf Bali landete. Nach vielen Jahren Sonne, Strand und Schnaps kam er nach Paris und wurde von der CIA als Agent angelernt, was ihn das Ende des Kalten Krieges bewirken ließ. Darauffolgend landete er wieder in seinem Heimatort Yxhult, wird jedoch nach einer unüberlegten Sprengung ins Altersheim gesteckt. Doch die strikten Regeln sind nichts für den nunmehr hundertjährigen Allan, der an seinem 100. Geburtstag aus dem Fenster seines Zimmers steigt, einen Koffer entwendet und so auf der Flucht vor dem eigentlichen Besitzer und, nach ein paar unbeabsichtigten Morden, auch vor der Polizei ist. Das Buch endet jedoch mit einem großen Happy End, bei dem sich Allan und seine neu gewonnenen Freunde erneut auf Bali niederlassen.Diese Handlung wurde von dem Autor in zwei Einzelstränge verpackt, wobei Allans Lebensgeschichte immer wieder ausschweifend, teilweise sich in sehr kleinen Details verlierend, ihren Platz zwischen der gegenwärtigen Story – der Teil, ab dem Allan „aus dem Fenster stieg und verwand“ – findet.Wie man sieht, hat sich der Autor in seiner Kreativität keine Grenzen setzen lassen und die Story mit allen möglichen und unmöglichen Facetten ausgeschmückt. Der Erzählstil ist dabei von Leichtigkeit und Komik geprägt, der keinen großen Anspruch mitbringt und öfter mal ein Lächeln auf das Gesicht zaubern kann, auch wenn der immense Grad der Absurdität nicht jedermanns Geschmack ist.So bewirken jedoch des Öfteren die brutalen Inhalte, wie zum Beispiel die Tode von zwei der kriminellen Verfolger Allans durch u.a. Ausrutschen im Elefantenkot und darauffolgend das zu Tode quetschen durch den sich setzenden Elefanten ein Stirnrunzeln über diese Kombination des leichten Erzählstils und dem teilweise skrupellosen Inhalt. Immerhin entsteht noch eine Freundschaft mit dem dritten Gauner, er wurde ja auch nur schwer verwundet und verzichtet zusätzlich auf den Inhalt des Koffers.Der Autor lässt seinen Protagonisten dabei immer wieder betonen, dass er kein Interesse für Politik habe und doch könnte man eine gewisse Einteilung unterstellen: Truman wird zum Saufkumpan und Stalin schickt Allan ins Zwangslager. Zwar ist dies das augenscheinlichste Beispiel des Buches, doch dreht sich die ganze Sache, wenn später die Skrupellosigkeit der republikanischen, chinesischen Soldaten oder die Korruption der Politik zur Sprache kommt.Allan hält dabei immer am Alkohol fest. Selbst bei der Himalaya-Durchreise erfindet er sein eigenes Schnapsrezept und auch der wesentlichste Grund für die Flucht aus dem Gulag war das Alkoholverbot. Hier nimmt Jonas Jonasson sein eigenes Heimatland gelungen aufs Korn und kompensiert nebenbei die fehlende Suche nach der passenden politischen Entfaltung durch die ewige Lust auf ein Fläschchen Schnaps.Alles in allem ist Jonas Jonassons Erzählung eine unterhaltsame Lektüre in bester Lagerfeuermanier, jedoch mit fehlender Tiefe und kleineren Macken, die durch Komik und Humor darüber hinweg tröstet.