Das öffentliche Bild über China wird sehr einseitig und auch zu Teilen negativ dargestellt. Wer eine objektivierte Sicht und Kenntnisse über das moderne China erhalten möchte, der sollte unbedingt dieses Buch lesen. Die in Deutschland unter amerikanischem Einfluss stehende Berichterstattung ist mir viel zu tendenziös. Herr Sieren stellt an vielen stellen die Frage, ob die westliche Sicht auf China richtig ist. Wenn man das Buch gelesen hat, kann man sich diese Frage eigenständig beantworten. Ich war selbst 2012 in Shanghai und Peking und habe eine Meinung zu China. Dieses Buch hat vieles bestätigt. Vielleicht hilft es auch, eine gewisse Arroganz über China abzubauen.
Dieses Buch straft viele Berichte in unseren deutschen Medien der Unausgewogenheit. Shenzhen ist zwar nicht gleich China. Doch China scheint viel mehr zu sein als Diktatur, Überwachung und Unfreiheit. Die Allerbesten ihrer Branchen, so scheint es, glaubt man dem Buch, zieht es in die Sonderwirtschaftszone, weil dort beste Bedingungen locken... und damit nach China. Die Besten der Welt wohl bemerkt!Der Autor skizziert – vor allem auf Interviews mit chinesischen Unternehmern aber auch Einwanderern aus Europa und deutschen Politikern basierend – eine Welt, die man gar nicht glauben mag. Jeden Abend, wenn ich zwei, drei Kapitel gelesen habe, war ich total aufgewühlt. Das ging bis zur Traurigkeit darüber, dass Europa und Amerika vermeintlich auf ganz vielen Feldern den Anschluss verpasst haben.Das Buch ist wegen der Inhalte und auch seines Unterhaltungswertes wegen lesenswert. Eine hohe Informationsdichte, eingängig erzählt.Allerdings beschleicht mich an vielen Stellen doch der Verdacht, dass eine gewisse Blauäugigkeit zu der überbordenden Hochachtung des Autors gegenüber dem für mich fast unglaublichen, auch gesellschaftlichen Fortschritt führt. Zu wenig wird auf die Kehrseite der Medaille eingegangen; auf die Verlierer, auf die einfachen Menschen. Zudem kam mir beispielsweise beim ausgesprochen langen Teil, der sich mit Huawei befasst, der Gedanke, dass dabei auch ein gerüttelt Maß an Werbung für dieses Unternehmen untergebracht werden sollte. Immer wieder klingt hier durch, dass Vorbehalte des Westens aller Wahrscheinlichkeit unbegründet seien. Mag ja so sein... kann aber auch sein, dass nicht. In "Drecksarbeit: Geschichten aus dem Maschinenraum unseres bequemen Lebens" von Jan Stremmel beispielsweise lese ich etwas völlig anderes über Huawei und die Arbeitsbedingungen dort.Wie dem auch sei – dieses Buch regt an darüber nachzudenken, ob andere Kulturen möglicherweise auch andere Antworten auf gesellschaftliche Fragen haben. Beim Thema Überwachung, das die Chinesen angeblich viel gelassener und zum Teil auch positiver sehen (sollen), fällt mir ein, dass ich es durchaus gutheißen würde, wenn Feinde unserer Demokratie schneller ausgemacht und wirkungsvoller sanktioniert würden.