Der Meister des historischen Romans Für seinen letzten Roman griff Feuchtwanger auf einen Stoff aus alttestamentarischen Zeiten zurück. Er erzählt von Jefta, dem Richter und Kriegsherrn, dessen Taten überall im Lande gerühmt werden. Als Feinde das Land bedrohen, läßt er sich hinreißen zu dem unseligen Schwur, Jahwe denjenigen zum Opfer zu bringen, der ihm nach siegreichem Feldzug zu Hause als erster entgegenkommt. Das aber ist seine geliebte Tochter.
Bewertungen & Erfahrungen
5,0 von 5
4 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion14.08.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieser Roman von Feuchtwanger ist absolut faszinierend und eine großartige Lektüre, die mich tief in die Geschichte entführt. Ich habe die Geschichte sehr begeistert verfolgt und kann ihn uneingeschränkt weiterempfehlen.
Verborgenes Schmuckstück FeuchtwangersBeim Erscheinen des Buches im Jahr 1957 bemerkte die "Münchner Abendzeitung", das Buch "scheine auf Granit geschrieben zu sein", und unterstrich damit bereits die Zeitlosigkeit des Werks. Nichtsdestotrotz ist Feuchtwangers letzter Roman bislang weitestgehend unbekannt geblieben.Die Handlung spielt im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, in der "7. Generation, seit Israel sein Volk ins gelobte Land", also ins Land des Jordans, geführt hat.Der Richter und Stammesoberhaupt Gilead ist gestorben und hinterlässt seiner Sippe Macht und Besitz. Davon ausgeschlossen ist sein unehelicher Sohn Jefta, der recht- und besitzlos in die Berge zieht und in einer Gemeinschaft Gesetzloser zum mächtigen Bandenführer wird.Belagert von Feinden ruft das Volk Gileads ihn zurück und ernennt ihn zum obersten Richter und Heerführer. Daraufhin beginnt der Krieg gegen die Söhne Baals und Milkoms.In auswegloser Situation bittet Jefta seinen Gott Jahwe um Hilfe und gelobt, den ersten Menschen seiner Sippe zu opfern, der ihm begegnet. Als er im stolzen Siegestaumel auch noch Frevel begeht an den efraimitischen Glaubensbrüdern, nimmt Jahwe blutige Rache an ihm.Lion Feuchtwanger schafft es durch seine ausdrucksvolle Sprache, den Leser in archaische Zeiten zurück zu versetzen. Dieser nimmt Teil an den Auseinandersetzungen des Volkes Gilead, er spürt die sengende Sonne und wandelt auf steiniger Erde.Feuchtwangers Roman steckt voll von alttestamentarischer Moral, in der ein Kriegsgott Jahwe für seine Unterstützung oder zur Tilgung von Schuld Blutopfer verlangt. Kraftvolle Dialoge und eine spannende Handlung machen das Buch zu einem überaus lesenswerten literarischen Schmuckstück.
Lion Feuchtwanger schrieb in der Ausgabe seines Romans im Aufbauverlag 1957 im Nachwort, dass ihn als Schüler die Geschichte gepackt hat, als er mühevoll die 47 Sätze aus dem Buch der Richter im Alten Testament aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzen musste. Er erfasste auch die vielen geschichtlichen Deutungen und Umdeutungen, die Interpretationen und von bestimmten Moralvorstellungen und Interessen geprägten Verfälschungen. Ein Gefühl für Geschichtlichkeit sollen die Autoren der Bibel besessen haben. Das zu vermitteln war der Wunsch Feuchtwangers bei diesem Bibelroman, wissend, wie unendlich schwer es ist, gegen die anzuschreiben, die in den Texten der Bibel Gottes Wort als Axiom sehen. Jefta ist für Feuchtwanger vor allem eine historische Figur, die in den ihn umgebenden Lebensverhältnissen Kämpfen und Konflikten ausgesetzt ist, die der Leser des historischen Romans nach- und mitempfinden soll, um zu erkennen, dass die vor mehr als 3000 Jahren Lebenden die gleichen Probleme hatten wie sie, die davon Lesenden, und dass es auch zukünftigen Generationen so widerfahren wird. Das im Buch zu meistern, diese Erfahrung zu wecken, mache den historischen Roman aus. Diese schwierige Aufgabe hat Feuchtwanger für sich gelöst. Sie ließ ihn nach den Erfahrungen der Jugend kurz vor seinem Tod zu neuen Erkenntnissen durch die Verarbeitung der biblischen Geschichte kommen , dies verknüpft mit der Hoffnung, es sei gelungen. Das Buch ist gelungen und erschließt sich dank des wunderbaren Erzählstils Feuchtwangers auch dem Leser, dessen Bibelkenntnisse um Vieles geringer sind.
In seinem letzten Werk, das 1957, ein Jahr vor seinem Tod, als Feuchtwanger schon an Magenkrebs erkrankt war, erschien, verarbeitet er die 47 Sätze umfassende Geschichte des Jiftach aus dem alttestamentarischen „Buch der Richter“in einem opulenten Roman. Die Handlung spielt im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Gilead, Richter und Stammesoberhaupt, ist gestorben und seine ehrgeizige Witwe und deren Söhne übernimmt Macht und Besitz und vernichtet gleichzeitig unter dem Vorwand, er sei mit einer „Ungläubigen“, einer Nicht-Jüdin, verheiratet, die Existenz von Gileads unehelichem Sohn Jefta, der eigentlich sein Lieblingssohn war und sein Amt übernehmen sollte, dem in einer Verheißung auch wahrgesagt wurde, er würde die verfeindeten Stämme Israels einigen, nun aber recht- und besitzlos in die Berge zieht. Dort schließt er die Gesetzlosen und Ausgestoßenen zu einer Bande zusammen und wird deren mächtiger Führer, erobert Städte und schafft sich ein eigenes Land. Als der Stamm Gileads von Feinden belagert wird, rufen sie Jefta zurück und ernennen ihn zum Richter und Heerführer. In einer ausweglosen Situation im Krieg gegen die Söhne Baals und Milkoms bittet Jefta seinen Gott Jahwe um Hilfe und gelobt, den ersten Menschen seiner Sippe zu opfern, der ihm begegnet. Es ist seine Tochter. Vereinsamt von der bitteren Schuld, die sein grenzenloser Ehrgeiz über ihn brachte, herrscht er schließlich sieben weitere Jahre als Richter über Israel und stirbt dann unglücklich mit 40 Jahren. „Wenn ein historischer Roman nur halbwegs glückt, dann schafft er dem Leser ein Erlebnis, das keine andere Dichtungsart ihm zu geben vermag“, schreibt Feuchtwanger in seinem Nachwort. „Der Leser kann die Menschen einer historischen Dichtung gleichzeitig aus der Distanz betrachten und an ihrem Sein und Leben teilnehmen. Er begreift nicht nur, er spürt, dass die Probleme dieser Menschen, so anders sie aussehen mögen, die gleichen sind, die ihn selber bewegen und einmal seine Enkel bewegen werden.“
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.