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Redaktion24.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Die Nolte, Dorothee ist ein sehr interessantes Stück und die Darstellung von Rahel Varnhagen ist gelungen, allerdings finde ich die Qualität des Materials etwas verbesserungswürdig.
Der Eulenspiegel Verlag hat mich bereits mit seinem Anekdotenbuch über Theodor Fontane sehr erfreut. Nun war ich natürlich neugierig auf dieses Buch, das Rahel Varnhagens Leben in Vignetten und Anekdoten berichtet. Ich wußte bislang wenig über sie: eine der bekannten Damen Berlins, die für ihre Salons berühmt waren, in denen sich die großen Köpfe des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts versammelten.Nun habe ich in knapp über 110 Seiten eine ganze Menge mehr gelernt und bin erneut beeindruckt, wie viele Informationen man auf unterhaltsame Weise auf so wenig Raum unterbringen kann. Der gute Eindruck beginnt schon mit dem leuchtend gelben, hochwertig festen Einband, dessen reduzierte Gestaltung ich gelungen finde. Ein Lesebändchen rundet das Gesamtbild schön ab, hinten auf dem Einband befindet sich ein kurzer Lebensüberblick und ein Porträtbild Rahel Varnhagens.Der Text folgt ihrem Lebensweg in Episoden, manche nur eine halbe Seite lang, nie mehr als zwei Seiten. So kann man zwischendurch immer angenehm hineinlesen. Die Vignetten sind chronologisch, so lernen wir Rahel von Geburt an kennen und folgen ihr bis über ihren Todestag hinaus. Die Texte sind locker geschrieben, hier und da ein wenig zu salopp, und gelegentlich waren es mir am Anfang zu viele Wiederholungen. Insgesamt liest sich das Buch aber angenehm, berichtet anschaulich und bindet auch historische und kulturelle Informationen gelungen ein – nie zu überbordend, aber alles zum Hintergrundverständnis ist vorhanden und klar formuliert, so daß sicher auch jemand, dem diese Epoche fremd ist, sich gut hineinfinden kann. Hinzu kommen zahlreiche Zitate von Rahel Varnhagen und ihren Zeitgenossen. Diese komplettieren das Bild ausgezeichnet, sorgen für Farbe, manchmal ein Schmunzeln, bringen manchmal zum Nachdenken. Ob Rahel Varnhagen die „geistreichste Frau des Universums“ (Heinrich Heine) war, mag dahingestellt bleiben; die vorhandenen Zitate reichen nicht aus, sich darüber ein Bild zu machen; mich hat eher ihr Lebensweg vor dem historischen Hintergrund beeindruckt. Gelegentlich fehlten mir ein paar erklärende Sätze, gerade was ihr Leben in jüngeren Jahren betraf, gab es einige Stellen, die ich unklar formuliert oder nicht hinreichend erklärt fand. Insgesamt aber habe ich die Lektüre nicht nur genossen, sondern auch viel über Rahel und ihr Umfeld, sowie über die Auswirkungen historischer Ereignisse auf die Menschen erfahren. Eine kleine Liste mit weiterführender Literatur komplettiert das Buch erfreulich. Rundum gelungen und empfehlenswert!
Bereits das Vorwort macht neugierig und weckt große Erwartungen, zietiert Autorin Dorothee Nolte doch gleich anfangs den Dichter Heinrich Heine mit seinem Urteil, Rahel Varnhagen sei "die geistreichste Frau des Universums".Nolte zeichnet ein anschauliches Bild Rahels, angefangen von ihrer schweren Kindheit, in der sie als Tochter eines reichen jüdischen Juwelenhändlers zwar keine materielle Not kannte, aber enorm unter dem cholerischen Vater litt. Kurz und prägnant - das ganze Büchlein umfasst gerade einmal gut 120 Seiten - skizziert Nolte, in welchem Umfeld Rahel aufwächst. Dabei fokussiert sie sich nicht nur auf Privates, sondern man erfährt als Leser auch einiges über das Berlin im ausgehenden 18. Jahrhundert. Man begleitet Rahel durch ihr abwechslungsreiches Leben mit vielen Höhen und Tiefen, mit reichlich Verliebtheiten und Liebesbeziehungen bis zur späten Heirat mit einem deutlich jüngeren Mann und ihrem frühen Tod mit nur 61 Jahren.Rahel schart berühmte Zeitgenossen um sich, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Fürst Pückler oder die Familie Mendelssohn Bartholdy gehen bei ihren Gesellschaften ein und aus. Ihr scharfer Verstand wird dabei allseits geschätzt - ihre ebenso scharfe Zunge stößt hingegen so manchen vor den Kopf. Dies nimmt Rahel jedoch in Kauf, stellt sie doch das Ringen um Wahrheit über alles. Und so wählt sie ihre Diskussionspartner denn auch in erster Linie danach aus, wer sie als Mensch interessiert, unabhängig davon, welchem Stand oder welcher Religion er oder sie angehört.Über 6.000 Briefe und zahlreiche Tagebücher sind von Rahel erhalten. Sie wollte sie noch zu ihren Lebzeiten veröffentlicht wissen. Dies ist bemerkenswert, galten diese damals einzig mögliche Ausdrucksformen für eine Frau doch als minderwertige Literatur. Die Anerkennung von Rahels literarischem Nachlass als Werk hat daher zweifellos Bedeutung für die Emanzipation der Frau.Das schmale Büchlein ist sehr liebevoll gestaltet. Die kurzen Kapitel sind mit originellen, treffenden Überschriften versehen und analog zu Rahels Lebensabschnitten in größere Segmente unterteilt. Deren Titel sind, ebenso wie der Untertitel auf dem Cover, in eine altertümlich anmutende Schreibschrift gesetzt - ein wunderschöner Bezug zu den handschiftlichen Hinterlassenschaften Varnhagens.Eine Zeittafel, Literaturtipps und ein Lesebändchen runden die hübsche Ausstattung ab. Eine rundum gelungene Kurzbiografie; lediglich Rahels scharfer Verstand trat für mich nicht wirklich hervor, dazu hätte ich mir ein paar Beispiele gewünscht.
Rahel Varnhagen (1771-1833) war zweifelsohne eine bemerkenswerte, faszinierende, eine aus ihrer Zeit herausragende Frau. Vorliegendes kleines Büchlein, mit viel Herzblut und feiner Feder verfasst, sucht ihr Leben nachzuzeichnen. Die zentrale Quelle dabei: die unzähligen Briefe, rund 6.000 davon sind tatsächlich noch erhalten, die Varnhagen im Laufe ihres Lebens an rund 300 Freundinnen und Bekannte geschrieben hat. Fürwahr ein reicher Fundus, der viel über die damalige Zeit, die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse, freilich auch über die Briefschreiberin selbst offenbart.Was freilich fehlt, zu kurz gekommen: der kritische Blick, die inhaltliche Vertiefung auf jene Widersprüche, die Varnhagen ebenfalls ausmachen. Denken wir nur an ihr gespaltenes Verhältnis zur eigenen jüdischen Identität. Oder an ihr privilegiertes Leben, welches sie allerdings nicht immer als ein solches empfand. Andererseits: dieses Büchlein versteht sich nicht als eine umfassende Biographie, vielmehr als eine kleine Annäherung an das Leben Rahel Varnhagens. Eine Einladung also, sich noch intensiver mit ihr und ihrem Wirken zu beschäftigen.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.