Was passiert, wenn das Oberhaupt einer mafiösen Familie auf brutalste Weise ermordet wird, ist der Plot von "Das Gebot der Rache: Kriminalroman" von Neil Lancaster. Natürlich herrscht bei der schottischen Polizei helle Aufregung, denn die Familie ist unberechenbar. Detectiv Max Craigie rutscht in undurchschaubare Strukturen, bei der schnell klar wird, dass die schottische Polizei korrupt ist. Doch wem kann sich Max noch anvertrauen?Geschrieben ist der Krimi von einem ehemaligen Polizisten, der sehr anschaulich unterschiedliche Verletzungen beschreiben kann, also wie ich finde, nichts für schwache Nerven.Es handelt sich bei "Das Gebot der Rache" um den Auftakt einer Reihe um Detectiv Max Craigie, einem etwas eigensinnigen Ermittler mit dem Herz am rechten Fleck. Seine Beschreibung und die seiner Arbeit haben mir besonders gut gefallen, da sie sehr authentisch wirken. Und ich freue mich bereits heute auf Band 2 der Reihe.
Es gibt zahlreiche ehemalige Polizisten, die nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst Kriminalromane schreiben. So auch Neil Lancaster, der nach sieben Jahren bei der Militärpolizei der Royal Air Force 1990 als Spezialist für verdeckte Ermittlungen zur Metropolitan Police wechselte. Seit seinem Ausscheiden 2015 lebt er in den schottischen Highlands und schreibt Kriminalromane.Mein Interesse geweckt hat zum einen das Zitat „Grabbed me from the first page. Think Jack Reacher fronting Line of Duty“ des von mir sehr geschätzten Ian Rankin, zum anderen lohnt es sich immer, die Nominierten für den McIlvanney-Preis genauer unter die Lupe zu nehmen. Also dann: „Das Gebot der Rache“, Auftakt der DS Max Craigie-Reihe und nominiert als bester schottischer Kriminalroman 2021.„Der Tote ist ein Gentleman namens Tam Hardie. Er ist vermutlich der größte Gangster Schottlands, und die Sache wird ziemlich hohe Wellen schlagen. Die Leiche eines Verbrecherbosses, versteckt in einem jahrhundertealten Grab – das wird auf der Titelseite jeder Zeitung stehen“ (S. 62).Wer nun aber glaubt, dieser Krimi würde sich nur um die Tätersuche, die übrigens schnell erledigt ist, eine alte Familienfehde und die Nachfolgekämpfe in Glasgows Unterwelt drehen, täuscht sich. Natürlich spielt das vordergründig eine Rolle, aber das beherrschende Thema ist die Korruption in den Reihen der Polizei, denn je tiefer DS Max Craigie und seine Kollegin, die Anfängerin DC Janie Calder, in den Fall eintauchen, desto offensichtlicher wird es, dass jemand mit großem Einfluss schützend seine Hand über das organisierte Verbrechen hält.Mit den Glasgow-Krimis von William McIlvanney, Alan Parks oder Denise Mina kann es Lancaster zwar nicht aufnehmen, hat aber mit diesem Reihenauftakt einen soliden Krimi abgeliefert. Die Handlung ist zwar komplex, aber gut nachvollziehbar und mit Tempo erzählt, verliert sich aber glücklicherweise nicht in allzu detaillierten Beschreibungen der einzelnen Ermittlungsschritte. Die Protagonisten sind sympathisch, haben zwar auch ihre persönlichen Probleme, aber diese überlagern glücklicherweise nicht die eigentliche Story. Und ihr Verhältnis ist jederzeit professionell ohne romantisches Geplänkel.Ein spannender, lesenswerter Einstieg in die Reihe, von der im Original bereits vier Bände erhältlich sind. Ich freue mich auf die Fortsetzung.