Ein sehr gutes Jugendbuch, so gut geschrieben, dass es auch 13-jährige zügig durchlesen können. Zu Anfang beschreibt Timo F. seine schwere Familiengeschichte mit einer katastrophalen Mutter, die er mit der Hinwendung zur Skinhead-Szene und rechter Rockmusik beeindrucken möchte. Er findet in der rechten Szene Freunde und Bezugsgruppen, die ihn zunächst in seiner Entwicklung unterstützen, letztendlich aber maßlos enttäuschen, wie seine Mutter auch. Er beschreibt einen Teil der rechten Szene als Insider. Man kann sich gut mit seinen Gedanken und Gefühlen identifizieren und fiebert mit seiner Entwicklung mit. Am Ende ist es schön, von seiner Beziehung zu einem Sozialarbeiter zu lesen, der ihm den Ausstieg und eine weitere schulische Perspektive entwickelt und ihn dabei väterlich gut begleitet. Am Ende des Buches stehen Adressen zur Ausstiegshilfe. Auch schriftstellerisch bzw. sprachlich ist das Buch gelungen. Eine Fortsetzung wäre toll.
Habe das Buch am Stück gelesen. Sehr anschaulich und gut verständlich geschrieben, ohne allzu reißerisch wirken zu wollen. Prima, dass es den Anhang mit der Aufzählung bundesweiter Informationsstellen bzw. Hilfe-Einrichtungen gibt. Bin auf die Arbeitsmaterialien für Fachkräfte und Pädagogen gespannt.
„Neonazi“ ist einer dieser Romane, denen man nicht genug Leser wünschen kann. Vor allem junge Leser. Egal, ob sie von diesem Thema betroffen sind oder nicht. Denn der Roman bietet wertvolle Inneneinsichten, wie sie nur von einem echten Aussteiger kommen können.Man versteht den Autor auf jeder einzelnen Seite, auch wenn er sich schon mal augenzwinkernd für so manches Klischee entschuldigt, das zwar aufkommt, das aber doch zu seinem Leben gehört.„Neonazi“ zeigt, wie Jugendliche, denen der Halt fehlt, schnell an falsche Freunde geraten, die nur scheinbaren – und vor allem kurzfristigen – Halt bieten. Solange nämlich nur, wie der einzelne allen Erwartungen und Anforderungen entspricht. Tanzt einer aus der Reihe, wird er fallen gelassen, verfolgt oder es geschieht weitaus Schlimmeres. So sind gerade diejenigen, die in „Kameradschaften“ nach Kameraden Ausschau halten, schnell noch einsamer als je zuvor. Und gerade dieser Aspekt wird in diesem Buch nachvollziehbar verdeutlicht.Ich würde mir diesen Roman als Klassenlektüre für meine Kinder wünschen. Bei allen rechten Tendenzen, die es ja derzeit überall gibt, zeigt dieses zeitgemäße Buch doch eines: Der Weg nach rechts ist in jedem Fall der falsche!