Auch dieser Teil (der letzte) der Trilogie ist wieder einmal überaus gut vom historischen Standpunkt aus betrachtet recherchiert. Es ist erstaunlich wieviel man hier über die englische Geschichte lernt, und dass ohne staubige Schul-Bücher.Während in den ersten beiden Teilen (Das Lächeln der Fortuna; Die Hüter der Rose) die männlichen Hauptfiguren einander sehr ähnlich waren (ok, es sind ja auch Vater und Sohn), schafft sie hier mit Julien einen Protagonisten mit Ecken und Kanten. Sein Vater John und sein Großvater Robin waren sprichwörtlich die Ritter ohne Tadel. Julien hingegen trifft auch Entscheidungen die der Hörer / Leser nicht immer gutheissen wird. Ihn so zu lieben wie seine beiden Vorfahren ist schwierig. Neben Julien wird hier erstmals eine weibliche Hauptfigur in Form seiner Zwillingsschwester Blanche aufgeführt. Wie jedoch leider zu dieser Zeit üblich, sind ihr keine grossen Taten zugedacht.Die Geschichte um diesen Teil der Rosenkriege ist deutlich hektischer und verworrender als seine Vorgänger, was aber die Begebenheiten der Geschichte von damals eben so mit sich bringt. Die Zeitsprünge sind zum Teil deutlich grösser als in den anderen Teilen, nach einem solchen Zeitsprung muss der Leser / Hörer erst über die Ereignisse der übersprungenen Jahre aufgeklärt werden, aber das ist Gable hier gut gelungen.Sie hat es verstanden diese überaus ereignisreichen Jahre gut in diesem Buch zusammen zu fassen, die Zerrissenheit der Menschen zu dieser Zeit kommt sehr deutlich rüber. Bedingt jedoch durch genau diese Tatsache, haben die ersten beiden Teile der Trilogie, die in ruhigeren Zeiten spielen, etwas mehr an Zauber, man bekommt dort etwas mehr vom privaten Leben der Hauptfiguren mit, diese Geschichten sind einfach etwas verspielter als dieser Teil hier. Dieser Teil ist sehr viel deutlicher von den historischen Gegebenheiten geprägt.Und doch lernt man nicht nur etwas über Geschichte, sie baut konsequent die Zeit von damals nach, zeigt die Art zu Leben auf, und auch die Art Entscheidungen zu treffen die über das persönliche Wohl hinaus gehen. Man bekommt deutlich vor Augen geführt, das persönliches Wohl damals ein grosser Luxus war, den man sich kaum leisten konnte.Trotz all dem Positiven bekommt das Hörbuch nur vier Sterne: Der Verlag hat sich warum auch immer dazu entschlossen 2 Sprecher für die Vertonung zu nehmen. Ich schätze weil es 2 Haupfiguren gibt. So werden die Teile aus Juliens Leben von Detlef Bierstedt gelesen. Er kommt nicht ganz an die Leistung von Martin May, der die ersten beiden Bände gelesen hat, heran, aber er macht einen guten Job, zumal ich seine Stimme mag. Die Episoden von Blanche werden von Rebecca Gable persönlich gelesen, meiner Meinung nach eine totale Fehlentscheidung. So genial ihre Romane sind, vorlesen kann sie leider nicht. Sie steigert sich im Laufe des Hörbuches zwar etwas, aber trotzdem ist es nicht immer leicht ihrem doch recht monotonem Vortrag zu folgen.Neben dieser Tatsache hat mich aber noch etwas anderes gestört: in sehr unregelmässigen Abständen werden Hintergrundgeräusche wei Schreie, Schlachtgetümmel usw eingespielt. Meiner Meinung nach ziemlich unnötig und störend. Das ergibt eine ziemlich holprige Mischung aus Hörbuch und Hörspiel die nicht in den Rest des Hörbuches passt.Als letztes kleines Manko: die Idee mit dem MP3-Format ist nicht schlecht, vorrausgesetzt man hat den Player dafür. Aber: jede CD besteht aus jeweils nur 4 Tracks (ich schätze das jeder Track so lange läuft wie eine normale CD laufen würde) Dass bedeutet, wenn der Player aus irgend einem Grund beim Anschalten nicht da weiter spielt wo er zuvor aufgehört hat heisst das spulen bis der Finger lahm wird. Hat man dann einen Player der nicht spulen kann, ist man wohl oder übel gezwungen sich alles nochmal anzuhören bis man an die Stelle kommt wo man eigentlich weiter hören wollte. Eine Aufteilung in mehrere Tracks wäre hier deutlich von Vorteil gewesen.