Tja, was soll ich sagen, auch der 4.Waringham Roman ist beendet. Über 950 Seiten lang tauchte ich ein in die englische Renaissance, die Zeit der Schreckensherrschaft von König Henry VIII. die Wirren nach seinem Tod, die schwache Regentschaft seines kleinen Sohnes Edward VI. und dann in kurzer Folge die 9 tägige Regentschaft von Jane Grey um dann mit der Krönung von Königin Mary I. zu enden. Eine Zeit voller Irrungen und Wirrungen, eine wahrhaft dunkle Zeit englischer Geschichte. Die Zeiten der religiösen Veränderung, die ganz eng an die Regierungszeit von Henry VIII gebunden sind, über Edward VI. in einem blutigen Desaster während der kurzen Regierungszeit von Mary I. zu münden und erst von Elizabeth I., der Schwester Königin Marys, beendet wurden. Unter der Regierung von Elizabeth I festigte sich der Wandel vom Katholizismus hin zum Protestantismus in England und es entstand die „Anglikanische Kirche“. Aber das Buch der Autorin endet mit der Thronbesteigung von Mary I.Vor diesem geschichtlichen Hintergrund bewegt sich die Handlung mit dem Hauptprotagonisten Nick(Nicholas) of Waringham, der Ur-Ur-Ur-Enkel von Robin of Waringham. Wir befinden uns ja bereits im 16.Jh. und auch mit den Waringhams ist ein Wandel geschehen. Sie stehen nicht mehr an der Seite des Königs, sind zwar noch immer Thronvasallen, aber in Ungnade gefallen. Bereits der Vater von Nick war dem Hofe fern. Aber Nick wäre nicht ein Waringham, wenn er nicht seine unbedingte Treue einem Mitglied der königlichen Familie geschworen hätte. Es ist die junge Mary, Tochter König Henry VIII, seine Erstgeborene. Sie, die die Launen und sämtliche Veränderungen ihres Vaters miterlebte und zu spüren bekam, hatte mit Nick einen treuen Begleiter zur Seite. Er hatte einst der Mutter Marys, der Königin Katherine von Aragon, der ersten Gemahlin Henrys, geschworen auch nach ihrem Tod ihrer Tochter beizustehen und sie zu schützen. Was er auch nach echter Waringham-Sitte unermüdlich tat. Interessant wäre zu lesen gewesen, wie Nick, den Wandel den Mary I nach ihrer Krönung an sich selbstg vollzog, die unbedingte Umkehr zur römisch katholischen Kirche unter Hinrichtung vieler protestantischen Adeliger. Wie er dies erlebt und wie er darauf reagiert und handelt. Steht er Mary weiterhin treu zur Seite auch dann, wenn man sie bereits „bloody Mary“ nennt, oder geht er auf Konfrontation mit ihr. Wäre interessant zu lesen gewesen.So, was macht Frau Gable jetzt, schreibt sie die Geschichte fort oder geht sie zurück in ihr geliebtes Mittelalter. Für mich wäre beides schön! Aber ich bin ja nur eine ihrer geneigten Leserin.
Habe das Buch noch nicht ganz zu Ende gelesen, bei fast 900 Seiten dauert das halt ein bisschen.Freue mich auf das nächste Buch der Familiensaga
Erst einmal möchte ich die Punkte aufführen, die mir in diesem Buch negativ aufgefallen sind. Allen voran die Tatsache, dass ich nicht richtig warm werden konnte mit dem Protagonisten Nick. Das lag nicht nur an seinen Schwächen - die es einem aber auch wirklich nicht leichter machen, ihn zu mögen - sondern einfach daran, wie er beschrieben wurde. Es konnte für mich keine richtige Verbindung entstehen, was ich sehr schade fand, da es mir bisher in den Büchern von Frau Gablé völlig anders ergangen war.Dazu ist aber positiv anzumerken, dass Nick das erste Mal nicht dem klassischen Bild der Waringhams entspricht, sodass die Autorin hier Abwechslung geschaffen hat. Das fand ich durchaus gelungen, nur die Person von Nick nicht so ganz.Schade war auch, dass in "Der dunkle Thron" die Nebencharaktere ungewöhnlich blass bleiben. In den Vorgängerbänden gab es immer wieder hervorstechende Nebenfiguren, die einem fast ebenso sehr ans Herz gewachsen sind wie die Protagonisten. Doch das fehlt mir hier sehr. Selbst Nicks Geschwister Laura und Ray bleiben tatsächlich nur kleinere Randfiguren, obwohl sie sehr viel Potential für größere Rollen bieten würden.Ein dritter großer negativer Punkt auf meiner Liste war die Liebesbeziehung von Nick zu seiner Auserwählten. Die Gefühle kommen so plötzlich und ohne dass man wirklich nachvollziehen kann woher. Auch im weiteren berührt die Liebesgeschichte nicht so sehr, wie die in den anderen Romanen der Autorin.Der Roman erzählt die Ereignisse mit dem Fokus auf Mary Tudor, was ich einen sehr interessanten Ansatz finde. Es ist endlich etwas anderes, da die meisten Bücher, die diese Zeit behandeln, aus Sicht Henrys VIII. oder Elizabeth I. beschrieben sind. Vielleicht hätte es nicht geschadet hier und da ein paar Abschnitte vom Hof Henry Tudors einzubauen, damit man auch das dortige Leben im Kontrast zu Marys und Nicks sehen könnte (Nicks Halbbruder Ray hätte sich ja geradezu dafür angeboten).Auch vom Herrschaftsantritt Marys und der kurzen Regierung Jane Greys habe ich bisher noch nicht viel gelesen, sodass dieses Buch einen neuen und überaus spannenden Ansatz bietet.Des weiteren wird die Unsicherheit dieser Zeit wunderbar wiedergegeben. Willkür herrscht in England; jeden Tag kann sich ändern, an was man glauben darf; wenn man im Weg steht, kann man einfach unter einem Vorwand beseitigt werden - diese Angst und Angespanntheit ist im Roman beinahe greifbar.Insgesamt ist "Der dunkle Thron" für mich der bisher schwächste Waringham-Roman. Das ändert allerdings nichts daran, dass es nach wie vor ein sehr gutes Buch ist, historisch gesehen meiner Meinung nach wertvoll, und mit Rebecca Gablés unvergleichlichem Schreibstil auch ein wahres Lesevergnügen.