Martin Zimmermann ist Professor für Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein 2018 erstmals erschienenes Werk in der zweiten Auflage behandelt die Antike aus einer anderen Sicht, aus der Sicht seltsamer Orte. In zehn Kapiteln beschreibt Zimmermann eine Welt, die wohl nur in speziellen Fachbüchern über die Antike zu finden sind: Die Anfänge und die Mittelpunkte der Welt, Geisterstädte, Orte der Sieger, Orte der Liebe, Jenseits des Alltags, Orte des Krieges, Mythische Orte und Orte des Göttlichen, Orte des Wissens, Orte des Grauens und des Todes, Die Enden der Welt.Das Buch bietet einen faszinierenden Einblick in die ungewöhnlichsten und interessantesten Orte der antiken Welt. Zimmermann schreibt auf eine Weise, die den Leser in die Welt der Antike eintauchen lässt und gleichzeitig unterhaltsam und informativ ist. Durch die Beschreibung von Orten wie dem Labyrinth von Knossos, dem Heiligtum der Artemis in Ephesos und dem Totenreich von Odysseus, erzählt Zimmermann faszinierende Geschichten über die Menschen und Kulturen, die diese Orte geschaffen haben. Dabei stellt er auch die Verbindung zwischen Mythologie, Architektur und Geschichte her.Assyrer, Griechen, Ägypter, Römer, Karthager, Kelten und eine Reihe von Persönlichkeiten der Antike bevölkern dieses Buch. Über all die Ereignisse spannt sich ein Tuch der Mystik, der Realitäten und der Phantasie, des Schreckens und der Freude. All diese Geschichten, wenn sie ausgezeichnet erzählt werden und bei ihren Lesern einen Nerv treffen, können eine lange Lebensdauer haben, wie ein italienisches Sprichwort von Giordano Bruno (1548-1600) schön beschreibt: se non è vero, è molto ben trovato (wenn es auch nicht wahr ist, so ist es doch sehr gut erfunden).Ein Unterkapitel hat mich besonders gefesselt: "Eine Latrine in Salamis auf Zypern - ein seltsamer Ort der besseren Gesellschaft". Die Problematik der menschlichen Ausscheidungen war ein stetes Problem, für das offensichtlich erst in unserer Zeit eine befriedigende Lösung gefunden werden könnte, zumindest in den meisten Ländern dieser Erde. Als Archäologen bei Salamis auf Zypern Grabungen vornahmen, entdeckten sie eine antike, prachtvolle Latrine, die halbkreisförmig mit 44 Toilettensitzen angeordnet war, unter denen ein Wasserkanal verlief. Wahrscheinlich wurden Latrinen in der Antike als Orte des ungezwungenen Miteinanders gesehen, des Austausches und der Diskussion. In Ephesos etwa gab es in den Vedius-Thermen eine Latrine mit Sitzen, die für unterschiedliche Berufsgruppen reserviert waren. Den Geldwechslern, Hanfarbeitern, Leinen Webern, dem Kollegium der Korbflechter und anderen Gruppen waren dort spezielle Toilettensitze zugewiesen, auf denen sie bei entsprechender Gelegenheit zusammensaßen.Die menschlichen Hinterlassenschaften waren im wahrsten Sinne des Wortes ein alltägliches Problem, vor allem in den Städten. Gerade die einfacheren Leute erledigten ihr Problem direkt auf der Straße. Sogar der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. schiss im 17. Jahrhundert hinter die Vorhänge, wenn ihm danach war, zumal das sonst vor Luxus berstende Versailles keine Toiletten hatte (!) Offensichtlich waren schon die Römer diesbezüglich reinlicher, wie zum Beispiel die Villa des Kaisers Hadrian bei Tivoli bezeugen kann, wo 134 Toiletten gezählt worden sind.Insgesamt ist "Die seltsamsten Orte der Antike" ein hervorragend geschriebenes und informatives Buch, das jedem empfohlen werden kann, der sich für Geschichte und Kultur interessiert. Zimmermanns Arbeit ist eine wunderbare Einführung in die faszinierende Welt der Antike und zeigt, wie die Vergangenheit unsere Gegenwart beeinflusst.
Das Buch ist sehr interessant und hat spannende Fakten und Hintergründe.An manchen Stellen wird leider etwas zu sehr ins Detail gegangen, wo es nicht notwendig ist und bei anderen, interessanten Stellen ist es dann doch zu Oberflächlich.So wird beispielsweise erzählt, wie Wissenschaftler mit einem Helikopter zu einem Untersuchungsort fliegen (inklusive Modell etc), was für die eigentliche Sach-Geschichte aber keine Rolle spielt.Wünschenswert wären mehr Zeichnungen zu den Orten.manchmal ist es etwas kompliziert geschrieben. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es ein Sachbuch eines Professors ist. Verstehen tut man das meiste auch so als Laie.