Es sind nicht nur die Leser, Kollegen oder die vielen, vielen Fans, die ein großes stückweit den Blick auf die eigentliche Person und den Menschen Stephen Hawking versperren. Am Ende muss man konzipieren, und Charles Seife legt dies überzeugend und klug beobachtet in ruhigerem, sachlichen Stil dar, Hawking selbst, der eifrig an einer Art Mythos oder, schwächer gesagt, am eigenen „Image“ gebaut hat.„Auf der einen Seite erschien er der Welt als übernatürliches Wesen mit seinem Verstand……..,dass er eine Klasse für sich darstellte. Auf der anderen Seite aber konnte man ihn fast wie ein seelenloses Objekt behandeln“. Was vor allem an der schon im Alter von 21 Jahren diagnostizierten schweren Erkrankung lag, die Hawking für den größten Teil seines Lebens als verkrümmte Gestalt im Rollstuhl mit keinen eigenen Bewegungsmöglichkeiten mehr ausgestattet ins Leben setzte.„Als er 2018 starb, war es fast unmöglich, hinter all den symbolträchtigen Geschichten, noch den Menschen Hawking zu erkennen“.Um aber genau diesem auch, nicht nur, gerecht zu erden, wendet Seife eine Technik an, die auf den ersten Blick befremdlich, auf den zweiten Blick verblüffend, am Ende aber als genau richtig erkannt wird. Seife erzählt das Leben des Wissenschaftlers von hinten nach vorne. Und damit gelingt ihm einerseits, den Kern seiner Arbeit und seines Denkens auf den Punkt zu bringen (Gravitation in und um schwarze Löcher), die vielfachen „allgemeinen Bemerkungen“ zur Welt, zum Leben, zu Gott und dem Universum in den Zusammenhang dieses Lebens und Forschens zu stellen, aber eben auch zu guter letzt den Mann und Menschen Hawking mit seinen Stärken, aber auch mit den nicht wenigen Schwächen und Härten Schritt für Schritt „herauszuschälen“.Das mit dem Durchbruch zum Ruhm privat das Scheitern zeitgleich anstand, dass der zwischenmenschliche Umgang mit ihm nun wirklich für Familie, Freund und Feind nicht einfach war, dass all dies seine Gründe in diesem Leben, in Kindheit und Jugend und damit der frühen Prägung hat, dass die Krankheit nicht nur Strafe, sondern auch in gewisser Weise Segen, aber auch Belastung insgesamt für Hawking und sein Umfeld war, all das liest sich flüssig, interessant, teils spannend und bringt den Leser tatsächlich auf den Stand auch der Forschung Hawkings (soweit diese auf einfacher Ebene mit einfachen Worten begreiflich gemacht werden kann).Und so kann man auf der einen Seite den Vergleich mit einer „Supernova“ nachvollziehen, den Seife im Blick auf den Wissenschaftler setzt, und andererseits sich auch im Menschen Hawking wiederfinden mit all seinen Schwächen, aber auch seinen Hoffnungen und seinem Glück.Wobei es natürlich ebenso zutreffend beobachtet und geschildert wird, dass Hawking in den mittleren Jahren eine „Transformation“ durchlief, zum wissenschaftlichen Popstar wurde, in seiner Berühmtheit leicht mit Einstein Schritt halten konnte, damit aber auch für den Leser gilt, was Seife postuliert: Den wahren Menschen Hawking kann man nur ins erster Drittel seines Lebens „aufspüren“. Denn nach der Transformation gilt, dass Hawking von sich aus intensiv mit der eigenen Vergangenheit gebrochen hatte und an ihrer statt einen „Mythos“ schuf. Seinen Mythos.Was somit auf den ersten Blick eigentümlich als Erzählrichtung wirkt, ist am Ende für dieses Leben genau der richtige Ansatz. Zum Ende dieses Lebens hin wird für den Leser klar erkennbar, was seine wissenschaftliche Arbeit angeht. Denn viele haben auf seinen Theorien aufgebaut und damit mehr und mehr Klarheit auch durch Beweise geschaffen. Während der Mensch Hawking erst schärfer in den Focus gerät, je weiter man in dieser Lebenslinie in die Vergangenheit geht.Fundiert recherchiert, wie mit leichter Hand geschrieben und dabei überzeugend argumentiert und verständlich vor Augen geführt, dieses Werk ist eine klare Leseempfehlung im Blick auf einen der größten Geister der Weltgeschichte, auf sein Werk, seine Erkenntnisse und im Blick auf ein ganz eigenes, besonderes Leben.
Mit dem Namen Stephen Hawking kann im Prinzip jeder etwas anfangen. Doch wer war Stephen Hawking wirklich? Der als Astrophysiker berühmt gewordene Autor hat es nicht nur geschafft ein Teil der Popkultur zu werden (man denke nur an seine Auftritte in der Fernsehserie "Big Bang Theory"), sondern auch das Interesse an Naturwissenschaften zu wecken. Ich denke er hat einen großen Beitrag dazu geleistet das es "cool" wurde sich z.B. mit Physik zu beschäftigen oder ein "Nerd" zu sein. Bereits zu seinen Lebzeiten wurde er zur Legende und er selbst erschuf einen Mythos um sich herum der es doch recht schwer macht den Menschen hinter diesem erschaffenen Image zu entdecken und kennenzulernen.Diese Biografie hat mir einen ganz besonderen Einblick auf ein ganz außergewöhnliches Leben gegeben. Ein Leben voller Höhen und Tiefen, voller Erfolge und Niederlagen. Wobei ich sagen muss das ich vor allem die Gliederung des Buches sehr gelungen finde. Der Autor lässt sozusagen die Uhr rückwärts laufen und nimmt den Leser auf eine ganz besondere Art von Zeitreise mit.Dieses Buch hat mir einen Mann präsentiert der mir nicht immer sympathisch war, vor dessen beruflichen Erfolgen ich aber nur den Hut ziehen kann. Der wahre Mensch wird hier behutsam und höchst respektvoll präsentiert und ich muss sagen das mir dieses Porträt unglaublich gut gefallen hat. Stephen Hawking hat eine ganze Generation auf seine Weise beeinflusst und auch die kommenden Generationen werden dem Physiker ihren Respekt entgegen bringen.Der Schreibstil des Buches ist so angenehm und flüssig, das man auch als "Nicht-Biografie-Leser" unterhaltsame und anregende Lesestunden hat. Meiner Meinung nach ist dies die beste Biografie die ich bisher über Stephen Hawking lesen durfte und ich kann dieses Buch daher nur wärmstens weiterempfehlen.Wer das Genie Stephen Hawking einmal näher kennen lernen möchte, kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.
Stephen Hawking wird immer noch als einer der größten Wissenschaftler unserer Zeit bezeichnet. Ob er diese Bezeichnung tatsächlich verdient, steht mir - und wahrscheinlich den meisten von uns - nicht zu, zu beurteilen. Der Autor Charles Seife unternimmt in seiner Biografie zumindest den Versuch zu hinterfragen, was es genau mit der Popularität von Stephen Hawking auf sich hat.War er wirklich ein so großer Wissenschaftler oder war er einfach nur ein großer Showman?Eines vorweg: für mich persönlich gibt es einige bedeutende Wissenschaftler. Dass Stephen Hawking für mich zu diesen zählt, möchte ich nicht bestreiten – und dieses Buch hat daran nichts geändert. Was dieses Buch für mich jedoch sehr wohl geändert hat, ist die Sicht auf einige Dinge, die sich im Leben von Hawking zugetragen haben – in privater Hinsicht, in seinen persönlichen Forschungen wie auch in seinem beruflichen Umfeld.Der Autor hat eine besondere Art der Erzählform gewählt, was es ein wenig mühsam macht bis zum Schluss durchzuhalten – dafür wird man jedoch belohnt.Gewöhnlich lesen wir eine Biographie in einer zeitlichen Abfolge, die dem Leben des Protagonisten entspricht – vielleicht noch mit der einen oder anderen Ellipse – aber eben meist von der Geburt zum Tod. Charles Seife jedoch lässt Stephen Hawking zuerst sterben, um ihn dann wieder zum Leben zu erwecken und uns die Geschichte dieses Mannes in verkehrter Manier zu erzählen. Stephen Hawking wird in jedem Kapitel jünger.Dieses stilistische Mittel hat den Vorteil, dass man als Leser aufmerksam bleibt und auf Details achtet, die man im gewöhnlichen Lesefluss vielleicht überlesen hätte.So habe ich für mich doch wieder einige Neuigkeiten entdecken dürfen und Charles Seife konnte mir persönlich eine Tür zu einer anderen Welt des Wissenschaftlers aufstoßen, welche mir bisher verborgen blieb. Dafür gibt es von mir 4 Sterne.