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Redaktion14.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine faszinierende und tiefgehende Auseinandersetzung mit der Sprach- und Kulturgeschichte, die mich sehr begeistert. Es ist eine hervorragende Ressource für alle, die sich für dieses komplexe Thema interessieren.
In 21 Kapiteln zählt Peter Graf Wörter auf, die bei Neuauflagen des Dudens gestrichen worden sind. Dabei unterscheidet er nach Themen, z.B. „Mode und Textilien“, „Sport“, „Sexualität und Gesellschaft“, „Technik und Handwerk“ oder „Krieg und Militärgeschichte“. Er beginnt mit einem Abschnitt „schöner Wörter“, die z.T. lange aus dem Wörterbuch verschwunden sind, etwa „Nirgendland“ (Utopie), „Empfindelei“ (Rührseligkeit), „fuchsschwänzeln“ (schmeicheln) oder „nonen“ (Mittagsruhe halten). Und wissen Sie, was eine „Niftel“, eine „Söhnerin“ oder ein „Angstmann“ sind? Dahinter verbergen sich die Nichte, die Schwiegertochter und der Henker. Da kaum noch jemand einen „Jahrweiser“ (Kalender) benutzt, benötigt man auch keine „Federbüchse“, in der Füllfedern aufbewahrt werden. Denn wer schreibt heute noch mit der Hand? Und das „Magdtum“, also die Jungfräulichkeit, hat längst alles Bedeutsame verloren. Politisch besetzte Begrifflichkeiten hatten nur zeitweise Konjunktur, etwa im Dritten Reich das „Braunhemd“, die „Blutfahne“, der „Hitlerjunge“ oder der „Eintopfsonntag“. Dasselbe gilt für die DDR mit „Blauhemd“, „Ehrenbanner“, „Thälmannpionier“ und „Exquisitverkaufsstelle“. Da die Entwicklung Technik in den letzten 100 Jahren auch vor dem Militärischen nicht haltgemacht hat, sind viele veraltete Begriffe – z.B. unterschiedliche Gewehrarten, alles ums Pferd, Flottenterminologie – eingefügt und mit der Zeit auch wieder gestrichen worden. Nicht immer jedoch erläutert der Autor die Begriffe korrekt. So ist etwa die „Nebeltruppe“ kein für chemische Kriegsführung zuständiger Teil des NS-Heeres (sic!), sondern es handelt sich um Spezialeinheiten der Pioniertruppe des kaiserlichen Heeres. Dieses hat im Ersten Weltkrieg (1914–1918) – im Gegensatz zum Heer der Wehrmacht des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) – tatsächlich Gaskrieg geführt. Und natürlich war das Heer der Wehrmacht keine NS-Privatarmee, wie Graf insinuiert. Das Heer war die durch NS-Ideologie wohl am wenigsten durchdrungene Organisation. Aus ihm kamen daher die meisten und wichtigsten Versuche, das NS-Regime zu stürzen und Hitler zu ermorden. Und dann bleibt noch die Gruppe der Lemmata, die einst gestrichen und später wieder aufgenommen worden sind, wie z.B. „Nationalcharakter“, „Lobby“, „Eierpunsch“ oder „Streikrecht“. Insgesamt betrachtet bietet das Buch eine vergnügliche Lektüre durch 140 Jahre deutscher Sprachgeschichte.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 10:22 Uhr.