Timm, Uwe: Am Beispiel meines Bruders
Gegenwartsliteratur EAN 9783423133166

Timm, Uwe: Am Beispiel meines Bruders

Hersteller: Dtv Verlagsgesellschaft  ·  MPN: 1051606
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Produktfakten auf einen Blick

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9783423133166
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Gegenwartsliteratur
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Produktbeschreibung

»Die Jungen sollten es lesen, um zu lernen, die Alten um sich zu erinnern, und alle, weil es gute Literatur ist.« Elke Heidenreich »Abwesend und doch anwesend hat er mich durch meine Kindheit begleitet, in der Trauer der Mutter, den Zweifeln des Vaters, den Andeutungen zwischen den Eltern. Von ihm wurde erzählt, das waren kleine, immer ähnliche Situationen, die ihn als mutig und anständig auswiesen. Auch wenn nicht von ihm die Rede war, war er doch gegenwärtig, gegenwärtiger als andere Tote, durch Erzählungen, Fotos und in den Vergleichen des Vaters, die mich, den Nachkömmling, einbezogen.«

Bewertungen & Erfahrungen

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2 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 2 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 23.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Ein klassisches und sehr lesenswertes Buch, das sowohl jüngere als auch ältere Leser anspricht, aber man findet es nicht völlig frei von einigen leicht veralteten Formulierungen.
Bernhard Nowak 25.06.2023 amazon.de
Uwe Timm hat einen eindringlichen und eindrucksvollen autobiographischen Roman über seinen toten Bruder geschrieben. Karl-Heinz Timm, geboren 1924, gestorben 1943 in einem Lazarett in der Ukraine, hat sich der SS-Totenkopf-Division angeschlossen. Warum hat er dies getan? Diese Frage stellt sich Uwe Timm immer dringender, als er einen wichtigen Tagebucheintrag seines Bruders entdeckt, der zu einem Schlüsselerlebnis für ihn wird: "März 21. Brückenkopf über den Donez. 75 m raucht Iwan Zigaretten, ein Fressen für mein M.G. (S. 19). Hier schreibt Timm: "Das war die Stelle, bei der ich...nicht weiterlas, sondern das Heft wegschloß. Und erst mit dem Entschluß, über den Bruder, also auch über mich, zu schreiben, das Erinnern zuzulassen, war ich bereit, dem dort Festgeschriebenen nachzugehen." Erst nachdem alle seine Familienangehörigen - Mutter, Vater und Schwester - gestorben sind, bringt Uwe Timm den Mut auf, dieses Buch zu schreiben: "Solange sie [die Mutter, B.N.] lebte, war es mir nicht möglich, über den Bruder zu schreiben. Ich hätte im voraus gewußt, was sie auf meine Frage geantwortet hätte. Tote soll man ruhen lassen. Erst als auch die Schwester gestorben war, die letzte, die ihn kannte, war ich frei, über ihn zu schreiben, und frei meint, alle Fragen stellen zu können, auf nichts, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen." (S. 11/12). Wieso ist das Leben des Bruders so schrecklich falsch verlaufen, warum stieg er zum Idol der Familie auf? Diese Fragen stellt sich Timm - und stellt eine enorme Ähnlichkeit mit dem 1899 geborenen Vater fest, der sich im ersten Weltkrieg freiwillig gemeldet hat und zum Militär eingerückt war. Der Impuls, über den Bruder zu schreiben, ist auch der, sich über eigene - evtl. autoritäre - Prägungen klarzuwerden: "Der Bruder und ich. Über den Bruder schreiben, heißt, auf über ihn schreiben, den Vater. Die Ähnlichkeit zu ihm, meine, ist zu erkennen über die Ähnlichkeit, meine, zum Bruder. Sich ihnen schreibend anzunähern, ist der Versuch, das bloß Behaltene in Erinnerung aufzulösen, sich neu zu finden."Uwe Timm ist ein intensiver Erzähler. Er zeigt beispielhaft, dass die Erinnerung nicht tot ist, dass der Schrecken des Dritten Reiches Familien spaltet und bis heute fortlebt. Sein Buch spürt dem Nationalsozialismus mit ungewöhnlichem Blick nach - betroffen und reflektierend zugleich. Dies schrieb - völlig zu recht - die Rezensentin Gudrun Norbisrath. Dem kann ich mich nach der Lektüre des ungewöhnlich eindringlichen Buches nur anschließen; ich habe selten ein Buch gelesen, welches mich so sehr beeindruckt hat. Unbedingt lesenswert.
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