Der Thriller setzt sich mit den unterschiedlichen Herangehensweisen an den Tod auseinander:Das sind auf der einen Seite die zur Unsterblichkeit Verdammten, die sogenannten Todesschläfer (da der Tod (der Schnitter) sie nicht sehen, sondern nur spüren kann, wütet er und tötet wahllos Menschen in deren Umgebung, sobald die Todesschläfer einschlafen). Konstanin Korff ist ein solcher "Verfluchter". Er ist jedoch aus der Gemeinschaft seinesgleichen ausgetreten und arbeitet als Bestatter. Er ist der Protagonist dieser Geschichte.Das sind aber auch diejenigen, die versuchen, Menschen unsterblich zu machen. Mit Methoden, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Zu dieser Gruppe gehört Sophie von Waldau. Sie leidet an Insomnie und ist selber auch eine Todesschläferin. Um ihrem Sohn, Eugen, vor der vererbbaren Krankheit zu bewahren, führt sie Experimente durch, die ihn unsterblich machen sollen. Dazu ist ihr jedes Mittel Recht. Ihr Motto: Der Zweck heiligt die Mittel.Das sind diejenigen, die aus Todesschläfern die gefährlichsten Waffen heranzüchten, um die wirklich Edlen, die Todesschläfer selbst, die ewige Herrschaft auf der Erde zu verleihen. Dazu gehört Jester Darling, MI6 Agent (!) und angeblich bester Freund von Konstantin Korff, bis ersterer sein wahres Gesicht zeigt. Und dazu gehört Bent Arctander, der von Jester zu einer lebensbedrohlichen, unsichtbaren menschlichen Waffe herangezüchtet wird.Da sind aber auch die Todesschläfer selbst, die ehrgeizig nach Mitteln und Wegen suchen, dem Gevatter Tod ein Schnippchen zu schlagen. Dazu gehören u.a. Bent Arctander und Konstantin Korff.Aber ebenso gibt es diejenigen, die versuchen die Todesschläfer von ihrem Fluch zu befreien. Ihnen helfen, für den Schnitter sichtbar zu werden, damit dieser die Todesschläfer sehen kann und nicht zornentbrannt unschuldige Menschen tötet. Zu Ihren gehört Professorin Sastre.Aus all diesen unterschiedlichen Motiven hat Markus Heitz einen prickelnden und spannenden Thriller geschaffen. Die Geschichte ist spannend und man verliert nie den Faden und das, obwohl die einzelnen Kapitel jeweils an den verschiedenen neuralgischen Schauplätzen spielen: Leipzig (D); Paris (F); Minsk (RUS); Barcelona, Madrid und Zaragoza (E). Die Story wird temporeich erzählt und obwohl die Charaktere, vor allem von Korff gut und detailreich beschrieben werden, wird man nicht so richtig warm mit den Helden und Antihelden des Romans. Vielleicht ist es das Tempo, das einem das Buch eher oberflächlich lesen lässt und obwohl man emotional nicht allzu hart angefasst wird, bleibt einem erstaunlich viel von der Geschichte hängen. Es war seit langem wieder einer der Romane, bei dem ich fast nahtlos die Geschichte wiedergeben konnte und das nach stolzen 615 Seiten. Auf eine gewisse - fast unheimliche Art - sickert der Thriller ins Unterbewusste...vielleicht auch deshalb, weil das Thema Tod und die Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit nicht abschliessend erklärt werden kann.Das Plus des Buchs: Interessantes Themengebiet, das zum Weiterdenken anregt, in Bezug auf: Wie weit ist die Medizin noch vom Frankenstein Modell entfernt? Zu diesem Thema der Organverpflanzung äussert sich auch Prof. Dr. Oertel, Direktor der Neurochirurgie es Universitätsklinikums des Saarlandes, am Ende des Buches, wo Markus Heitz das mit ihm geführte Kurzinterview abgedruckt hat.Das Minus des Buchs: Etliche Tippfehler, die hätten vermieden werden können, Durcheinander von Gross- und Kleinbuchstaben (z.B. harMlos). Jedes Kapitel ist mit einem Totenschädel versehen. Das ist ein wenig unangenehm, wenn man wie ich - oft im Zug unterwegs ist - und Leute neben sich hat, die ins Buch schielen...