Als ich den Titel gelesen habe, war ich ja total neugierig. Die bekannte amerikanische Yoga-Lehrerin Tara Stiles zeigt uns in dieser interessanten Lektüre, einen Ausweg aus dem ständigen Kreislauf von Stress, Überlastung und Angst: Ihr 28-tägiges Detox-Programm für Körper, Geist und Seele kombiniert uralte Praktiken wie Ayurveda, Yoga und Meditation mit modernen Methoden zur Entspannung und Stressbewältigung. Diese umfassende Entgiftungskur hilft uns, die Verbindung von Körper und Geist neu zu spüren, destruktive Gewohnheiten loszuwerden und ganzheitliches Wohlbefinden zu erlangen.Das Ganze ist in vier Teile gegliedert, in denen wir in bestimmten Bereichen unseres Lebens auf Neustart drücken. Und los geht’s:Woche 1: Mentales Detoxing – hier gibt es eine Erklärung zu dem Thema und dann sind auf rosa Seiten – die stechen ja gleich ins Auge – z.B. eine Übung für einen klaren Geist, ein Tipp für Wohlfühlziele aufgeführt. Wirklich interessant.Woche 2: Spirituelles Detoxing – Und hier geht’s um den tieferen Lebenssinn. Wir stellen uns Fragen wie „Erfülle ich wozu ich auf der Erde bin? Oder „Funktioniere ich nur noch“? Und hier hilft uns die Meditation, z. B. am Morgen, Im Verlauf des Tages – hier sind drei leichte Meditationen aufgeführt.Woche 3: Änderung des Essverhaltens – dieses Kapitel hat mich persönlich am meisten begeistert und interessiert. Es gibt nämlich einfache und bekömmliche Rezepte zum Nachmachen. Die Autorin beschäftigt sich hier mit unseren Ernährungsgewohnheiten.Woche 4: Bewegung heilt – da spreche ich aus Erfahrung. Wenn es mir mal nicht gut geht, hilft immer eine Runde an der frischen Luft – das pustet den Kopf wieder frei. Und hier gibt es die Autorin zahlreiche Anregungen und die Übungen werden auch noch mit Fotos belegt.Dieses Rundum-Detox-Programm führt zu einer äußeren und inneren Reinigung. Man soll einfach wieder zu sich selbst finden. Und dann können wir mit neuen täglichen Routinen und Gewohnheiten das Leben wieder positiv und energiegeladen gestalten.Ein lehrreicher, toll gestalteter und interessanter Ratgeber für den ich sehr gerne 5 Sterne vergebe.
Seinen Körper zu reinigen und seinen Geist zu klären – das sind durchaus angebrachte und vernünftige Ziele. Das bedeutet nichts weiter als seine Ernährung zu überdenken, sich viel und vernünftig zu bewegen und zur Ruhe zu kommen. Was jedoch aus dieser Idee hier gemacht wird, eignet sich wohl nur für reiche amerikanische Hausfrauen, die über ausreichend Zeit und Freiräume verfügen. Eine deutsche Helikopter-Mutter mit zwei kleinen Kindern, einem Angestelltenverhältnis und einem Mann scheint mir dagegen mit diesem Programm reichlich überfordert zu sein. Sie hat einfach nicht genügend Zeit dafür. Und wenn es dumm kommt, kriegt sie auch noch Beziehungsprobleme. Fast hätte ich es vergessen: Das ist natürlich ein Buch für Frauen. Da muss man nicht viel drumherum reden.Den Körper zu reinigen, bedeutet in diesem Buch, sich zur veganen Ernährung zu bekennen. Den Geist zu klären, heißt zu meditieren. Oder zur Ruhe zu kommen, indem man langsamer wird und sich achtsamer verhält. Auch das klingt alles erst einmal ganz wunderbar, doch in der Praxis braucht es dafür Zeit und Ruhe, womit sich der Kreis schließt. Sollte man die nämlich nicht haben, wird es schwer. Und sollte der Rest der Familie nicht vegan essen wollen, hat man ein kaum lösbares und die Beziehungen zermürbendes Problem.Auf solche Schwierigkeiten gehen solche Bücher gewöhnlich nicht ein. Das ist auch hier nicht anders. Vermutlich liegt das an der dünnen Zielgruppe, für die solche Werke verfasst werden. In bestimmten Kreisen der amerikanischen Mittelschicht scheint es bei Frauen modern zu sein, sich zum Yoga zu treffen und vegane Rezepte (die man übrigens auch hier findet) auszutauschen. Ich möchte überhaupt nicht bestreiten, dass die in diesem vorgeschlagenen Konzepte sinnvoll und nützlich sein können. Allerdings trifft man bei der Durchführung auf erhebliche Probleme, die gerne verschwiegen oder klein geredet werden.Über eine Ernährungsumstellung möchte ich mich gar nicht weiter auslassen, aber dennoch erwähnen, dass eine vegane Ernährung für hart arbeitende Menschen oder Heranwachsende nicht unbedingt geeignet ist. Man muss schon sehr viel essen, wenn man den Energiebedarf solcher Menschen auf diese Weise decken will. Abgesehen davon ist nichts so mit schwer zu verändernden Traditionen verbunden wie das Essen.Zum Meditieren braucht man viel ungestörte Zeit, Geduld und Ruhe. Einzig die im Buch vorgeschlagenen Yoga-Übungen kann man recht unkompliziert in den Alltag einbauen, wenn man sie beherrscht. Was dazu allerdings im Buch steht, ist dann doch auch etwas übertrieben.Ich habe mich vor der Rezension dieses Buch lange gedrückt, weil ich im Zwiespalt bin: Einerseits ist vieles aus dem Inhalt völlig richtig und sinnvoll. Auf der anderen Seite wird eine gewisse Kundschaft angesprochen, die einen leichten Hang zur Esoterik und viel Zeit und Platz besitzt, also Voraussetzungen, die nicht unbedingt der Standard in hiesigen Familien sind. Oder anders gesagt: So gut die Grundidee ist, so lebensfremd wird in diesem Buch mit ihr umgegangen. Ich bewerte diese Grundidee, halte aber die Umsetzungsvorschläge in diesem Buch für etwas abgehoben.