Wer sich mit dem Studium der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) befasst, der wird rasch lernen, dass sich diese Form der Komplementärmedizin nicht alleine auf die Akupunktur beschränkt, sondern noch weitere Therapieformen umfasst. Eine wichtige Therapieform der TCM, die mindestens den gleichen Stellenwert wie die Akupunktur besitzt, ist die chinesische Phytotherapie. Hierbei handelt sich um die therapeutische Verabreichung von chinesischen Arzneien, die pflanzlicher, mineralischer oder tierischer Natur sein können.Der hier rezensierte Leitfaden in der 2. Auflage (Studienausgabe) aus dem Verlagshaus Elsevier, der einerseits ein Grundlagenwerk zu diesem Thema darstellt, andererseits über die Anforderungen eines solchen noch weit hinausgeht, befasst sich mit dieser Therapieform auf über 1070 Seiten.Aufgegliedert ist das Buch gemäß Inhaltsverzeichnis auf 5 Hauptkapitel und wird abgeschlossen mit einem Anhang und Register, um das Auffinden für den Leser relevanter Inhalte zu erleichtern. Am Anfang eines jeweiligen Kapitels findet der Leser zur besseren Orientierung ein eigenes Kapitelinhaltsverzeichnis, welches eine detaillierte und gut strukturierte Übersicht über die folgenden Inhalte gibt.Die Autoren beginnen das Buch im 1. Kapitel mit einer grundlegenden Einführung in die chinesischen Pharmakologie. Dabei werden die allgemeinen Eigenschaften und Wesenszüge der chinesischen Arzneimittel verständlich und anschaulich erläutert. Zu diesen gehören der/die/das Temperaturverhalten, Geschmacksrichtung, Funktionskreis- und Leitbahnbezug, Wirkrichtung, Wirkort, Wirkung / Indikation, physiologische / pharmakologische Wirkung, Toxizität, Tagesdosis, Kombinationen, Kompatibilität, Kontraindikationen und Gravidität.Dieses 1. Kapitel ist klar und übersichtlich gestaltet, der erläuternde Text wird geschickt mit einigen Tabellen und grafischen Elementen verbunden. Dies geschieht dezent und in richtiger Balance zu den schriftlichen Erläuterungen. So entsteht eine gute Übersicht und Lesbarkeit.Das 2. Kapitel stellt definitiv mit knapp 900 Seiten den Hauptteil des Buches dar. Dieses befasst sich mit den einzelnen Arzneimittelbildern, die nach klinischen Gruppen geordnet wurden. Durch diese Ordnung ergeben sich 28 Kapitelabschnitte, die im folgenden alle farblich am Buchrand markiert sind, um eine schnelle Orientierung zu ermöglichen. Diese 28 Abschnitte werden zu Beginn des 2. Kapitels wie ein Inhaltsverzeichnis aufgeführt. Der Autor hätte hier gerne die Nummerierung der Kapitel in der Farbe unterlegen können, in der er auch die Markierungen am Buchrand vorgesehen hat, um die Orientierung noch etwas zu erleichtern. Als Beispiele für die Kapitelabschnitte zitiere ich hier einige wenige Überschriften: „Die Oberfläche öffnende und wärmende, sowie öffnende und kühlende Arzneimittel“, „Brechreiz fördernde und stillende Arzneimittel“, „Purgierende, ausleitende Arzneimittel“ usw.Bevor der Autor nun mit den eigentlichen Darstellungen der Arzneimittel einer Arzneimittelgruppe beginnt, folgen zunächst in jedem der 28 Kapitelabschnitte einige allgemeine Erläuterungen zu der jeweiligen Arzneimittelgruppe. So wird unter anderem auf Eigenschaften, Hauptsymptomatiken, Geschmacksrichtung und Temperaturverhalten, Wirkrichtung und Kontraindikation der jeweiligen Gruppe eingegangen. Tabellarische folgt noch ein Vergleich der jeweiligen Arzneimittel einer Gruppe, eine Zusammenfassung und eine Heranziehung von Arzneimitteln anderer Gruppen, die aber auch einen Bezug auf die gerade behandelte Gruppe haben. Der Umfang dieser allgemeinen Einführung zu Beginn einer Arzneimittelgruppe wurde von den Autoren in Abhängigkeit zur Anzahl der Arzneien in dieser Gruppe vorgenommen.Nun folgen in jedem Abschnitt die Darstellungen der eigentlichen Arzneien, wobei jeder Arznei 2 Seiten gewidmet sind. Auf der ersten Seite wird diese zunächst mit lateinischem Namen und der Pinyin-Umschrift benannt, gefolgt von den entsprechenden chinesischen Schriftzeichen. Auch der englische und deutsche Name kann einer kleinen Übersichtstabelle entnommen werden, sowie ergänzend die Pflanzenfamilie und die Stammpflanze. Auf Varianten wird zusätzlich hingewiesenen.Übersichtlich als Text-/Grafikkombination werden nun die Eigenschaften der Arznei (Temperaturverhalten, Geschmack, Funktionskreis, Wirkrichtung, Wirkort und Wirkung) dargestellt. Darauf folgend beschreiben die Autoren die physiologische und pharmakologische Wirkung und erläutern anschließend die Toxizität, Tagesdosis und Kochzeit. Etwaiger Besonderheiten finden ebenfalls ihre Erwähnung.Auf der 2. Seite der Arzneimittelübersicht befindet sich ein Farbbild der Pflanze und eines der Droge, wobei auf dem Bild der Droge ein Zentimetermaß mit abgebildet ist, um einen realistischen Eindruck der Droge zu vermitteln. Desweiteren findet der Leser hier Hinweise zu Kombinationsmöglichkeiten, Kompatibilitäten, Kontraindikationen und Gravidität.Diese Struktur zieht sich nun durch alle Arzneimittelgruppen und den jeweils dort behandelten Arzneimitteln.Im Anschluss folgen noch drei kleinere Kapitel. Das 3. Kapitel „Therapeutische Richtlinien bei wichtigen energetischen Entgleisungen“ nutzen die Autoren, um dem Leser eine Übersicht der Funktionskreise aus Sicht der TCM zu geben, wichtige Pathologien kurz darzustellen und einen Therapievorschlag mittels chinesischer Arzneimittel zu unterbreiten. Neben den Funktionskreisen werden zusätzlich noch die „Energetischen Entgleisungen durch krankheitsauslösende Agenzien“ und die „Wirkung von Arzneimitteln auf den Fluss von Qi und Xue“ erläutert.Das 4. Kapitel widmet sich der Arzneimittelanwendung und geht auf „Absud“, „die Abkochung“, „das Dekokt“, „die PIlle“, „das Pulver“, „das Granulat“, „den Heilwein“, „die Salbe“ und „die Kompresse“ ein, so dass der Leser ausführliche Instruktionen zur Zubereitung und zum Umgang mit der Arznei erhält.Im abschließenden 5. Kapitel findet der Leser sehr ausführliche Ausführungen zur Qualitätsprüfung von Drogen der TCM.Der nun folgende Anhang hält Adressen von Ausbildungsstätten für chinesische Arzneimitteltherapie, Qigong und Tuina in Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Großbritannien und der VR China bereit. Es werden wichtige Verbände, Organisationen und Internetportale im Zusammenhang mit dem behandelten Thema, sowie deren Erreichbarkeiten benannt. Eine Liste für Bezugsadressen für Akupunkturbedarf und Heilkräuter, sowie entsprechend ausgerüstet Apotheken ergänzt die Fülle an Informationen.Nach einem Literaturverzeichnis folgt ein allgemeines Register, sowie ein Arzneimittelregister in lateinisch, pinyin und deutsch, sowie ein weiteres Register geordnet nach verwendetem Pflanzenanteil. Eine tabellarische Auflistung der Arzneien auf chinesisch, sowie eine Übersichtstabelle aller Arzneien mit ihren Eigenschaften bildet den Abschluss des Anhangs.Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass das Buch ein klares Schriftbild unterstützt von kleineren grafischen Elementen aufweist und eine sehr gute, gleichförmige Struktur besitzt. Es ist damit optimal für die tägliche Anwendung geeignet.Mein Fazit: Für den Profis und Interessiere Neuling gleichermaßen uneingeschränkt weiterzuempfehlen, sowohl als Lehrwerk, als auch als Nachschlagewerk.