Wie Daniel Kahneman und Amos Tversky die Psychologie revolutionierten
Bewertungen & Erfahrungen
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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion09.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein sehr interessantes Buch, das die psychologischen Grundlagen von Kahneman und Tversky auf eine verständliche Weise darlegt. Es ist eine hervorragende Lektüre für alle, die sich für kognitive Psychologie interessieren, auch wenn man den akademischen Tiefgang manchmal als etwas dicht empfindet.
Von einem Times-Nr.1-Bestsellerautor hatte ich eigentlich erwartet, konzeptionelle Probleme im Griff zu haben. Aber das ist bei Michael Lewis’ neustem Buch erstaunlicherweise nicht unbedingt der Fall. Denn er macht es seinen Lesern oft schwierig, die Hauptthemen auseinanderzuhalten. Vor allem denen mit einem geringen Vorwissen. Aber da ich mich schon seit längerem mit Entscheidungsforschung beschäftige und ohnehin mehr über Amos Tversky und Daniel Kahneman wissen wollte, hat mich die Verschränkung dieser Inhalte überhaupt nicht gestört.Seit der israelisch-amerikanische Psychologe Daniel Kahneman 2002 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hatte, ging der Widerstand gegen die Verabschiedung des Homo oeconomicus merklich zurück. Und mit seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ sorgte Kahneman dafür, dass die von ihm und Amos Tversky erarbeiteten Erkenntnisse über menschliches Wahlverhalten nun auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind.Von der langjährigen Freundschaft zwischen den beiden Wissenschaftlern handelt auch dieses Buch. Und weil diese Beziehung zweier Männer so ziemlich alle Höhen und Tiefen durchlief, ist Lewis’ Werk auch eine spannende Beschreibung von Festhalten und Loslassen, Gut und Böse, Liebe und Hass, Bewunderung und Neid. Und es ist wohl Ironie des Schicksals, dass Amos Tversky bereits im Sterben lag, als er in die engste Wahl für den Nobelpreis kam. Denn Daniel Kahneman stand bis zum Erhalt dieses prestigeträchtigen Preises immer im Schatten seines Freundes und Forscherkollegs Tversky.Da es bis heute keine Biografie über den 1934 geborenen Daniel Kahneman gibt, war ich natürlich gespannt, was Michael Lewis zu dieser schillernden Person zu sagen hat. Zumal er Kahneman Ende 2007 kennenlernte und vom persönlichen Umfeld Teversky bei seinen Recherchen unterstützt wurde. Und weil meine Erwartungen nicht allzu groß waren, übertraf sie Lewis locker. Zumal er ein Geschichtenerzähler ist und deshalb keine langweiligen biografischen Daten aneinanderreiht.Der eher seltsame deutsche Titel „Aus der Welt. Grenzen der Entscheidung oder Eine Freundschaft, die unser Denken verändert hat“ gibt eigentlich keinen Hinweis auf das zweite Hauptthema. Daher kurz, worum es geht: Obwohl aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar, glaubten die Wirtschaftswissenschaftler bis weit in die 1980er-Jahre hinein, menschliche Entscheidungen würden rational und nach reinem Nutzendenken gefällt. Doch obwohl eigene Erfahrungen und aufmerksames Beobachten dieses Glaubensgebäude schon lange erschütterten, hielt man mangels experimenteller Gegenbeweise an ihm fest. Und weil Amos Tversky mit Daniel Kahneman zusammen solche Beweise lieferten, gelten Sie als die Väter der Entscheidungsforschung, also der so genannten Heuristik. Dass dies dem deutschen Heuristiker Gerd Gigerenzer aufstieß, erfuhr ich erst in diesem Buch. Das ändert allerdings nichts daran, dass ich Gigerenzers Arbeiten ebenfalls mag.Mein Fazit: Indem der amerikanische Bestseller-Autor die Männerfreundschaft zwischen Amos Tversky und Daniel Kahneman beschreibt, liefert er seinen Lesern gleich noch eine kurze Einführung in die Entscheidungsforschung. Als thematisches Zwitter-Buch leidet es allerdings unter konzeptionellen Mängeln. Doch die sind für mich nicht so störend, dass ich diesem spannenden und lehrreichen Buch die Bestnote verweigern möchte.
Damit hat man sicher ausreichend zu tun. Und wenn man Glück hat, bekommt man dafür auch noch einen Nobelpreis, wenn auch ausgerechnet den, den Nobel gar nicht gestiftet hat. Die obige Aussage stammt übrigens von Amos Tversky, dem langjährigen Freund und engen Kollegen von Daniel Kahnemann. Leider konnte Tversky die Verleihung an Kahnemann nicht miterleben, denn er verstarb zu früh. Beiden ist dieses Buch gewidmet.Es beschreibt ihr Leben und ihre gemeinsamen Forschungen auf dem Gebiet der Entscheidungsfindung. Wenn man das weiß und Michael Lewis wegen seiner früheren Bücher über Probleme und Ereignisse in der Finanzwelt als ausgezeichneten Fachmann und hervorragenden Erzähler schätzt, dann freut man sich gewiss auf dieses Buch. Leider aber gehört dieses Werk nicht zu seinen besten Texten. Wenn ich ihm trotzdem vier Sterne geben werde, dann nur wegen der Fülle an Informationen, die es über das Leben der beiden Psychologen bietet. Es hätten aber auch nur drei oder auch zwei Sterne sein können, immer unter anderen Blickwinkeln gesehen. Ich möchte das im Folgenden erklären.Während Lewis Bücher über Finanzprobleme von Sachkunde zeugen, hat er bei diesem Buch wenigstens zwei Probleme: Er versteht weder etwas von Statistik, noch von Psychologie. Aber genau darum geht es in diesem Buch. Alles, was er für seine Ausführungen brauchte, mussten ihm andere erklären. Sehr tief kann es aber nicht in ihn eingedrungen sein. Seine fachlichen Erklärungen sind oft recht kompliziert und wenig souverän. Wo immer es geht, weicht er lieber ins Biografische aus und lässt seinem Mitteilungsbedürfnis freien Lauf. Dass dabei auch sehr häufig völlig unwesentliche Ereignisse oder Beschreibungen in den Vordergrund rücken, ist nur eine Folge dieses zwanghaften Ausweichens. Sprunghaftigkeit und fehlende Konsistenz sind zwei andere. Das ist aber auch ungewollt lustig, weil es zu den Forschungsergebnissen passt, die Lewis in seinem Buch beschreibt: Entscheidungen unter Unsicherheit.Ein gutes Beispiel für die gelegentlich chaotische Darstellung ist das 10. Kapitel. Dort spielt der amerikanische Verhaltensökonom Richard Thaler die zentrale Rolle. Thalers spätere Forschungen wurden entscheidend von Tversky und Kahnemann beeinflusst. Und Lewis wiederum erhielt erst durch Thaler über dessen Rezension eines seiner Bücher den Anreiz zum Schreiben des hier zu besprechenden Textes. Wie Lewis Thalers frühe Forschungsjahre und seine anfänglich qualvolle Entwicklung beschreibt, ist geradezu hervorragend. Doch das Kapitel endet abrupt und findet erst ganz am Ende des Buches seine Fortsetzung. Man weiß deshalb nicht so recht, was einem Lewis an dieser Stelle mit diesem Kapitel sagen wollte. Obendrein wird Thaler (S. 265) als "zukünftiger Nobelpreisträger" vorgestellt. Vielleicht kann Lewis auch hellsehen, denn bisher wurde Thaler dieser Preis jedenfalls nicht verliehen.An diesem Buch habe ich wegen dessen teilweise chaotischer Zusammenstellung ungewöhnlich lange gelesen. Bis zum Ende blieb mir auch sein Titel ein Rätsel. Und anfangs hatte ich enorme Schwierigkeiten, überhaupt zu verstehen, worum es eigentlich geht. Dort nämlich beschreibt Lewis überaus ausführlich und langatmig, wie er auf die Idee zu diesem Buch gekommen ist. Wenn man am Ende wirklich verstehen möchte, was die beiden Helden dieses Textes tatsächlich geleistet haben, dann sollte man vielleicht besser Kahnemanns Buch über langsames und schnelles Denken lesen. Zwar werden auch viele Forschungsideen in Lewis Buch vorgestellt. Doch das geschieht sehr unsystematisch und chronologisch in den gemeinsamen Lebenslauf eingeordnet.Was man allerdings verstehen kann, sind die Ansätze und Ideen von Tversky und Kahnemann. Immer geht es um verzerrte Wahrnehmungen von Menschen, um ihre Unfähigkeit mit Unsicherheiten sachgerecht umzugehen und um die merkwürdige Rolle von hintergründigen Emotionen bei der Entscheidungsfindung. Man lernt beispielsweise zu verstehen, warum Ärzte entsetzliche diagnostische Fehler machen. Beispiele dafür findet man im Text. Im Grunde geht es eigentlich immer darum, dass viele Menschen sich bei Entscheidungen unter Unsicherheit nicht von der Sache, sondern mehr von ihren aktuellen Gefühlen oder Eingebungen leiten lassen.So ist es beispielsweise sehr typisch, dass völlig belanglose und von der eigentlichen Entscheidungsfrage tatsächlich unabhängige Informationen einen menschlichen Entschluss beeinflussen. Dass Menschen gerne glauben, was sie glauben wollen, ist eine altbekannte Tatsache. Kahnemann und Tversky haben diese Erkenntnis statistisch untermauert und gezeigt, welche unsachgemäßen Einflussfaktoren ökonomische und andere Entscheidungen beeinflussen. An Intelligenz scheint das alles nicht gekoppelt zu sein, wie das berühmte Linda-Problem gezeigt hat. Dort bewerteten auch Hochschulprofessoren eine Entscheidungsvariante höher als eine andere, obwohl sie das aus rein logischen Gründen nicht sein kann.All das kann man aus diesem Text heraus eigentlich ganz gut verstehen, wenngleich ihm eine systematische Herangehensweise oder eine kritische Bewertung der Ergebnisse von Tversky und Kahnemann fehlt. Zwar geht Lewis gegen Ende des Buches auch auf die Ansichten Andersdenkender (insbesondere Gigerenzer) ein, doch auch hier vermisst man die Konzentration aufs Wesentliche. Der Schwerpunkt dieses Buches liegt ganz eindeutig auf der Erzählung des Lebens der beiden Freunde, die sich am Ende schließlich ihren unterschiedlichen Charakteren folgend unter dem Glanz des Ruhmes zerstritten hatten.Wenn man seinen teilweise sprunghaften und chaotischen Stil aushält, ist dieses Buch recht lehrreich, weil es zahlreiche Informationen und Denkanstöße enthält. Für eine systematische Berichterstattung über die Forschungen von Kahnemann und Tversky reicht es allerdings nicht aus.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.