INHALT:Endlich tragen Jeanette Kihlbergs Ermittlungen erste Früchte, denn alles deutet darauf hin, dass zwei Frauen für die letzten Morde verantwortlich sind. Doch die Kommissarin hat Zweifel und weiß auch nicht, ob die unauffindbare Victoria Bergmann, die mit den Mörderinnen die Schule besucht hat, etwas damit zu tun hat. Außerdem wird der Fall der toten ausländischen Jungen wieder aufgerollt und die Psychologin Sofia Zetterlund taucht immer mehr in ihre Vergangenheit ein, was sie durch die Hölle gehen lässt...MEINE MEINUNG IN KURZFORM:Kauf-/Lesegrund: Nach "Krähenmädchen" und "Narbenkind" musste ich einfach wissen, wie die Geschichte endet.Reihe: 3. und letzter Band der Victoria Bergman-TrilogieHandlungsschauplatz: Der Schauplatz wurde nach Stockholm, Schweden verlegt und mit viel Lokalkolorit und anschaulichen Orts- und Schauplatzbeschreibungen versehen. Fast jedes Kapitel beginnt mit dem Schauplatz, wie z.B. Södermalm, Fagerstrand oder Gamla Enskede.Hauptpersonen: Kriminalkommissarin Jeanette Kihlberg ist schätzungsweise Anfang bis Mitte 40, arbeitet im Morddezernat und lebt seit dem Auszug ihres Mannes mit ihrem 13-jährigen Sohn Johan in ihrem kleinen Häuschen in Stockholm. Freizeit und Geld sind nach wie vor Mangelware, doch die engagierte Polizistin bemüht sich sehr und scheint in der Psychotherapeutin Sofia eine Freundin und zugleich Geliebte gefunden zu haben. Sofia Zetterlund ist ungefähr Ende 30 Jahre jung, hat sich in ihrer Privatpraxis auf traumatisierte Patienten mit multiplen Persönlichkeiten spezialisiert. Und auch selbst hat Sofia einige Schwierigkeiten, denn sie leidet immer wieder unter Gedächtnislücken und versucht, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzten... Jeanette und Sofia sind sehr reizvolle und vielschichtige Protagonisten mit Ecken & Kanten sowie einigen Problemen, deren Handlungen allerdings nicht immer 100%ig nachvollziehbar sind.Nebenfiguren: Die bereits bekannten Charaktere wie Jeanettes Kollege Jens Hurtig, ihr Vorgesetzter Polizeichef Dennis Billing, Staatsanwalt Kenneth von Kwist, Rechtsmediziner Ivo Andric und die verschollene Victoria Bergman sind nach wie vor gut gezeichnete Persönlichkeiten, die sich ansprechend in die Handlung einfügen. Doch leider werden wieder viele Nebenfiguren verwendet, was mir persönlich nicht so zusagt.Romanidee: Interessante Grundidee, die mit einer gelungenen Umsetzung punktet. Auch in "Schattenschrei" spielen (Macht-)Missbrauch (an Kindern) und dessen Folgen sowie Pädophilie in all seinen grauenvollen Facetten eine große Rolle.Erzählperspektiven: Die temporeichen Geschehnisse werden vorwiegend aus der Warte von Jeanette, Sofia und Victoria (in der 3. Person) erzählt, alle Erzähler gewähren uns einen tiefen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. In Rückblenden erfahren wir mehr über Ereignisse aus der Vergangenheit, wodurch wir die aktuellen Ereignisse besser verstehen.Handlung: "Schattenschrei" wartet mit einer komplexen Story auf, die alle losen Fäden zusammenfügt und in einem spannungsgeladenen Finale vereint, das mir allerdings ein wenig zu dramatisch geraten ist. Der Trilogie-Abschluss enthält verschiedene Erzählperspektiven und miteinander verknüpfende Handlungsstränge, Irrwege & raffiniert gelegte falsche Fährten sowie teilweise auch unfassbar grausame Szenarien, die nichts für zarte Gemüter sind. Leider birgt der 3. Band auch ein paar verworrene Passagen und ausgeschmückte Beschreibungen, was der Spannung diesmal allerdings keinen Abbruch tut.Schreibstil & Co: Abgerundet wird der Psychothriller durch die packende und ausdrucksstarke Schreibweise gepaart mit den unterschiedlichsten Emotionen, einer düsteren Atmosphäre und durch die Kapitel in angenehmer Länge.FAZIT:Mit "Schattenschrei" ist die Victoria Bergman-Trilogie, die uns abermals in die Abgründe der menschlichen Psyche blicken lässt, komplett. Ganz perfekt ist auch der finale Teil nicht geraten, dennoch wird man schnell in den Bann dieser nervenzerreißenden Geschichte gezogen und bis zum bitteren Ende nicht mehr los gelassen. Wegen kleiner Mankos erhält der Trilogie-Abschluss, den ich in einem Rutsch und knapp 4 Stunden durchgelesen habe, 4 1/2 STERNE und eine klare Leseempfehlung, die für die gesamte Trilogie gilt.
„Schattenschrei“ ist der abschließende Band der Viktoria-Berglund-Trilogie. Aufgrund der komplexen Handlung mit unterschiedlichen Handlungssträngen und der vielen Personen ist die Kenntnis der beiden ersten Teile unbedingt Voraussetzung.Die Handlung setzt nahtlos am zweiten Band an. Während sich für die meisten der Morde an den Erwachsenen aus dem zweiten Band eine Aufklärung abzeichnet, fehlt für die Morde an den Jungen aus dem ersten Band noch weitgehend jede Spur. Die Geschichte wird in kurz gehaltenen Kapiteln wieder abwechselnd aus Perspektive verschiedener handelnder Personen und mit zahlreichen Rückblicken in die Vergangenheit - diesmal sogar bis in den Zweiten Weltkrieg - erzählt. Besonders interessant ist hier der Perspektivenwechsel zwischen der Psychologin Sofia Zetterlund und der in ihrer Kindheit jahrelang missbrauchten Viktoria Bergmann. Spätestens seit dem zweiten Band weiß man als Leser, dass es sich bei beiden um ein und die selbe Person handelt, wobei dies den beiden verschiedenen Persönlichkeiten selbst jedoch nicht bewusst ist. Besonders interessant fand ich auch die Perspektive von Madeleine, der Tochter von Viktoria Bergmann, der im dritten Band mehr Raum eingeräumt wird.Wie bereits in den beiden ersten Bänden wird der Leser in „Schattenschrei“ mit grausamsten Missbrauchsfällen und Morden mit besonders ekligen Begleiterscheinungen konfrontiert, so dass es sich erneut um keine leicht verträgliche Lektüre handelt. Besonders übel fand ich die beschriebene Behandlungsmethode von Patienten in der Neurochirurgie (über die ich hier nicht mehr verraten will, um die Spannung nicht zu nehmen).Wie es sich im zweiten Band bereits abgezeichnet hat, finden die zahlreichen losen Enden der unterschiedlichen Handlungsstränge schließlich am Ende weitgehend wieder zusammen. Zwei Sachen haben mich bei der Lektüre allerdings gestört. Ein Großteil der Spannung bei Krimis und Thrillern liegt für den Leser mitunter darin begründet, dass er miträt, wer die Verbrechen begangen hat. Dabei führen Autoren durch falsche Fährten ihre Leser häufig geschickt in die Irre. Bei der vorliegenden Trilogie finde ich es aber sehr störend und unlauter, dass sich im abschließenden Band herausstellt, dass viele der Geschehnisse aus den ersten Bänden gar nicht passiert sind, sondern nur in Gedanken stattgefunden haben. Und auch das Motiv für den Mord an den vielen Jungen erschien mir nicht besonders nachvollziehbar. Obwohl mir die Lektüre der drei Bände insgesamt sehr gut gefallen habe, vergebe ich aufgrund dieser beiden Einschränkungen für den abschließenden Band nur drei Sterne.