„Die Todesfee der Grindlay Street” von Oscar de Muriel ist der dritte Band der Frey und McGray – Reihe, kann aber wie bisher auch alleinstehend gelesen werden. Obgleich ich jedem empfehle, am Anfang zu beginnen, da dort die Charaktere fantastisch eingeführt wurden. Zudem waren die bisherigen Bände alle fantastisch.Wirklich fantastisch ist in diesem Band de Muriels Detailverliebtheit, wenn es um historische Persönlichkeiten geht. Wie er im Nachwort verrät, entschied er sich gegen eine fiktive Theatergruppe, als er in Henry Irving (einer der größten Schauspieler seiner Zeit) und dessen Truppe die Gelegenheit schlechthin sah. Man merkt dem Autor seine Begeisterung für die Aufführung von Macbeth und die historischen Figuren sehr an.Ellen Terry, Irvings Geliebte und Bühnenpartnerin, bekommt viel Raum und wird facettenreich dargestellt. Es wird klar: Sie war mehr als nur eine Bühnendiva. Und wir bekommen sogar mehrmals die Gelegenheit, Passagen aus Bram Stokers fiktivem Tagebuch zu lesen – denn bevor er das berühmte „Dracula“ schrieb, war er vor allem Irvings Theatermanager. Mit faszinierenden Fakten, einem interessanten Perspektive und einem gelungenen Spiel mit den historischen Lücken, zaubert er ein interessantes Mysterium, bei dem man sagen kann: Das hätte so sein können.Auch wartet de Muriel wieder mit seinen wissenschaftlichen Kenntnissen auf und erklärt einem so zum Beispiel auch das Mysterium um damalige Theaterinszenierungen, denn auch da durften Feuer und Nebel nicht fehlen.Obgleich die historischen Figuren viel von der Geschichte tragen, steht natürlich der Fall als solcher im Vordergrund. Einen Großteil des Romans verbringen Frey und McGray mit dem Versuch, den von der Todesfee (engl. Banshee) angekündigten Todesfall zu verhindern. Hierbei stellt sich wieder einmal die Frage, ob Mensch oder mystische Gestalt hinter dem kuriosen Geschehen stecken.Leider gefiel mir die Auflösung am Ende eher mäßig. Es wirkt zwar alles in sich logisch, doch es fehlt das Gewisse etwas, das bei den bisherigen Bänden da war. Vielleicht, weil die Lösung für mich persönlich zu „plötzlich“ kam, anstatt wie bisher langsam näherkam. Zudem hatte ich das Gefühl, der Roman hätte etwas Potential verschenkt. Zum Beispiel hätte ich einen großen Knall angesichts des Besuches von Freys Familie erwartet, stattdessen blieb es bei kleineren Reibereien.Nichtsdestotrotz war das Buch mal wieder klasse und fünf von fünf Sternen sind, wenn dieses Mal auch nur knapp, wieder drin. Eine Empfehlung für bisherige Fans und jeden, der Lust auf ein spannendes Mysterium rund um historischer Persönlichkeiten hat.
Eine rätselhafte "Todesfee" treibt sich im Umkreis der Theatertruppe um Henry Irving (dem Shooting Star des viktorianischen Theaters) herum. Nach ihrem Erscheinen in London soll sie sich auch in Edinburgh angekündigt haben, wo Irvings Truppe als nächstes auftritt-mit der opulentesten "Macbeth"-Aufführung aller Zeiten.Die beiden ungleichen Inspektoren Ian Frey und "Nine Nails" McGray werden zum Schutz der Truppe bestellt und lernen die Abgründe des Schauspielerdaseins und die versteckten Intrigen hinter den Kulissen hautnah kennen. Als es dann Tote gibt und die Premiere vor der Tür steht, wächst der Druck auf die Inspektoren. Gleichzeitig versucht der eitle Henry Irving und seine nicht minder eitle Bühnendame Miss Ellen Terry die Polizei nach Möglichkeit vom Bühnengeschehen fernzuhalten-sie haben nämlich auch einiges zu verbergen..So weit so gut, die Auflösung erscheint mir dann aber doch zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Oder hat der Autor im Buch zu viele Spuren gelegt, die er am Ende krampfhaft miteinander vereinen muss? Manchmal scheint mir, als ob der Autor sich vom Lokalkolorit allzu sehr forttragen ließ, was dem Buch einige Längen beschert.Weniger wäre auch hier mehr gewesen..