Texas 1967. Der 35-jährige Anwalt Hackberry Holland leidet noch immer an seinen Erinnerungen an den Koreakrieg, die er selbst mit exzessivem Alkoholgenuss nicht verdrängen kann. Unter unmenschlichem Druck war er in einem Gefangenenlager der Koreaner 1953 durch Verrat mitschuldig an der Hinrichtung zweier Gefangener geworden, die einen Ausbruch planten. Inzwischen ist Holland standesgemäß verheiratet und führt ohne große Begeisterung gemeinsam mit seinem Bruder eine kleine Anwaltskanzlei. Seine von Frau und Bruder im Bündnis mit einem korrupten Senator forcierte Kandidatur für den US-Kongress soll neben persönlicher Reputation auch für die Geschäfte der Kanzlei hilfreich sein. Durch die Verteidigung des zu Unrecht verurteilten mexikanisch-stämmigen ehemaligen Armeekameraden Art Gomez aus einem persönlichen Schuldgefühl heraus erkennt Holland einen Sumpf aus Vetternwirtschaft, Hass und Gewalt ...Im Jargon der Vermarktung von TV-Serien könnte man den Roman von James Lee Burke (*1936) als Prequel zu den beiden erfolgreichen Thrillern um den texanischen Sheriff Hackberry Holland bezeichnen. Doch LAY DOWN MY SWORD AND SHIELD entstand bereits 1971 und blieb bis zum Erscheinen von RAIN GODS (2009) und FEAST DAY OF FOOLS (2011) ein Solitär. Zwischenzeitlich hatte sich Burke mit den 4 Thrillern der Billy-Bob-Holland-Reihe nochmals mit der texanischen Familie beschäftigt. Der mit einer kraftvollen Bildsprache aufwartende Roman von 1971 handelt von Rassismus und Korruption in den US-Südstaaten - und hat damit in den vergangenen 45 Jahren kaum an Aktualität verloren. Etwa ein Drittel des Buches nehmen die in ihrer Brutalität ausgesprochen naturalistischen Erinnerungen Hollands an die Gewalt im koreanischen Gefangenlager ein. Die Schilderungen vom gewerkschaftlichen Kampf in den Südstaaten kommen mit übergroßem Pathos daher und sind damit durchaus typisch für die Entstehungszeit.Der HEYNE-Verlag legt das bereits 1971 erschienene Buch unter dem Titel ZEIT DER ERNTE in der der HARDCORE-Reihe (Übersetzung von Daniel Müller) nun erstmals auf dem deutschen Markt vor und bietet damit eine interessante Ergänzung zur Figur des späteren Sheriffs Hackberry Holland. In einem dreiseitigen Nachwort (Mai 2017) zur deutschen Ausgabe nimmt James Lee Burke zu seinen Intentionen und der leider durchaus gegenwärtigen Aktualität des Romans Stellung: "Legale und illegale Immigration; die Ausbeutung der Armen; demagogische Politiker, die Angst schüren und Hass predigen, sowohl religiös als auch rassistisch motiviert; die Neo-Kolonialisten, die den Interessen der Rohstoffindustrien dienen und die Kriegstreiber, die für die Waffenunternehmen arbeiten ... sie alle sind noch da, entschlossen, gierig, ohne Scham oder Gewissen, gleichgültig angesichts des Leids, das sie über Unschuldige bringen." (S. 382)Für Fans von James Lee Burke eine interessante Ergänzung!