In diesem wundervollen Roman gibt es nicht nur eines, sondern gleich zwei davon.Erika und Beth erben das Familienanwesen Storton Manor von ihrer verstorbenen Großmutter Meredith nur unter der Voraussetzung, dass sie dort auch leben. Ansonsten wird es zugunsten wohltätiger Zwecke verkauft.Beth möchte von vornherein ablehnen, aber Erica überredet ihre ältere Schwester, zumindest hinzufahren und die Weihnachtszeit dort zu verbringen. Sie hofft, Beth damit auch ein wenig aus deren depressiven Phasen heraus holen zu können, in die sie seit Jahrzehnten immer wieder versinkt.Als Erica beginnt, die Sachen ihrer Großmutter zu sichten und sortieren, fällt ihr ein Foto ihrer Urgroßmutter Caroline mit einem männlichen Baby auf ihrem Schoß sowie ein edler Beißring aus Elfenbein in die Hände. Sie kann sich das nicht erklären, denn Caroline hatte keinen Sohn – zumindest soweit es in der Familie bekannt ist. Wer ist also dieses Baby?Außerdem sehen sich Erica und Beth mit ihrer Kindheit und Jugend konfrontiert, als sie ihre Sommerferien bei Meredith verbrachten. Ihre Großmutter war streng gegenüber den Mädchen und ließ ihrem Enkel Henry, dem Cousin der Schwestern, fast alles durchgehen. Henry wiederum nutzte diese deutliche Bevorzugung aus und petzte jeden Regelverstoß genießerisch.Meredith hasste die Zigeuner, die am Rand des Geländes Wohnrecht haben, aus tiefstem Herzen und verbot den Kindern jeglichen Kontakt. Umso größer war die Anziehungskraft, und so waren die Mädchen häufig mit Dinny und den Zigeunern zusammen.Auch heute begegnen sie ihnen wieder. Was weiß Dinny über das damalige plötzliche Verschwinden Henrys? Haben die Zigeuner ihn entführt oder gar ermordet? Eine Leiche wurde trotz intensiver Suche nie gefunden. Seitdem leidet Beth unter Depressionen, die später sogar ihre Ehe zerstört haben. Nur ihr Sohn vermag es, sie aufzumuntern. Erica vermutet, dass die Depressionen mit Henry zu tun haben, aber Beth weigert sich vehement, ihr Wissen preiszugeben.Besonders hervorzuheben ist Carolines Geschichte, die parallel erzählt wird. Der großen Liebe wegen zieht die junge, wohlerzogene Frau aus sehr gutem Hause in den wildesten Westen mitten im Nirgendwo. Ihre Ängste vor der Weite, der Hitze, der Einsamkeit und vor den Indianern entwickeln sich zu Phobien. Ihr Ehemann liebt sie sehr und versucht, ihr zu helfen, wo er nur kann, aber er scheitert. Als er stirbt, bricht Carolines Welt endgültig zusammen.In einer einfühlsamen Art schreibt Katherine Webb über die vier Generationen Frauen, die alle ihre unterschiedlichsten Erfahrungen machen und jede Frau anders damit umgeht.Ich bin beeindruckt von den Geschichten, die eindringlich gezeigt haben, dass wir nicht nur Produkte unserer Gene, sondern auch unserer Erziehung, Umwelt, Zeit und vor allem Erfahrungen sind.Fazit: ein stimmungsvoller Schmöker, der zum Nachdenken anregt!