❄❄❄❄❄"Während wir rasch von einer Eisnadel zur nächsten huschten, um Deckung vo reinem unbekannten Feind zu suchen,fragte ich mich allmählich, wann diese Expedition die Grenze vom lediglich Ausgefallenenins Reich des Fantastischen überschritten hatte."(S. 553)Vor allem Kletterer und Alpinisten kennen die historischen Ereignisse bezüglich so mancher Erstbesteigungen. Hierbei ist das Verschwinden von den britischen Bergsteigern George Mallory und Andrew Irvine auf dem Mount Everest DAS Ereignis schlechthin.Sie wollten die "Mutter des Universums", so die Namensübersetzung aus dem Tibetischen, bezwingen, verschwanden jedoch spurlos.Erst 1999 wurde Mallorys Leiche und ein Eispickel Irvines gefunden. Mallorys Leiche wies keine typischen Absturzverletzungen auf, lediglich ein gebrochener Unterschenkel und Irvines Überreste wurden bis heute nicht gefunden. Dies gibt natürlich bis heute Rätsel auf. Vor allem die Frage, ob die beiden womöglich den Gipfel erreichten und somit als die Ersten den Mount Everest bezwungen haben.Mit diesem historischen Ereignis im Hintergrund erschuf Dan Simmons einen fiktiven Roman, der den Leser in die damalige Zeit, in einen Teil der Geschichte des Bergsteigens und vor allem in die Welt der Berge eintauchen lässt. Dabei haben auch durchaus berühmte Bergsteiger und Pioniere ihren Auftritt, wie z.B. George Ingle Finch und Edward Felix Norton einen Auftritt."Nur wenige Tage nach dem Verschwinden von Mallory und Irvine fand auch ein anderer Brite auf dem Mount Everest den Tod. Lord Bromley schien der Everest-Expedition von Mallory zu folgen und das auf eigene Faust und ohne die entsprechende Ausrüstung. Laut eines Zeugen wurden er und sein unbekannter Begleiter von einer Lawine erfasst und in den Abgrund gerissen. Drei Männer wollen diesen beiden Ereignissen, das Verschwinden von Mallory und Irvine und den angeblichen Tod von Lord Bromley, nachgehen.Der Engländer Davis Deacon - von allen nur "Der Diakon" genannt. 37 Jahre und schon 1922 mit Mallory auf einer Mount Everest-Expedition und somit ein erfahrener Alpinist.Der Franzose Jean-Claude Clairoux - kurz J.C., 25 und bereits erfahrener Bergführer.Und der Amerikaner Jake Perry - 22, erfahrener Felskletterer, der ebenfalls schon einige Bergbesteigungen hinter sich hat und dessen Geschichte wir hier lesen."Bald nachdem wir vom Schnee auf Fels gelangen, fängt der Gipfel des Everest an golden zu leuchten.Dann erstrahlen auch die Spitzen des Changtse, Makalu, Chomolonzo und anderen hohen Berge in der Nähe,und auch weit im Norden begrüßen die ersten steinernen Riesen den Morgen."(S. 479)Diese drei machen sich zum Ziel den Mount Everest zu besteigen und den mysteriösen Hintergründen nachzugehen. Um dies finanzieren zu können, wenden sie sich an Lady Bromley, die Mutter von Lord Bromley, welche noch immer die Hoffnung hegt, dass ihr Sohn lebt. Schnell wird jedoch klar, dass sie eigentlich die Erstbesteigung des Mount Everest im Sinn haben und somit begeben wir uns mit ihnen auf eine waghalsige Mount Everest-Expedition und besteigen mit ihnen die Mutter der Berge. Doch hier scheinen nicht nur Schnee, Eis und die Berge selbst die Feinde der drei Bergsteiger zu sein...hier lauert noch etwas ganz anderes auf sie.Dies ist mein erster Dan Simmons und ich bin begeistert. Wer jedoch einen spannenden Abenteuerroman erwartet, wird hier wohl eher enttäuscht sein. Simmons konzentriert sich vor allem auf die Charaktere und atmosphärische Natur- und vor allem Bergbeschreibungen. Bis man sich auf der eigentlichen Expedition befindet, gehen schon mal 250 Seiten ins Land. Diese gestalten sich jedoch keineswegs langweilig. Man erhält Kenntnisse in die tragische Matterhorn-Besteigung des Bergsteigers Whymper im Jahre 1865 , bei der drei Männer in den Tod stürzten.Ebenso ist man bei den Vorbereitungen dabei, erhält so Einblick in die Ausrüstung, sowie in die Entwicklung dieser. Dadurch lernt man wiederum so einiges über die Geschichte der Bergsteigerausrüstung und mit welch einfachen und primitiven Mitteln damals geklettert wurde. Hier möchte ich anmerken, dass die Bergsteiger von damals den höchsten Respekt verdienen.Man erfährt aber auch, dass mit dem Tod von Lord Bromley etwas nicht stimmt und dieser Zeuge alles andere als vertrauenswürdig ist. Dadurch blickt man auf die politischen Ereignisse von damals, als der Nationalismus bereits eine gefährliche Wendung annimmt und dessen Ausgang uns nur wohl bekannt ist.Danach erhält man ein Bild von den Darjeeling-Teeplantagen und weiteren Vorbereitungen, bis man sich schließlich auf den Berg begibt."Während ich mich über die Leiter schiebe, mache ich den Fehler,einen Blick in die blauschwarz schimmernden Tiefen zu werfen.Unter den wackelnden, vereisten Sprossen tut sich ein gähnender Abgrund auf.Die Neigung der Leiter wirkt auf einmal viel steiler.Ich spüre, wie mir das Blut in den Kopf schießt."(S. 391)Der Roman punktet vor allem durch die detailreichen Natur- und Bergbeschreibungen und die Charakterzeichnungen. Obwohl es eher ruhig verläuft, konnte mich dieses Buch von Anfang an fesseln. Gegen Ende wird es dann aber doch sehr temporeich und der Roman entwickelte sich nahezu zu einer spannenden Story a la Indiana Jones. Ich muss jedoch gestehen, dass mir eher waghalsige und beklemmende Kletterpartien den Atem raubten. Ich las so manche Kletterszene mit angehaltenem Atem und durch gespreizte Finger.Kurz gesagt - der Schreib- und Erzählstil von Simmons ist packend und plastisch zugleich.Zusätzlich enthält dieser historische Roman durchaus wunderschöne und nachdenkliche Passagen, welche vor allem Alpinisten und Kletterer nachempfinden können."Doch heute weiß ich, dass Bergsteigen vor allem unter extremen Bedingungen, die keinen Fehler zulassen - ein sonderbares Pendant zu Zen ist.Das Bewusstsein des Kletterers ist hier bis auf die nächsten Bewegungen, die er erspäht oder erspürt,und die Geschwindigkeit, die er benötigt, um am Fels zu bleiben, beschränkt.Im Geist spielt er die Griffe und Tritte durch, die ihn voranbringen und vor dem Sturz in den Tod bewahren."(S. 677)Fazit:Dieses Buch habe ich auch teils im Gedenken an meinen Großvater gelesen, welcher leidenschaftlicher Alpinist und somit bei jeder sich bietenden Gelegenheit in und auf den Bergen war. Er bestieg, unter anderem, den Mount Blanc und als Bergführer auch das Matterhorn. Diese Liebe zur Natur und zu den Bergen habe ich Großteils ihm zu verdanken, wobei ich mich eher auf das "gemütlichere" Wandern in den tieferen Ebenen beschränke.Dan Simmons schaffte es mich in die Welt der Berge eintauchen zu lassen und diese Welt ist alles andere als ungefährlich. Authentische, detailreiche und vor allem bildhafte Beschreibungen, egal ob Ausrüstung, Bergverhältnisse oder Klettermanöver betreffend - hier passt einfach alles.Für Alpinisten, Kletterer und Liebhaber von Bergen und Natur ein absolutes Muss.© Pink Anemone
Dan Simmons hat nach Terror - seinem Epos über die Suche nach der Nordwest Passage einen weiteren Roman über die Menschen geschrieben, die das Unmögliche versuchen und dabei gescheitert sind - wie Mallory und Irvine - am Mount Everest. Er schriebt geschickter Weise nicht über die beiden, da deren Schicksal unklar bleibt, sondern er schreibt über die ungenannten, die in seinem Roman den Berg bestiegen haben ohne dass je darüber ein Wort verloren worden wäre.Um die Fiction seines Romans glaubwürdiger zu machen erfindet er eine tolle Rahmenhandlung, in die er die Geschichte komplett einbettet. In seinem Stil hat sich - trotz der gegenteiligen Meinungen - seit Terror nichts geändert. Der Roman liest sich hintereinander weg, auch wenn er wie bei Simmons üblich einige Längen hat.Über den Inhalt sei hier Nichts verraten, außer, dass der Klappentext wenig damit zu tun hat, sondern es geht um die Organisation und um die Durchführung der Expedition zum Mount Everest, ohne die damals notwendigen Organisationen einzubeziehen. Dass die Story etwas hergeholt scheint tut weder der Spannung noch dem Lesefluss einen allzu großen Abbruch. Gewünscht hätte ich mir eine Karte des Berges mit der fiktiven und tatsächlichen Route der beteiligten Bergsteiger, um die Vorstellung etwas bildlicher nachvollziehen zu können.Aus meiner Sicht ist es ein gelungener Roman und wer Terror mochte, wird meiner Meinung nach den Berg lieben. Ich gebe hier 5 Sterne wegen der guten Urlaubsunterhaltung, wenn man den Berg jedoch mit Hyperion und Endymion oder Ilias und Olympos vergleicht, müssten diese letztgenannte Romane jeweils mindestens 10 Sterne erhalten. Es wäre schön von Herrn Simmons mal wieder ein solches Feuerwerk an neuen Ideen zu erleben.
1924 wollen zwei britische Bergsteiger den Mount Everest bezwingen-und kehren nicht mehr zurück. Ein Jahr später begibt sich eine weitere Expedition auf ihre Spuren-die Motivationen könnten nicht unterschiedlicher sein. Der erfahrene Richard Deacon sucht in der Bezwingung des unerbittlichen Himalajagipfels die Krönung seines Lebenswerkes. Der Franzose Jean-Claude sieht in der Expedition eine Testgelegenheit für seine neuesten Erfindungen in Sachen alpiner Ausrüstung, und der junge Amerikaner Perry sucht ein neues Abenteuer, das ihn bis an seine Grenzen und darüber hinaus treibt. Die wohlhabende Plantagenbesitzerin und Abenteurerin Reggie Bromley und ihr treuer Begleiter Dr. Pasang suchen einen verschollenen Verwandten, der bei der ersten Expedition unter kuriosen Umständen ums Leben kam.Die Gruppe hat mit all den Widerwärtigkeiten zu kämpfen, die der Mount Everest nur aufbieten kann-und die haben schon manchen in den Tod getrieben. Allmählich aber zeigt sich ein neuer Feind-und der hat mit der verborgenen Motivation einiger Expeditionsteilnehmer zu tun, vor allem mit dem eigentlichen Grund, weshalb Reggie um jeden Preis die Leiche ihres Verwandten finden möchte..War der Roman bisher spannend und sehr aufschlußreich über die Geheimnisse des Himalaja-Bergsteigens, so wird er ab einem gewissen Punkt extrem unglaubwürdig. Der Roman hätte ein paar Yetis mehr viel besser vertragen als einen Spionage-Thriller auf 8000m Höhe, frei nach dem Motto: Die Freiheit Großbritanniens wird auch am Mount Everest verteidigt...Dem Leser bleibt das finale Urteil überlassen. Ich ziehe für diesen Stilbruch einen gefrorenen Stern ab-wem es mitten im Sommer nach einer "kalten" Lektüre dürstet, dem kann ich diesen Roman aber nur empfehlen...