Stephen King hat sich bei mir erst durch seine Reihe Der dunkle Turm so richtig eingebrannt und ich muss dazu sagen, dass ich relativ spät auf die Reihe gestoßen bin (als ich damit angefangen habe, war schon von der Veröffentlichung des 5.Bandes die Rede). Dieser Siebenteiler war somit auch ein Grund, diese Kurzgeschichtensammlung zu kaufen, andernfalls hätte ich sie wahrscheinlich links liegen gelassen. Doch neben den 2 Geschichten, die das Dunkle Turm- Universum streifen sind auch andere kleine Perlen in diesem Band enthalten, die sich entweder durch leises Grauen oder durch den vollen Terror auszeichnen und King bringt das Eine wie das Andere, wie man es von ihm gewohnt ist, in den meisten Fällen großartig zu Papier. Alles endgültig, oder?Schon der Einstieg gelingt ihm mit "Autopsieraum Nr. 4" dermaßen perfekt, dass es beim lesen kalt über den Rücken runterläuft, so wie er die Situation beschreibt.Bei "Der Mann im Schwarzen Anzug" zeigt King, dass man den Teufel nicht immer mit Dreizack, Feuerflamme aus dem Mund und Hörnern auf der Stirn darstellen muss. Große Kunst für den leisen Horror, für den er, wie ich finde, nicht umsonst ausgezeichnet wurde.Die dritte Geschichte "Alles was du liebst wird dir genommen" war für mich persönlich der erste Hänger, zwar nicht bis zum Boden, aber doch abfallend gegenüber dem Anfang. Konnte mit dem Szenario und der Grundidee nix anfangen, aber das ist wie bei allen Geschichten Geschmackssache."Der Tod des Jack Hamilton" ist eine klassische Kriminalgeschichte, die von John Dillinger und seiner Bande handelt. Es sind dabei sehr direkte, derbe Beschreibungen dabei, wie man es von King gewohnt ist - mal was anderes. Auch das Setting der 30er Jahre kommt hier sehr glaubhaft rüber.Die Geschichte "Im Kabinett des Todes", die im deutschen der Sammlung seinen Namen gibt, ist eine klassische Situation der Ausweglosigkeit, die bar jeder Überraschung, aber dafür sehr direkt ist.Danach wird "Die Kleinen Schwestern von Eluria" präsentiert, welche die erste Geschichte ist, die direkt den Dunklen Turm- Zyklus berührt, indem in ihr ein Abenteuer von Roland, dem Hauptprotagonisten der Romanreihe, beschrieben wird. Anfangs war es schwer, in diese Geschichte reinzukommen, da Roland hier eher noch jugendlich ungestüm als alt und abgeklärt agiert, aber das legt sich mit der Zeit und ich war wieder in diesem DarkTower- Fieber, welches man nicht beschreiben kann. Schöne kleine Geschichte, die aber auf die großen Geschehnisse der 7 Teile keinen Einfluss hat (meines Wissens nach).Damit das Fieber noch weiter am Leben erhalten wird, präsentiert uns King noch die Vorgeschichte zu Dinky Earnshaw, einem Charakter, der im 7.Teil der Hauptreihe eine Rolle spielt. Nicht ganz so stark wie "Die Kleinen Schwestern von Eluria", ist "Alles endgültig" irgendwie auch fesselnd, präsentiert uns King hier den jungen Earnshaw, der eine besondere Gabe hat, die von Leuten, die im Hintergrund agieren, zu ihren Zwecken gesteuert wird. Diese Geschichte lebt nicht sp vom Spannungsfaktor, sondern eben von der Tatsache, dass eine Figur des Dunklen Turm- Zyklus vorgestellt wird. Interessant wird sie eher wieder durch Kings präzise Charackterbeschreibung. Alle, die den Dunklen Turm nicht kennen oder damit nichts anzufangen wissen, werden dieser Geschichte wahrscheinlich nichts abgewinnen können."L.T.s Theorie der Kuscheltiere" ist eigentlich keiner weiteren Erwähnung wert. Der erste richtige Tiefpunkt der Sammlung.In "Das Straßenvirus zieht nach Norden" wird wieder eine klassische Horrorgeschichte, wie man sie von King kennt, in Kurzgeschichtenformat gegossen. Dabei ist die Hauptfigur ein Schriftsteller von Horrorromanen (oft bemüht von King), der sich bei einer Haushaltsauflösung ein Bild kauft, welches ihn magisch anzieht. Das es dieses Bild aber in sich hat, dürfte jedem klar sein. Diese Geschichte lebt wieder von dem Horror, der erst in leisen und dann in Riesenschritten herankommt.Das "Lunch im Gotham Cafe" fängt eigentlich ganz harmlos an und steigert sich im weiteren Verlauf zu einer Farce, aus der es kein entrinnen zu geben scheint. Sehr blutig gehalten und durch seine rabiate Art und Weise sehr faszinierend. Gerade der normale Anfang, der völlig konträr zum Rest steht ist typisch King und ebenfalls das er den Horror nicht durch etwas übernatürliches erzeugt, sondern mit dieser Geschichte die Angst schürt, sowas könne jedem passieren."Dieses Gefühl, dass man nur auf Französisch ausdrücken kann" war für mich der zweite Tiefpunkt und konnte mich nicht so richtig fesseln."1408" ist eine Geschichte über ein Hotelzimmer mit Eigenleben, die vor ein paar Jahren mit John Cusack und Samual L. Jackson verfilmt wurde. Fand ich von der Grundidee ganz stark, der Mittelteil hätte ruhig etwas ausschweifender sein können und mit dem Ende bin ich noch nicht so richtig warm geworden, aber das kann ja noch werden. Nicht die Topstory in dem Band, aber auf jeden Fall im oberen Drittel anzusiedeln."Achterbahn" war für mich jetzt auch nicht so der Bringer. Konnte mich nicht richtig in eine bedrückende Stimmung bringen oder gar gruseln. War irgendwie belanglos das Ganze."Der Glüggsbringer" ist für mich die dritte schlechte Geschichte in diesem Buch, da für mich nichtssagend und es kam mir so vor, dass auf Teufel komm raus in der letzten Geschichte noch ein feel-good geschaffen werden musste. Konnte bei mir nicht zünden und war für mich vom Schreibstil her untypisch King.Fazit:In der Summe lässt sich festhalten, dass King mich mit seinen Kurzgeschichten immer mehr fasziniert. War ich von Sunset noch relativ enttäuscht, traf schon Zwischen Nacht und Dunkel voll ins Schwarze. Und auch hier überwiegen die, in meinen Augen richtig guten Geschichten. Es ist zwar nicht alles Gold was glänzt, aber in der Summe wurde ich gut unterhalten und das ist es was zählt und ich habe auch das bekommen, was ich bei einem King erwarte- wohligen Grusel gepaart mit ein paar fetzigen (Blut-)Einlagen. Werde mir demnächst die anderen Kurzgeschichtensammlungen von King zu Gemüte führen.