"Vergeltung": Ein weiterer Roman aus dem Themenkreis Weltkrieg, Nationalsozialismus, Alliierte (speziell natürlich Groß Britannien). Seit seinem fiktiv-historischen Roman "Vaterland" ist Robert Harris immer wieder zu diesem Tableau zurückgekehrt.Diesmal also eine Geschichte der "Vergeltungswaffe 2" (V 2), deren Werdegang und Entwicklung und ihr Einsatz als "Wunderwaffe" in letzten Kriegswochen mit den Zielen London und Antwerpen. Und die Geschichte(n) der Menschen , die mit ihr leben und die sie benutzten.Als Gegenpart die britische Seite, ihre Versuche, die Entwicklung zu verstehen und auf die Abschüsse zu antworten.Harris schreibt um all die detailliert recherchierten Fakten eine fast anrührende Geschichte von Menschen mit all ihren Wünschen und Fehlern, mit privaten Verstrickungen und Schicksalsschlägen; das Ganze wirkt wie das Drehbuch zu einem Film. Man muß dem Autoren zugute halten, daß er (als Brite) nicht in das Gut-Böse-Schema verfällt, hier die heldenhaften Briten, dort die abgrund-bösen Nazis. Er schildert beide Seiten, die Massenerschießung der Belegschaft eines Edelbordells durch die SS ebenso wie die bewusste Bombardierung der Mannschafts- Arbeiterunterkünfte in Peenemünde durch die britische Luftwaffe.Und - sehr interessant - beschäftigt er sich mit der schillernden, um nicht zu sagen zwielichtigen, Figur des Wernher von Braun, eines genialen Schönlings, eines von der Rakete Besessenen, eines Opportunisten, der in die höchsten SS-Ränge aufsteigt und von Hitler zum Professor ernannt wird."Vergeltung" ist zunächst ein grundsolider Roman. Gut recherchiert, mit manch erhellenden Sequenzen. Routiniert geschrieben, nicht brillant. Was fehlt, ist das innere Engagement, wie es Harris z.B. in seinen "Cicero-Romanen" gezeigt hat. "Vergeltung" ist ein Brot-Roman, geschrieben in Corona-Zeiten. Auch ein berühmter Schriftsteller muß seine Zeit nutzen, um sich und seine Familie zu ernähren.Und selbst dieser Brot-Roman ist allemal besser, als so manches, was am Markt an historischen Romanen angepriesen wird.