María Isabel Sánchez Vegara hat ihren Weg zur Erfolgsautorin mit Legenden geschmückt, die bestens zur Reihe «Little People, Big Dreams» passen. Und weil sie 20 Jahre in der Werbebranche arbeitete, kennt sie auch das Prinzip vom weissen Hai. Das heisst: Eine Geschichte, die sich gut verkauft, verlangt so lange nach Fortsetzungen, bis sich das Publikum wieder anderen Storys zuwendet. Mit weiteren Bänden dieser Reihe ist also zu rechnen. Allerdings erhöht das die Wahrscheinlichkeit, für Kinder ungeeignete Heldenfiguren auszuwählen, wie das bei Stephen Hawking der Fall ist.Seit die Selbstoptimierungsindustrie Jimmy Cliffs Song «You can do it if you really want” gekapert und missbraucht hat, sind grosse Träume zu einem Muss geworden. Dagegen ist im Prinzip nichts einzuwenden, solange das Verfehlen von Zielen nicht sozial geächtet wird. Dies zu Beginn meiner Rezension festzuhalten, ist mir wichtig, weil ich die Idee von María Isabel Sánchez Vegara mag, Heldengeschichten zu erzählen und Vorbilder zu zeichnen. Ist der Ton jedoch allzu pädagogisch werde ich nervös. Und genau das ist nun bei der Lektüre von diesem Band passiert.Die Autobiographie von Michelle Obama noch im Gedächtnis und einen Bildband über die Obamas vor Augen, bin ich der Meinung, die ehemalige First Lady werde allzu sehr auf ein strebsames Kind und eine im Dauerlernmodus befindliche Frau reduziert. Das beginnt schon mit dem einzigen Satz auf der 1. Seite, wo es heisst: «In einem einfachen Viertel von Chicago brachte die kleine Michelle jeden Abend ihre Stofftiere ins Bett. Sie sagte ihnen, was sie selbst immer hörte: Lernt fleissig, dann wird mal was Grosse aus euch!» Auf der nächsten Seite gibt Michelle in der Grundschule ihr Bestes, um so zu werden wie ihr Dad. Munter weiter geht’s mit der Highschool, in der zwar alle verschieden aussehen, aber alle das Lernen liebten. An der Uni wollte Michelle der Berufsberaterin beweisen, dass sie besser ist als diese dachte. Selbst beim Kennenlernen von Barack Hussein Obama muss stehen, dass dieser ein brillanter Jurastudent war.Es gehört zu den Qualitäten dieser Reihe, dass María Isabel Sánchez Vegara den Mut zum Verkürzen hat und sich nicht in den Persönlichkeitseigenschaften Ihrer Heldinnen und Helden verzettelt. Umso wichtiger ist die Überlegung, welche Botschaften den Kindern bleiben sollen. Etwas übertrieben gesagt, bleibt bei mir haften, dass Michelle Obama immer lernte, im Weissen Haus Gemüse anbaute und andere Menschen ebenfalls zur Verwirklichung ihrer Träume motivierte.Mein Fazit: Ich mag diese Reihe, bin aber «nur» der Vorleser und daher nicht das eigentliche Zielpublikum. Beim Band über Michelle Obama würde ich dem zuhörenden Kind allerdings sagen, dass Lernen zwar wichtig, aber nicht immer das Wichtigste ist. An den Illustrationen von Mia Saine habe ich nicht herumzumäkeln. Im Gegenteil, sie sind toll und kindergerecht.