Zehn CDs halten eine Weile vor. Es muss kurzweilig zugehen, damit der Hörer ein so umfangreiches Hörbuch wirklich genießen kann und nicht irgendwann das Gefühl aufkommt, man müsse das Werk nun sozusagen als Pflichtlektüre tunlichst zu Ende hören.Zumindest der Deutschlandteil hält, was er verspricht. Informativ, vor allem jedoch voller Witz schildert Twain seine Eindrücke, und man kommt nicht umhin, immer wieder laut zu lachen - dies übrigens auch beim Anhören von Mark Twains Essay über die deutsche Sprache, zu deren Verbesserung er allerlei Vorschläge unterbreitet, deren Sinn sich nicht völlig von der Hand weisen lässt. Ein echter Höhepunkt ist sicher das Duell, eine reine Farce, die der Autor unnachahmlich dramatisch und voller Spott darstellt.In der Schweiz angelangt, dürfte der Hörer allmählich ermüden. Denn trotz Kürzung wird die Erzählung hier langatmig, die Glosse wirkt überzogen, der Witz verliert die Pointe, und wenn die scharfe Zunge in Zeitlupe züngelt, büßt sie erheblich an Stoßkraft ein. Oh, hätte man diesen Abschnitt doch weiter gekürzt, wie viel besser wäre der Gesamteindruck! Wie leicht hätte man die nicht enden wollende Parodie einer Bergbesteigung ordentlich straffen können, um ihr die erforderliche Würze zu verleihen! Schade. So dümpelt die Handlung oder vielmehr die Karikatur einer Handlung meist müde vor sich hin.Italien verspricht dann etwas mehr und hält es meistens auch, obwohl Mark Twain sich hier nach Meinung der Rezensentin ebenfalls verzettelt, wenn er sich allzu ausführlich über die italienische Kunst mokiert.Gut gelungen und wunderbar originell sind die Portraits von Einheimischen und Reisenden, denen der Autor immer wieder begegnet. Sie lockern die ermüdenden Passagen ein wenig auf.Mit Rufus Beck hat diese schön und hochwertig gestaltete Edition einen Sprecher, der viel gutmachen kann. Ausdrucksstark, die boshaften Spitzen und Pointen großartig aufgreifend und auch subtile Ironie bestens vermittelnd, gibt er dem Text Leben und trägt erheblich zum positiven Gesamteindruck bei. Doch Wunder bewirken kann auch ein Rufus Beck nicht. So bleibt der Eindruck, dass zwar stellenweise Hörspaß pur geboten wird, sich die "Lektüre" jedoch über lange Strecken "zieht".