Ich habe die Buchreihe "Internat der bösen Tiere" meiner Nichte geschenkt und bin wirklich begeistert davon, wie sehr sie diese Bücher liebt. Die Geschichte ist gut geschrieben und hat genug Spannung, um die Aufmerksamkeit der Leser aufrechtzuerhalten. Ich mochte auch die Illustrationen im Buch, die die Tiere und ihre Umgebung sehr gut darstellen.
Teenager Noel, der seine leiblichen Eltern nie kennengelernt hat, hatte bis vor kurzem keine Ahnung, dass er zu den „Auserwählten“ zählt, denen telepathische Kommunikation schon in die Wiege gelegt worden ist. Als er das erste Mal Stimmen in seinem Kopf gehört hat, hat er gedacht, er verliert den Verstand. Doch diese Stimmen haben ihn auf abenteuerlichen Wegen zu den geheimen Inseln geführt, ins „Internat der bösen Tiere“.Hier sind seine Lehrer und Schulkameraden – bis auf wenige Ausnahmen – Wildtiere und alle Schüler *innen sollen voneinander lernen. Vor allem sollen sie artenübergreifend gut miteinander auskommen. Dass Noels Mutter Sonya die Schule gegründet hat, macht den Jungen stolz. Aber es ist auch Grund zur Besorgnis, denn sie hat in der Tierwelt auch mächtige Feinde. Was sie ihr angetan haben, weiß niemand, denn sie ist seit 15 Jahren spurlos verschwunden.Jetzt sind der Schwarzbär Uko und sein Netzwerk hinter Noel her und die Schulleiterin Mrs Moa – eine Würgeschlange – hat ordentlich zu tun, den Jungen vor seinen Feinden zu beschützen. Weil er aber den Ernst der Lage verkennt und auf ihre Anordnungen pfeift, klappt das nicht so, wie sie sich das vorstellt. Noel ist eben ein typischer Teenager, der lieber mit seinen Kumpels etwas unternimmt, statt sich absondern und einsperren zu lassen.Dass Noel nicht am Tauchlehrgang teilnehmen darf, der exklusiv für die menschlichen Schüler*innen veranstaltet wird, weiß er, aber es ist ihm egal. Er geht trotzdem hin, weil das eine der wenigen Chancen ist, seine Mitschülerin Katokwe von der Insel der Späher wiederzusehen, in die er sich verliebt hat.Jetzt ist Noel also mit seinen menschlichen Schulkameraden, einem tierischen Lehrer und der Schiffsbesatzung der Liberty auf hoher See und hat nur die Wächterhaie zu seinem Schutz. Was, wenn der Angriff aus der Luft kommt? Trauen kann Noel niemandem, denn es gibt einen Verräter in ihren Reihen, der heimlich mit Uko zusammenarbeitet. Und das könnte jeder sein. Verhalten sich nicht ein paar der Jungs auf dem Schiff äußerst merkwürdig? Kommt Krokodil Sirk wirklich auf Anordnung der Direktorin? Und sind die mobbenden Paviane einfach nur fies oder verfolgen sie einen Plan? Trotzdem genießt Noel das Tauchtraining und Katokwes Nähe. Alles läuft wunderbar – bis einer seiner Freunde nicht mehr von einem Tauchgang zurückkehrt ...Die Geschichte hat ruhige Momente, es steppt nicht ständig der Bär. ;-) . Doch selbst in Szenen, in denen die Schüler*innen einfach nur das Leben genießen, besteht diese unterschwellige Bedrohung: Jemand will Noel ans Leder, obwohl er gerade erst dabei ist, sich in der Welt der „Auserwählten“ zurechtzufinden. Bis vor kurzem hat er ja nicht einmal gewusst, dass es dieses Internat auf den geheimen Inseln gibt. Was immer vor seiner Geburt geschehen ist, welche Rechnung Uko auch mit Sonya offen zu haben glaubt - Noel weiß nichts davon und ist auch nicht dafür verantwortlich. Sie jagen einen Unschuldigen ...Andererseits haben die Menschenfeinde unter den Tieren durchaus einen Punkt: „Ihr Menschen seid böse (...) Ihr werdet die ganze Erde vernichten, wenn wir euch nicht Einhalt gebieten. (...) Mit einer so gewissenlosen Art ist keine Verständigung möglich. Und schon gar keine Versöhnung. (...) Je weniger es von euch gibt, desto besser geht es der Welt.“ (Seite 238) Aber gäbe es da nicht geeignetere Opfer als ausgerechnet den Sohn einer Frau, die sich für die artenübergreifende Verständigung, Gewaltlosigkeit und ein friedliches Zusammenleben eingesetzt hat?Es hilft alles nichts: Um zu verstehen, was wirklich dahintersteckt, wird entweder Sonya auftauchen und sich erklären müssen oder Uko muss aus der Deckung kommen und sich äußern. Darauf, denke ich, läuft die Geschichte hinaus. Ich würde ausgesprochen gerne wissen, was es mit Noels Mutter auf sich hat. Und einen Vater hat der Bub doch auch!Uferlos kann man diese Story sicher nicht strecken, irgendwann muss Butter bei die Fische. Und nun wünsche ich mir einerseits noch viele wilde und phantastische Abenteuer mit den bösen Tieren, aber andererseits auch eine baldige Klärung aller offenen Fragen. Die richtige Balance wird die Autorin finden müssen.Ach, warum hat es solche phantasievollen Bücher nicht schon gegeben, als ich in diesem Alter war! Aber ich lese solche Abenteuer auch heute noch gern. Irgendwie ist das INTERNAT DER BÖSEN TIERE eine Reihe für Zehnjährige jeden Alters. ;-)