Bildung ist das beste Mittel gegen Populismus Alle reden von Bildung. Sie wurde zur Lösung aller Probleme - von der Bekämpfung der Armut bis zur Integration von Migranten, vom Klimawandel bis zum Kampf gegen den Terror. Während »Bildung« als Schlagwort in unserer Gesellschaft omnipräsent geworden ist, ist jeder ernsthafte Bildungsanspruch zur Provokation geworden. Die Gründe dafür nennt Konrad Paul Liessmann in seinem neuen Buch. Dafür begibt er sich sowohl in die Niederungen der Parteienlandschaft als auch in die Untiefen der sozialen Netzwerke. Und er denkt darüber nach, warum es so unangenehm ist, gebildeten Menschen zu begegnen. »Liessmann schreibt mit intellektueller Schärfe und stilistischer Energie.« Süddeutsche Zeitung
Bewertungen & Erfahrungen
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6 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion11.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein wahrer Denkanstoß und eine spannende Auseinandersetzung mit der Rolle der Bildung in unserer Gesellschaft. Ich empfehle es jedem, der sich mit aktuellen politischen Themen auseinandersetzen möchte.
Redaktion11.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein sehr anregendes Buch, das zum Nachdenken anregt, auch wenn manche Argumente etwas zu stark formuliert sind. Es bietet eine spannende Perspektive auf die Rolle der Bildung in unserer Gesellschaft.
Abgesehen davon, dass Liessmann verschiedenste Artikel (und nicht nur zum Thema Bildung) hier versammelt (allerdings oft stark überarbeitet) und einiges wiederholt von dem, was er früher schon ausführte, habe ich (Deutschlehrer seit über 30 Jahren!) das Buch mit Genuss (und Gewinn) gelesen, spricht er mir doch aus tiefster Seele: All jene, die Bildung mit "Kompetenz" gleichsetzen, betreiben Raubbau an selbiger und haben es zu verantworten, wenn Generationen von Kindern und Jugendlichen nur noch "kompetenzorientiert" denken, fühlen und handeln, aber keine Zusammenhänge mehr herstellen, geschweige denn das wenige Wissen und Können, das sie erworben haben, auf sich und die Gesellschaft beziehen können.All jene "Bildungsexperten" und "Bildungspolitiker", die Dinge wie Zentralmatura, Kompetenzorientierung und die neuen Leerpläne (!) verbrochen haben, sollten gezwungen werden, wenigstens eines von Liessmanns Büchern zu lesen und mit ihm darüber zu diskutieren. Da dies nicht der Fall sein wird, ist zu befürchten, dass unser Schulsystem endgültig zu Tode reformiert wird und Menschen unsere Schulen verlassen, die nicht selbstständig denken können. Aber vielleicht ist das politisch intendiert...Wem meine harsche Kritik an der Bildungspolitik überzogen erscheint, möge die Aufgabenstellungen der letzten Matura im Fach Deutsch lesen. Dann weiß er/sie, was ich meine. Und wird Liessmann in seiner Analyse und seinen Schlussfolgerungen nur recht geben können.
Der Wert der Bildung und die Frage, was Bildung denn eigentlich sein kann, wird hier dargelegt. Natürlich auch der Verfall und die Veränderung, beginnend in den Schulen, den schlechten oder fehlenden Vorbildern, den Lehrplänen und last but no least den Politikern, die reihenweise vorführen, daß Bildung nicht von Nöten ist. Und daß auch das immer beschworene "lebenslange" Lernen eben nicht zur Bildung zwingend führt sondern bestenfalls zu Wissen
Konrad Paul Liessmann erweist sich auch mit diesem Buch als großartiger Stilist und Kritiker der derzeitigen bildungspolitischen Allgemeinplätze. So kennzeichnet er Bildung – bzw. das, was man heute dafür hält – sehr pointiert als Zivilreligion. Er rehabilitiert die Muße und eine literarische Bildung, die den Eigensinn fördert; dies bedeute wirkliche Individualisierung und sei nicht zu verwechseln mit der scheinbaren Individualisierung, wie sie der kompetenzorientierte Unterricht anstrebe.Erhellend auch, was Liessmann zum verheerenden Primat der Didaktik und Pädagogik gegenüber der Fachwissenschaft in der gegenwärtigen Lehrerbildung schreibt. Die angestrebte Professionalisierung sei eine scheinbare und Wissenschaft werde dabei nur simuliert. Auch die viel zu frühen Praxisphasen seien wissenschaftsfeindlich.Aber nicht nur das Thema Bildung beackert er wie in den beiden „Unbildungs“-Büchern abermals sehr kurzweilig. Er fragt ferner, wie es dazu komme, dass wir trotz der Automatisierung nicht die Erträge davon genießen könnten, und spricht sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Er dekonstruiert die Überzeugung, dass das Neue per se das Gute ist – und oft genug sei das, was als neu vermarktet werde, gar nicht neu. Über den Zusammenhang von Zukunft, Risiko, Ängsten und Hoffnungen lässt er sich ebenso klug aus wie über das nur scheinbar banale Thema „Abfall“. Konzise grenzt er Wissenschaft von Kultur ab. Er würdigt die Hand- gegenüber der Kopfarbeit und verheißt der Hand – nachdem sie zum Smartphone-Halter verkommen ist – eine Wiederkehr.Der Revolution und dem mit ihr einhergehendem Rigorismus misstraut Liessmann. Nicht nur für die SPD ausgesprochen lesenswert ist seine Beschreibung, welche Herausforderungen die Sozialdemokratie heute meistern müsste. Behutsam wägt er die Forderungen nach mehr direkter Partizipation gegenüber den Vorteilen des Parlamentarismus ab. Einer kritischen Überprüfung unterzieht er das Marktprinzip, sofern es auch Sektoren wie die Bildung erfasst, ebenso wie den modernen Leistungs- und Effizienzbegriff. Interessant auch seine Überlegungen zur Herkunft und zum Verbleib des Bürgertums und seine Überlegungen zum Begriff der Verantwortung. Der paternalistische Staat ist Liessmann suspekt – sein Plädoyer für die Freiheit trotz der damit einhergehenden Risiken ist daher leidenschaftlich. Der Autor drängt auf eine Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Brillant, wie er in einem Kapitel seine Erkenntnisse aus dem Buch zur Grenze zusammenfasst und ihre Ambivalenz – Hemmnis und Hoffnung, Ausschluss und Versprechen – beschreibt. Als Voraussetzungen für die Demokratie würdigt Liessmann zudem Nationalstaat und Staatsvolk. Schließlich beschreibt Liessmann die Aufgaben des Intellektuellen: zu denken und sich vor Abhängigkeiten jedweder Art zu hüten und die Einsamkeit dem Netzwerk vorzuziehen, sich dabei vor der Versuchung zu hüten, Menschen anderer Meinung zu paternalisieren oder zu pathologisieren. Den Abschluss des Buches bildet die Feier der Aufklärung, die gegen „Phantasmen“ verschiedenster Art wappne und als deren Feinde er mit Kant Faulheit und Feigheit ausmacht.In diesem Kapitel äußert sich Liessmann leider ausgesprochen religionskritisch und überschätzt die Segnungen der Aufklärung immens – ebenso wie er die Rolle des Christentums für manche Errungenschaften der Moderne unterschlägt. Sein Toleranzverständnis, wonach Toleranz keine absolute Wahrheit dulde, lehne ich ab; so verstandene Toleranz ist selbst die Anmaßung schlechthin (vgl. S. 223-226).
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.