Max Mannheimer hat alles durchlitten, was einem Menschen in den von Deutschen entfesselten Inferno zustoßen konnte: Demütigung, Vertreibung, Internierung im Ghetto, Tod fast der ganzen Familie in der Gaskammer, Arbeitslager und KZ, Hunger, Krankheit und Misshandlung. Wie durch ein Wunder hat er die Hölle überlebt. Heute ist er einer der letzten aktiven Zeugen des Holocaust und unermüdlicher Kämpfer gegen das Vergessen. Sein »Spätes Tagbuch« ist ein großes menschliches Dokument. »Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber daß es nicht wieder geschieht, dafür schon.« (Max Mannheim er in einer Diskussion mit Schülern)
Bewertungen & Erfahrungen
4,8 von 5
6 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 6 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion30.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Spätbuch von Max Mannheimer ist eine unglaublich eindringliche und bewegende Darstellung der Schrecken, denen Menschen im Inferno ausgesetzt waren. Es ist eine packende Lektüre, die man unbedingt lesen sollte.
Redaktion30.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Spätes Tagebuch ist eine unglaublich eindringliche und wichtige Dokumentation der Erfahrungen von Max Mannheimer im Deutschen Inferno und verdient höchste Aufmerksamkeit. Es ist eine packende Lektüre für jeden, der sich mit dieser dunklen Geschichte auseinandersetzen möchte.
Den Mut, 20 Jahre nach seinen schlimmen Erfahrungen diese niederzuschreiben. Besonders zugesprochen und beeindruckt hat mich, daß er hier nicht als Richter oder Ankläger schreibt, daß er sich nicht in moralisierendes Pathos ergeht, daß er nicht Betroffenheit erzeugen will, sondern Verständnis und Wissen schaffen will. Er schreibt, daß die Attitüde des leidenden Opfers (Larmoyanz) ihm fremd sei.Das sollte sich jeder, der von Kleinigkeiten geplagt wird, vielleicht nochmal zu Herzen nehmen. Andererseits wäre mein Appell ja auch schon wieder moralisierend :)Er legt jedoch auch dar, daß Moral und Wissenschaft sich bei der Betrachtung des Völkermordes nicht trennen lassen. Insofern geht die oft vernommene Schmähung und Diskreditierung von Moral sicherlich fehl. Eine moralfreie Wissenschaft, Gesellschaft oder Ökonomie ist schlechterdings unmöglich.Ich lese aus dem Buch auch heraus, daß ein wacher Geist sicherlich so manches verhindert hätte. Er schreibt von der Neigung des Menschen zur Bagatellisierung und der Zuversicht der jungen Jahre. Auch Mannheimer war damals noch nicht lange mit seiner Frau zusammen und schmiedete glückstrunken Zukunftspläne. Eine mögliche Gefahr möchte man im Augenblick des Glücks nicht sehen, schreibt Mannheimer. Diese Einsichten können uns allen eine Mahnung sein, unser allgegenwärtiges Vermeidungsverhalten zu reflektieren. Jeder von uns neigt natürlich dazu, unangenehme Aspekte auszublenden. Das bringt jedoch auch mit sich, daß es das reine, ungetrübte Glück nicht gibt. Für den (aufgeklärten und wahrhaftigen) Menschen ist somit jedes Glück nur Glück im Unglück (Odo Marquardt).Die Berichte über das Dasein im Konzentrationslager sind indes erschütternd. Wer vom Arzt „krank geschrieben“ wurde, bekam damit sein Todesurteil. Er schreibt, daß Menschen „wie Fliegen“ wegsterben und daß Kartoffelschalen nicht gegessen, sondern gierig verschlungen werden.Daß es Gaskammern gab, durfte nicht erwähnt werden, da dies wohl die Disziplin stören würde. Auch die Erlaubnis, seinen Verwandten zu schreiben, geschah nicht aus Gnade oder einem Rest Menschlichkeit bei den Wärtern, sondern um die wenigen Daheimgebliebenen in Sicherheit zu wiegen.Manche brechen ihren Goldzahn heraus und bekommen Wasser dafür.Mannheimer stellt die existenzielle Frage, ob Optimismus Lebenswille oder Naivität ist. Vermutlich beides, aber ich maße mir da keine Antwort an. Letztlich wird jeder reflektierte und kritische Mensch irgendwann im Leben auf diese Fragen stoßen und ist aufgerufen, diese für sich zu beantworten.Fazit: Ein Buch, das erschüttert und aufrüttelt und ein Mensch, der uns allen etwas zu sagen hatte. Vor allem war er ein lebendes Beispiel für die Übereinstimmung zwischen Reden und Handeln. Wahrlich eine Rarität in unseren Tagen. Leider ist Max Mannheimer im September diesen Jahres gestorben.
Max Mannheimer (1920-2016) entstammte einer deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie aus Tschechien. Anfang des 2. Weltkriegs wurde er zusammen mit seiner Frau, den Eltern und Geschwistern zunächst nach Auschwitz verschleppt, gelangte später auf Umwegen nach Dachau, wo er befreit wurde. Bis auf einen Bruder überlebte niemand seiner Angehörigen den Holocaust.Wie die meisten Opfer schwieg auch Mannheimer viele Jahre über sein Schicksal, schrieb dann aber in einer Notsituation doch in wenigen Worten über das, was eigentlich nicht in Worte zu fassen ist: Willkür, Unmenschlichkeit von Nazis und Mitläufern, die Brutalität in den Vernichtungslagern, mit der Millionen Menschen grundlos umgebracht wurden.Der kurze Text ist vor allem für die geeignet, die detaillierte Berichte über die Verbrechen der Nazis und ihrer Schergen nicht ertragen, nicht ertragen wollen, oder bislang wenig darüber gelesen haben. Mannheimer klagt nicht an, er beschreibt einfach nur nüchtern und sachlich das Schicksal seiner Familie, deren unendliches Leid stellvertretend für Millionen anderer steht.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 10:22 Uhr.