Der Inhalt des Buches zielt auf eine andere – neue – Denkweise im Umweltbewusstsein hin. Weg von Beschränkung und Schuldgefühlen hin zu Integration in die Natur - mit Allem, was wir wünschen und brauchen. Upcyceln statt recyceln, weil recyceln eigentlich nur ein downcyceln ist, also ein weniger wertvolles Material wird als das Ausgangsmaterial des ursprünglichen Produktes.Mit viel Idealismus wird diese Denkweise anschaulich und gut lesbar beschrieben.Mir war es mitunter etwas zu weitschweifig, doch halte ich die Idee eines Umdenkens weg vom generellen Schädlichkeitsdenken für sehr konstruktiv und empfehlenswert.Irritiert hat mich von Anfang an der dauernde Gebrauch des Begriffes Design. Ich musste erst einmal im Englisch-Wörterbuch nachschlagen. Es stimmt, im Englischen hat das Wort viel mehr Bedeutungen, nämlich z.B. „Entwurf“, „Planung“, „Absicht“, „Ziel“, „Zweck“, „Konstruktion“, „bauen“ und auch „Gestaltung“ und „Form“.Im Deutschen dagegen zitiere ich hier Wikipedia:„Design: Hier (in Deutschland) dient er häufig als Sammelbegriff für alle bewusst gestalteten Eigenschaften eines realen oder virtuellen Objektes, einer Dienstleistung oder Marke. Design wird damit entgegen dem Selbstverständnis der Designer immer noch als Applikation, als Zusatzleistung verstanden, das vor allem ästhetischen Regeln zu folgen hat.“Bei der Vielzahl der Bedeutungen, für die wir jeweilige spezifische deutsche Wörter haben, verstehe ich nicht die einseitige Verwendung eines englischen Wortes.Auch das Abdriften an bestimmten Stellen in doch sehr neoliberales Gedankengut kritisiere ich. S. 84, „…Wirtschaft ist schnell, äußerst kreativ, erfinderisch,… und von Natur aus ehrlich. Man kann mit Leuten, die nicht vertrauenswürdig sind, keine Geschäfte machen. …“Nein, kann man das nicht? Wie machen denn Drogendealer ihre Geschäfte? Und ist die Wirtschaft wirklich immer ehrlich? Werden nicht die schlechtesten Zutaten in alle möglichen Lebensmittel gemischt, wenn niemand aufpasst? Wird dann nicht tödlicher Alkohol verkauft? Wenn es keine Gesetze dagegen gäbe, sähen wir schnell alt aus bei derartiger Ehrlichkeit. Und was ist mit der Art, wie man mit Angestellten umspringt? Ehrlich?Nun, es geht nach der hier zu Wort kommenden Jane Jacobs nicht, dass der Staat sich mit Vorschriften in die Wirtschaft einmischt, weil dann erst all die unehrlichen Machenschaften der Wirtschaft auftreten. Oh nein, umgekehrt ist es: Der Staat erlässt Vorschriften, weil es Probleme mit der Ehrlichkeit gibt – nicht umgekehrt. Und Gewerkschaften stellen strenge Regeln auf, weil sonst die Arbeitnehmerschaft gnadenlos ausgebeutet wird – nicht umgekehrt sind die lieben Industriellen und Chefs immer nur gut und werden erst böse, weil man ihnen ein paar Vorschriften macht.Und generell möchte ich sagen, dass man ein Sachbuch nicht mit politisch-ideologischen Argumenten versehen sollte – und dann auch noch so naive wie die von der Ehrlichkeit der Wirtschaft. Also das hat mich wirklich aufgeregt.Doch ansonsten bringt das Buch viele gute Anregungen und nützliche Informationen. Es verdient es, sich damit auseinander zu setzen.Den Vorwurf, das Buch sei nicht wissenschaftlich, halte ich dagegen selbst für unwissenschaftlich. Es ist eine wissenschaftliche Regel, dass alle Theorien, die die Wissenschaft aufstellt, widerlegbar sein müssen; d.h. es darf niemand einen Nachteil haben, wenn er etwas Anderes meint. Mit diesem Argument, etwas sei nicht wissenschaftlich, wird jeder, der diese Theorie einleuchtend findet, als unwissend hingestellt. Das ist auch eine Form der Manipulation, denn viele Menschen schrecken bei diesem Argument zurück und können zu ihrer Ansicht nicht mehr öffentlich stehen.Ein Sachbuch muss nicht im deutschen Sinne wissenschaftlich sein. Ehrlich gesagt, hätte ich keine Lust, diese häufig langweiligen trockenen wissenschaftlichen Studien zu lesen. Andere Menschen (andere als Wissenschaftler) können auch denken. Und wir Nichtwissenschaftler dürfen auch mitreden.Wenn man meint, eine Aussage ist nicht richtig, kann man diese explizit nennen und triftige Gegenargumente bringen statt pauschal mit dem Begriff „unwissenschaftlich“ abzuwerten.Das Buch erfüllt für mich seine Aufgabe, einiges in Bezug auf den bisherigen Umweltschutz zu überdenken. Ich finde es gut, wenn wir uns Gedanken machen, wie wir etwas ganz anders angehen könnten. Insofern insgesamt ein empfehlenswertes Buch.