Wer verstehen will, was einen im Leben umtreibt, sollte dieses Buch lesen.Bei allen Menschen gibt es Brüche in der Familienhistorie. Zu denen gehören uralte Familiengeheimnisse, unnatürliche Todesfälle, Kriegserfahrungen und andere ungünstige Schicksalskonditionen. Über Generationen hinweg können diese bei den Nachkommen zu passiven Gewalterfahrungen, Gewaltausbrüchen, Entwürdigungen, unerklärlichen Pechsträhnen und Suiziden führen.Für die Betroffenen ist die Geschichte ihrer Vorfahren - und mag sie auch noch so schrecklich, grausam oder ungewöhnlich sein - etwas ganz Normales. Sie können sie emotional unbeteiligt erzählen - weil sie nie einen Zusammenhang hergestellt haben zwischen den Erlebnissen der Vorfahren und dem Verhalten, mit dem sie sich und anderen heute das Leben schwer machen.Autorin Sandra Konrad sagt: Dieses unfreiwillige und hinderliche Erbe muss nicht lebensbestimmend bleiben. Anschaulich zeigt sie Möglichkeiten auf, wie man die Problem auslösenden Ereignisse der familiären Vergangenheit mit psychologischer Begleitung reflektieren und verstehen lernen kann."Es bleibt in der Familie" - das Buch hat mich gefunden. Meine Affinität zum Thema kommt nicht von ungefähr: Trotz mancher Begabungen und nachgeholter Bildungsanschlüsse gab es nicht die Erfolge, die erwartbar waren. Warum war das so? Wo gehört das hin? Nun ja, es geht mir gut mit meinen 60 Jahren, ich habe mich jung gehalten und könnte mich sogar glücklich nennen - wären da nicht die wiederkehrenden, erschreckend szenischen Albträume. Kalte Menschen tauchen aus dem Nichts auf und wollen meinem Leben ein unerwartet schnelles Ende bereiten. Doch wenn sie die Schusswaffe anlegen (es ist immer eine Pistole, die sie auf mich richten), entkomme ich der sicher geglaubten Exekution nur durch schnelles Aussteigen aus dem Traum, schwitzend und mit Herzklopfen.Da läuft immer wieder ein Film in mir ab, den ich nicht inszeniert habe. Wer führt Regie? Diese Frage hat mir Sandra Konrad - endlich muss ich sagen - erschöpfend beantwortet. Sie hat mir mit den richtigen Worten und nachvollziehbaren Fallgeschichten zu einer tief greifenden Erkenntnis verholfen.Ich bin ein Sohn von Eltern, die Kriegskinder waren, ein Kriegsenkel also. Mein ganzes Leben habe ich an meiner Selbsterkenntnis garbeitet. Psychologen, Systemaufstellungen und einschlägige Lektüre begleiteten mich auf meinem Weg. Gut möglich, dass deswegen der Samen dieses Buches bei mir auf fruchtbaren Boden fiel.Ich fand das Sachbuch außerordentlich spannend. Es war leicht zu lesen, auch weil die Inhalte übersichtlich dargebracht werden und vor allem, weil es in einer sehr klaren Sprache geschrieben wurde.Die Sprache der Seele ist immer einfach. Sie zu formulieren, nicht.
Für völlige Neulinge ist der Titel vielleicht ein Einstieg, der definitiv nicht überfordert: In dem Fall bedingt zu empfehlen.Wenn man sich derweil thematisch schon länger mit den Folgen von Misshandlung durch die eigenen Eltern vor dem Hintergrund transgenerationalen Traumas beschäftigt hat, bringt das Buch keine neuen Ansätze oder Einblicke, sondern es wirkt befremdlich oberflächlich.Zudem werden Eltern sehr in Schutz genommen. Gleich der allererste Satz von Kapitel 1 zieht mögliche Vorwürfe an die Eltern prophylaktisch durch den Kakao. Dieser Tenor setzt sich leider im Buch fort.Es würde dem Titel helfen, wenn er als absolute Einstiegsliteratur deklariert wäre. Denn dass es sich nicht um psychologische oder therapeutische Fachliteratur handelt, erklärt alleine nicht das Niveau. Es gibt sehr viele (therapie-) informierte Laien, die sich mindestens mäßig anspruchsvolle Erklärungsansätze wünschen. Dazu zähle ich mich.Für mich wirklich nichts Neues.