Ari Turunen zählt in lockerer Reihenfolge all die Niederlagen und Untergänge auf, die Stolz, Arroganz und Selbstüberschätzung hervorgerufen haben. Dabei deckt er den Zeitrahmen von den alten Assyrern bis zur Gegenwart ab. Liest sich gut und ist an vielen Stellen lehrreich!
Der Begriff der Arroganz wird in diesem Buch meines Erachtens in seiner Bedeutung überdehnt. In den dargestellten aktuelleren Beispielen zu den Skandalen um den US-amerikanischen Enron Konzern und die Bank Lehman Brothers lag die Ursache ihres Untergangs weniger in der zweifelsohne vorhandenen Arroganz der Führungspersönlichkeiten, sondern in der kriminellen Energie, mit der diese vorgingen.In diesen Fällen diente die Arroganz eher als eine Art Schutzschild, um unbequemen Nachforschungen kritischer Beobachter zu entgehen. Am lesenswertesten fand ich das Kapitel, in dem die unterschwellige Arroganz dargelegt wird, mit der normale Menschen in der heutigen Medienkultur behandelt werden.Ansonsten enthält das Buch viele anekdotenhafte Beispiele zur Arroganz, die man aber auch unter anderen Stichworten, wie nationalistischer Wahn, hätte abfassen können. Ärgerlich sind viele kleine Fehler und oberflächlich recherchierte Tatsachen. Die aufgeführten "Saturnus-8-Raketen" waren wohl eher die Saturn V der USA und der "deutsche Ingenieur Herbert von Braun" hieß eigentlich Werner mit Vornamen. Auch ein einzeln stehender Satz wie "Leonardo da Vinci wurde von seinen Zeitgenossen gehasst" stellt für mich ein Ärgernis dar, weil keine weiteren Belege angeführt werden. Gemeint ist hier wohl, dass es seine unmittelbaren Konkurrenten auf künstlerischen Gebiet waren, die ihn gehasst haben könnten. Den meisten seiner Zeitgenossen in Europa dürfte Leonardo da Vinci völlig unbekannt gewesen sein. Ebenso dürfte die Dexia Bank eher von Frankreich als von Deutschland in der Finanzkrise von 2008 Geld bekommen haben.Insgesamt brachte mir die Lektüre nicht den erhofften Erkenntnisgewinn. Die meisten Anekdoten zu dem, was der Autor unter Arroganz zusammenfasst, waren mir schon vorher bekannt. Interessant fand ich die Passagen, in denen Arroganz nicht als Eigenschaft eines Individuums sondern einer Organisation oder sogar eines Staates, speziell Großbritannien, dargestellt wurde. Hier ergab sich eine wunderbare Ergänzung zum zu gleicher Zeit gelesenen "The Siege of Krishnapur" von J.G. Farrell. Aber das Buch von Turunen ist schnell und flüssig zu lesen und als Quelle für Smalltalk-Themen durchaus geeignet. An einigen Stellen hätte es ein besseres Lektorat verdient gehabt, wenn es denn ein solches überhaupt gegeben haben sollte.