Iran taucht in meinen Reisezielen nicht auf, obwohl mir als Karl-May-Leserin schon einige Male der Gedanke gekommen ist, dass diese Gegend sehr sehenswert sein könnte. Aber wer will schon, besonders als Frau, zu furchteinflössenden, schwarzgewandeten, religiösen Fanatikern reisen. So lautete meine Meinung über den Iran und die Iraner, die durch die entsprechende Berichterstattung in den Medien geprägt ist. Stephan Orths Buch über Couchsurfing im Iran hat mit einigen dieser Vorurteilen aufgeräumt. Auf der einen Seite gibt es zwar den Überwachungsstaat, der seinen Einwohnern eine Religion und Lebensweise vorschreibt, auf der anderen Seite sind da aber noch die Menschen und ihre Leben, die so gar nicht unseren Vorstellungen entsprechen."Couchsurfing im Iran" ist kein besonders gut geschriebenes Buch. Manche Formulierungen hätten gerne noch überarbeitet werden dürfen oder ... vielleicht auch nicht, denn es ist auch ein sehr persönliches Buch, das die Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse eines 36jährigen Mannes weitergibt und gerade durch seine sprachlichen Eigenheiten auch sehr persönlich beim Leser ankommt. Manchmal liest es sich wie eine Aneinanderreihung von Begebenheiten, aber Stephan Orth vergisst nicht, uns zwischendurch mal an seinen Gefühlen teilhaben zu lassen, wenn er Angst hat, weil er von der Polizei verhört wird, wenn er Magen-Darm-Probleme hat, wenn ihm bei manchen Situationen einfach mulmig zumute oder wenn ihm einfach nur irre heiß ist. Trotzdem wahrt das Buch eine gewisse Distanz, persönliche Urteile über die Menschen, die er trifft, fällt er nicht und er verrät uns auch nicht, wie er zu den Frauen steht, denen er begegnet, da ist er ganz Gentleman. Er reflektiert seine Erlebnisse, zieht Schlüsse und bringt den Leser so dazu, sein Bild vom Iran abzuwandeln. Meines ist jetzt auf jeden Fall sehr viel bunter und nicht mehr ausschließlich ins deprimierende Schwarz der Mullahs gewandet.Vielen jungen Iranern ist es ein Anliegen, der restlichen Welt ihre Heimat und ihre Landsleute näherzubringen. Einige Studenten haben dazu im Mai 2014 ein Video "Happy Teheran" gedreht und auf youtube veröffentlicht, in dem sie zu Pharrell Williams Song "Happy" singen und tanzen. Nur wenige Tage nachdem es online gegangen war, wurden die Studenten verhaftet und zu 6 Monaten Haft und 91 Peitschenhieben verurteilt. Die Strafe ist zur Bewährung ausgesetzt und wird nicht vollzogen, wenn sie sich in den nächsten drei Jahren nichts zuschulden kommen lassen. Wenn man Orths Buch gelesen hat, dann versteht man, dass das nach europäischen Standards fast unmöglich wäre. Deswegen finde ich, sind wir es diesen jungen Leuten fast "schuldig" langsam wieder die Menschen hinter der eindimensionalen Medienberichterstattung zu entdecken, zu hinterfragen und uns keine Meinung diktieren zu lassen. Schließlich haben wir hier die Freiheit, das in aller Öffentlichkeit zu tun. "Couchsurfing im Iran" kann uns dabei helfen. Deswegen ist es in meinen Augen ein sehr wichtiges Buch und bekommt von mir 5 Sterne und absolute Leseempfehlung.
Diese Empörungshaltung einiger Leser, dass der Iran ganz anders wäre als von St. Orth beschrieben, , kann ich nicht nachvollziehen: Natürlich erlebt jeder Reisende ein Land, eine Region ganz anders. Ein Umzug von Flensburg nach Altötting zeigt wie anders ein Leben innerhalb Deutschlands sein kann, wie sich hier auf 900 km schon Kultur, Sprache, Verhalten unterscheiden. Sollte das im Iran anders sein? Je nach Reiseroute, Sprachkenntnisse, Kontaktfreudigkeit erlebt jeder von uns ein Urlaubsland ganz anders.Natürlich konnte der Autor schneller mit jungen, kontaktfreudigen , neugierigen Iranern in Verbindung aufnehmen als mit älteren. Dies ist schon kulturell bedingt, da man älteren Personen in der islamischen Kultur ehrerbietiger gegenüber tritt und diese sicherlich auch genauer abwägen, ob bzw was sie sagen.Auf jeden Fall hat hier der Autor wieder ein sehr unterhaltsames, humorvolles, interessantes und neugierig machendes Buch geschaffen, das die Lust auf eine Reise in dieses fremde, an Sehenswürdigkeiten und Kultur reiche Land weckt.Der Autor ist nie herablassend, interessiert sich sowohl für die Geschichte, Tradition als auch für menschliche Schicksale und zeigt Widersprüche auf. Hervorragend ausgebildete junge Leute finden so zum Beispiel keine Anstellung oder verdienen so wenig, dass sie keine Familie gründen können und quasi gezwungen sind, auszuwandern.Ich hätte gerne noch mehr gelesen, ein durch die Bank fesselndes Buch mit vielen sympathischen Nebendarstellern wie Yasmin, Sofia, Massi, Reza, Azim, Azadeh, Fardad....Fazit: Zum Träumen, Lachen, Wundern, Informiert werden, zum Reise planen... Abtauchen in eine fremde, faszinierende Welt. Besser geht es nicht!
Die Beschreibung war dermaßen authentisch, lebendig und ehrlich, dass als ich mit m Lesen anfing, konnt ich das Buch wirklich nicht mehr aus der Hand legen und hab s am Stück verschlungen. Ich habe viele Bücher von Iranreisenden bis jetzt gelesen(sogar mal von einem Deutschen, der dort aufgewachsen war), aber keiner von diesen Autoren konnte mich wie Stephan Orth auf die Straßen vom Iran und mitten in die Bevölkerung mitnehmen und die Wahrheiten ihres alltäglichen Lebens widerspiegeln. Das ist bewundernswert, wenn du siehst, dass die wahre Erzählungen über das Land und die Gesellschaft, die du seit ewig anderen erzählst und keiner dir das abkauft, werden genauso ehrlich und authentisch ohne jegliche Manipulationen von einem nicht Einheimischen geschrieben.Drei Sachen möchte ich noch erwähnen:1. Auf der Seite 192, über die Frauen und wie sie heiraten:Vielleicht hatte der Autor sich bei einem in einer streng religiösen Familie aufgewachsenen Mädchen über das Thema erkündigt. Das trifft aber nicht die Mehrheit. Das Staatliche, bzw. das Islamische ist nicht gleich das Kulturelle, das Menschliche und wie die Sache aus der Blickwinkel der Familie betrachtet wird. Dem Islam nach stimmt was da erzählt wurde, das entspricht aber nicht unseren kulturellen und familiären Einstellungen. Natürlich hatte die iranische Kultur schon zwangsweise viel von der islamischen Kultur abekriegt, aber stolz sind wir darauf, dass in unseren Familien immer noch die menschlichen Werte und die Gleichberechtigung groß geschrieben werden.2. Stephan Orth gelingt es seine Erzählungen meisterhaft umgeben von einer persischen Atmosphäre rüberzubringen, etwas dass es bis jetzt kein einreisender Autor geschafft hat. Die Kommentare von Laila aber dagegen passen überhaupt nicht zu seiner Textgestaltung.3. Schade, dass er die persischen Wörter nicht von einem Muttersprachler korrigieren lassen hat.Danke Stephan!