Eigentlich bin ich ein ganz kleines Bisschen zu jung, um ein Queen-Fan der ersten Stunde zu sein. Nichtsdestotrotz wurde ich zum Queen-Fan, als mir eine Freundin 1983 die Filmmusik zu „Flash Gordon“ schenkte, die ja bekanntlich von Queen stammt. Seither ist viel Zeit vergangen, aber ich bin nach wie vor ein großer Fan dieser wirklich einzigartigen Band. Am 24.11.2017 jährte sich Freddies Todestag nun schon zum 26ten Mal – ein guter Grund, sich mal eine Biografie über ihn vorzunehmen.Fazit: Das Buch war für mich ein echter Pageturner, obwohl ich schon viel über Freddies Leben und Werdegang wusste. Der Schreibstil ist anfänglich ein bisschen gewöhnungsbedürftig, weil die Autorin die Angewohnheit hat, bei Zitaten anderer Zeitzeugen gerne mal „dazwischen zu quatschen“. Das hat den Effekt, dass man nicht immer genau weiß: was stammt letztendlich vom Zeitzeugen und was von der Autorin. Es ist aber nicht wirklich störend und nach spätestens 2 Kapiteln hat man sich daran gewöhnt.
Freddie Mercury. Vielleicht der größte Frontmann, der Rockgeschichte. Sein Leben muss doch interessant gewesen sein, oder nicht? Und ja, die Eckpunkte machen Lust auf mehr. Geboren als Beamtensohn in Sansibar, Internat in Bombay, Flucht nach England, Studium des Grafikdesigns, Roadie, Sänger, Queen. Nun, da kann man sich auf einiges gefasst machen, so dachte ich und nachdem ich zum wiederholten Male den beeindruckenden Auftritt von Queen bei Live Aid gesehen habe, machte ich mich dran, mehr über Freddie Mercury herauszufinden.Natürlich weiß auch die Autorin Lesley-Ann Jones um die Sogkraft, die Queen bei dem genannten Konzert ausgestrahlt hat, denn genau damit beginnt Kapitel 1. So wird bereits nach wenigen Seiten auch der musikalisch unerfahrenste Leser mitgerissen und davon zu überzeugen versucht, dass Queen einfach nur die beste Band aller Zeiten ist. Von da an schlägt Jones, die hier als Weggefährtin vorgestellt wird, den Bogen von der Kindheit des Farrokh Bulsara bis hin zum überlebensgroßen, sterbenskranken Rockstar. Man muss zugeben, dass man hier ordentlich mit knallharten Fakten bzgl. Verkaufszahlen, Konzertkapazitäten und Anzahl der Partygäste konfrontiert wird und könnte das Buch im ersten Moment allein schon aus diesem Grund feiern. Außerdem wurden fast unzählige andere Weggefährten und Zeitzeugen befragt bzw, wurde auf Interviews zurückgegriffen, auch das mag zu beeindrucken. Aber dadurch verheddert sich die Autorin ständig in Aussagen anderer, die kein klares Bild von Mercury zu schaffen vermögen. Erst heißt es Freddie sei immer der Diplomat gewesen, dann behauptet jemand, Freddie hätte immer ganz klar den Ton angegeben, so wie er es wollte oder gar nicht. Man kann nun behaupten, dass Mercury nun mal sehr facettenreich war, aber selbst das wird nicht abschließend dargelegt. Jeder Mensch hat seine guten und seine schlechten Seiten, seine guten und seine schlechten Tage. Es lässt nicht auf einen komplexen Charakter, sondern vielmehr auf willkürliche Austauschbarkeit schließen, wenn mir 5 verschiedene Freunde 5 verschiedene Eigenschaften einer Person nennen. Der Kern von Freddie Mercury wird nie getroffen. Stattdessen verliert sich die Autorin in Redundanz und erzählt uns in jedem Kapitel neu, was für Partylöwen die 4 Musiker doch waren und das jedes Mal noch einer draufgesetzt wurde. Zudem ist es heutzutage nicht mehr notwendig Plattenverkäufe und Tourdaten aufzuzählen, das kann man auf jeder Fanpage nachlesen.Nächster Kritikpunkt: An einigen Stellen wollte Jones wohl möglichst viele Informationen auf einmal loswerden. Da werden dann Dinge, wie der Tod von John Lennon oder eine Gartenparty mit Freddies Eltern erwähnt, ohne dass dies im Kontext auch nur den geringsten Mehrwert erzeugt und es zudem einen durchgängigen Lesefluss unmöglich macht.Weiter geht es mit Mercurys sexueller Orientierung. Es ist grauenhaft, wie in diesem Buch damit umgegangen wird. Die Autorin versucht womöglich seinen inneren Zwiespalt zu verdeutlichen, aber heraus kommt dabei nur ein Beweis, dass Homosexualität leider immer noch für eine Vielzahl an Menschen eine Normabweichung darstellt. Es kommen Stimmen zu Wort, die mit ihren Aussagen an dem Motto „Freddie war zwar schwul, aber…“ lediglich dazu beitragen, dass ein verqueres Bild zu dieser Thematik aufrechterhalten wird. Den traurigen Höhepunkt findet man auf Seite 415, als das „Fehlen des bekennenden Homosexuellen-Kontingent“ auf dem Tribute Concert angesprochen wird. Ja, es ist schade, dass Boy George oder Jimmy Somerville nicht dabei waren, aber bestimmt nicht, weil sie homosexuell sind, sondern weil es tolle Künstler waren. Steckt man Menschen in verschieden Schubladen nur aufgrund ihrer Bettpartner*innen, macht man zwangsläufig etwas Besonderes daraus und genau das sollte im 21. Jahrhundert nicht mehr der Fall sein. Freddie Mercury wollte nichts oder zumindest nicht viel dazu sagen, und das ist OK. Man verlangt ja auch nicht von einem vermeintlich heterosexuellen Künstler ein Coming-out.Wie dem auch sei, dieses Buch hat mir den Menschen Mercury so gut wie gar nicht nähergebracht. Ich weiß jetzt, wer welches Bühnenoutfit entworfen hat und, dass niemand so feiern konnte wie Queen. Überhaupt ist dies ein Buch über die Band, nicht über Freddie Mercury. Der Mensch dahinter ist mir weiterhin fremd, daher lediglich 2 Sterne.