Mir hat der neue Arne Dahl nicht so schlecht gefallen; die hier geposteten Verrisse kann ich nicht nachvollziehen. Die OpCop-Serie fand ich nicht mehr gut, da habe ich auch an entsprechender Stelle über die Gründe in einer Rezension geschrieben, aber die Berger/Blom-Serie finde ich spannend und gelungen. Irgendwie geht natürlich nichts über die ersten Bände der A-Gruppe, aber Berger/Blom sind völlig in Ordnung. Dieser Band ist spannend und lebendig und, wie ich finde, keineswegs derart verwirrend wie hier beschrieben. Allerdings muss ich ebenfalls die Einschränkung machen, dass man die beiden Bände davor gelesen haben sollte.Eines nur finde ich nicht so toll, das fiel mir schon beim erneuten Lesen der A-Gruppe-Romane auf: Dahl neigt zum unrealistischen Schwafeln. Ein Beispiel: Ein Mann sitzt in einem Kellerraum, gefesselt, wird evtl. gefoltert, setzt aber per E-Mail kleine Filme ab, in denen er erklärend den Hintergrund erzählt. Aber dass ein gefesselter Mann, dem es definitiv nicht gut geht, und der nicht weiß, wann sein Entführer das nächste Mal hereinkommt und ihn (weiter) foltert, in folgenden Sätzen spricht, das glaube ich nie und nimmer niemals nicht:"Ich bevorzuge … die Bezeichnung Triumvirat. Man verbindet sie mit der klassischen Antike, sie klingt nach dem goldenen Zeitalter Roms … aber mit dem Beigeschmack eines Machtgleichgewichts, das auf ebenbürtiger Stärke und gemeinsamen Ambitionen beruht. Wenn der fein kalibrierte Balanceakt des Triumvirats in irgendeiner Weise gestört würde, stünde der Untergang kurz bevor.""Klassische Antike"? "Beigeschmack eines Machtgleichgewichts"? "Fein kalibrierter Balanceakt"? Ja, nee, is klar, so redet ein Mensch, der entführt und gefesselt ist, und nicht weiß, wieviel Zeit im bleibt, wichtige Informationen zu übermitteln.Nein, so redet Arto Söderstedt von der A-Gruppe. Wenn er Zeit hat. Im Büro. Und selbst da sind die Kollegen genervt.
Dieser dritte Band der Reihe hat mir deutlich besser gefallen als die Bände davor. Dennoch bleibt hinsichtlich Spannungsaufbau, inhaltlicher Transparenz und Logik sowie literarischer Qualität reichlich Spielraum nach oben.Die spärliche Handlung spielt sich zumeist auf abgelegenen bzw. abseitigen Orten ab wie einsame Inseln, Hütten, Garage, Keller, Krankenhauszimmer u.ä.. Entsprechend sind die Personen oft sehr immobil, benommen oder depressiv. Die komplexe durchaus interessante Konstellation der diversen Agenten, Terroristen, Polizisten, Geiseln oder Söldner wird vorwiegend theoretisch in Gesprächen erörtert und nur selten in Handlung umgesetzt. Viel Raum nehmen auch die sich wiederholenden Erinnerungen und Grübeleien einiger Protagonisten ein. Die Interpretation der Handlung und der Rolle aller relevanten Personen ist aus der Perspektive der Leser kaum möglich, weil der Autor durchgehend mit falschen Identitäten, Lügen, Täuschungen, Halbwahrheiten und grob irrationalen Fakten operiert. Das führt dazu, dass beim Lesen keine konkrete Erwartung entsteht und somit nichts überrascht. Gelegentliche Skurrilitäten wechseln mit längeren langweiligen Passagen. Auf den letzten Seiten kommt es zu einer unerwarteten Gewaltorgie mit über 20 Toten und unmittelbar danach zu Ermordung von zwei Hauptschurken. Der Autor setzt als Schlußpunkt ein partnerschaftliches und familiäres (vorläufiges) happy end.Die Feuilleton - Kritiken des folgenden vierten Bandes sind recht positiv, was mich vielleicht motiviert diesen zu lesen. Sonst hätte ich es nicht erwogen.