Berlin 1931 – Alex lebt wie viele Kinder und Jugendliche auf der Straße. Als sie Benny trifft, der beschlossen hat, sich ihr anzuschließen, ändert sich vieles. Benny ist jünger als sie und doch gibt er ihr Halt und Sicherheit, ist er die Kraft, die sie immer wieder Mut schöpfen lässt. Mit ihm zusammen kann sie so vieles, sogar unbeschwert und herzlich lachen.Doch dann, bei ihrer gemeinsamen nächtlichen Flucht aus dem KaDeWe, hinter sich die Polizei, geschieht das Unfassbare, Benny stirbt, feige und brutal getötet durch einen Polizisten.Der amerikanische Auftragskiller Abraham Goldstein kommt nach Deutschland. Hat einer der Ringvereine, kriminelle Vereinigungen, die sich untereinander in einem ständigen Machtkampf befinden, ihn angeheuert um einen unliebsamen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen?Gereon Rath und Charly Ritter gehen unterschiedlichen Spuren und Verbrechen nach. Was aber, wenn das gar keine getrennten Ermittlungen sind?Es ist faszinierend, wie Volker Kutscher einmal mehr mit wenigen Strichen, Schlaglichtern gleich, ein Szenario schafft, so hautnah, als wäre man dabei, als stehe man nur wenige Meter abseits an einer Ecke und beobachte eine Szene, die einen jeden Moment in ihren Sog und damit ins tödliche Zentrum des Geschehens ziehen könnte. Auch für diesen dritten Fall des Berliner Kriminalkommissars Gereon Rath meine besondere Leseempfehlung.Astrid Leutholf
Um es vorweg zu nehmen: ich bin grundsätzlich Freund dieser Bücher.Das Dramaturgie-Gejammer der meisten Rezensenten hier kann ich nur bedingt nachvollziehen. Ja, etwas langatmig dürfen große Romane durchaus sein.Ich finde die Romane auch grundsätzlich gut recherchiert,wenn nicht, ja wenn nicht: Volker Kutscher hat eine seltsame Vorstellung von Berlin.Vielleicht liegt es ja daran, dass Bergisches Land, Wuppertal und Köln als Background und Lebensmittelpunkt den Blick etwas verstellen.Jahrgang 1962 bedeutet fast zwangsläufig Berlinkenntnisse vor allem nur der einen Hälfte der Stadt.Gereon Rath verlässt das Polizeipräsidium am Alex (wird undifferenziert nur als permanente Baustelle beschrieben - das macht Döblin auch, aber der Alex und seine Nebenviertel werden ungleich lebendiger) und ist in 90 % der Fälle nach Westen unterwegs. Seltsam.Gereon und Charlotte sind im Kanzler verabredet. Natürlich fahren sie (als Mitte-Anrainer) an den Kurfürstendamm. Nicht etwa Kanzler Unter den Linden...Wenn abends ausgegangen wird, dann ab in den Westen - egal, ob Revue oder Kneipe - die imaginäre Grenze, die sich durch die Romane zieht, wird selten überschritten.Kleine Angestellte, kleinbürgerliche Beamte der unteren Gehaltsstufen besuchen nicht die kleinen Biergärten um den Alex herum? Die Letzte Instanz und Aschinger reichen Volker Kutscher völlig aus.Also wenn schon literarischer Berlin-Tourismus aus Köln, dann vielleicht öfter mal das historisch interessante Scheunenviertel, den bürgerlichen Prenzlauer Berg (mit seinen Biergärten, Fabriken, bedeutsamen Boulevards), das Villen-Pankow, das spannend durchmischte Weißensee oder das Häusermeer Friedrichshain recherchieren...Sätze, in denen es heißt "heruntergekommene Häuser", "bröckelnde Fassaden" usw. lassen einen merkwürdigen Eindruck entstehen. Historisch gesehen, sind die riesigen Arbeiterviertel Kreuzberg, Wedding, Moabit und Neukölln mindestens so fragwürdig abgewohnt gewesen wie der Berliner Osten. Wenn es um Schmuddel geht, dann muss Herr Rath in den Osten, wenn es um Glamour geht, dann darf er in den Westen. Die ewig gleiche Blickrichtung nervt. Die goldenen Zwanziger fanden nicht nur in den Neureichen-Vierteln Charlottenburgs statt.Die historische Mitte findet sich so gut wie gar nicht - und das, obwohl der Arbeitsplatz der Protagonisten direkt im Zentrum ist.Friedrichstraße? Fehlanzeige. Schloss? Nix. Charité? Nö. Nur die zwei, drei Bahnhofsviertel - hu, Schauder, kriminell, kriminell...In 6. Generation bin ich Berliner (West- und Ost-Berliner) und mir graust es vor der simplen Zweiteilung der Stadt in diesen Romanen.Herr Kutscher - irgend etwas stimmt nicht an Ihrem historischen Berlin-Bild. Vielleicht stimmt etwas nicht an Ihrem aktuellen Berlin-Bild!?Vielleicht sollten Sie sich etwas öfter mit echten Berlinern unterhalten? Sie müssen auch nicht - aber warum dann diese Romane?Lassen Sie sie doch in Köln spielen - dann stimmt wenigstens auch der (vor allem in den ersten zwei Romanen ) falsch zitierte Dialekt...Genug gemeckert - ich werde mir den vierten Falle ebenfalls kaufen - die Hoffnung stirbt zuletzt!Und Volker Kutschers Romane gehören neben der Bernie-Gunther-Serie von Kerr zu den lesenswerteren Berlin-Krimis aus dieser Zeit.3,5 Sterne!