Es handelt sich hier um die Neuauflage des hervorragenden Bestimmungsbuchs, das mich schon in der ersten Auflage von 2016 restlos überzeugt hat. So ist es sehr erfreulich, dass der Verlag Quelle & Meyer diesen exzellenten Bestimmungsführer zu den Heuschrecken aktualisiert und neu veröffentlicht hat.Als Herausgeber zeichnet die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege ANL verantwortlich. Aufbau und Methodik des Bestimmungsschlüssels wurden im Rahmen von Seminaren an der ANL erarbeitet, in der Praxis im Feld geprüft und weiterentwickelt. Nun steht das Bestimmungswerk also schon in zweiter Auflage für die Praxis zur Verfügung.Auch in der Neuauflage begeistert das Buch auf Anhieb. Aufbau und Inhalt des Werkes möchte ich im Folgenden einer Würdigung unterziehen.In den einleitenden Kapiteln werden allgemeine, grundlegende Kenntnisse über die Tiergruppe der Heuschrecken vermittelt. In den Erläuterungen werden überwiegend deutsche Begrifflichkeiten verwendet. Das ist sehr anwenderfreundlich. Die wissenschaftlichen Bezeichnungen sind in Klammern dazu gesetzt. Neben dem Körperbau und den Merkmalen wird die Biologie sehr ausführlich beschrieben hinsichtlich der Aspekte Entwicklung, Gesang, Paarung, Eiablage, Häutung, Ernährung, Feinde, Parasiten, Abwehr- und Vermeidungsstrategien sowie Lebensraumansprüche. Hinweise zur Beobachtung, zu Nachweis- und Bestimmungsmethoden fehlen natürlich nicht. Den Texten sind bemerkenswert viele und gleichzeitig außergewöhnlich gute Fotos, oftmals vergrößerte Detailabbildungen, beigestellt, die das Verständnis der ohnehin sehr verständlich beschriebenen Materie nochmals unterstützen. Ein weiteres Kapitel befasst sich ausführlich mit dem Thema Biodiversität sowie der Gefährdung der Artenvielfalt. Die Gründe für den Verlust der Vielfalt werden aufgezeigt. Folgerichtig werden die Roten Listen der Bundesländer Deutschlands sowie die Gesamteinstufungen der Gefährdung für Deutschland, Österreich und die Schweiz wiedergegeben. Maßnahmen zum Schutz der Arten und ihrer Vielfalt werden anschließend aufgezeigt.Gewissermaßen als Einstieg in den Artenteil folgt nun eine Übersicht über die Heuschreckenarten Deutschlands und Nordtirols. - An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, warum überhaupt speziell die Arten Nordtirols mit aufgenommen wurden? Zwar wird erläutert, dass die Mitautorin D. STEINLECHNER hier besondere Kenntnisse besitzt. Aber mir scheint diese Erweiterung etwas willkürlich. - Daran schließen sich Bestimmungstafeln an, die die Identifikation von Artengruppen und einigen charakteristischen Arten ermöglichen. Diese Tafeln sind dem Buch zusätzlich in Form einer herausnehmbaren Schnellbestimmungstafel beigefügt. Auf Grundlage von wiederum hervorragenden Fotos wurden sie in Form eines Flussdiagramms speziell für die schnelle Bestimmung im Gelände entwickelt. Der Bestimmungsschlüssel ist recht einfach aufgebaut und somit auch für Einsteiger anwendbar. Allerdings werden hier die wissenschaftlichen Namen verwendet; hier könnte man als Einsteiger etwas ins Schleudern geraten. Die Ausklapptafel ist auf stabilem, Wasser abweisendem Papier gedruckt. Leider ist immer noch keine Einstecktasche vorhanden, so dass die Tafel nur lose im Buch liegt, oder wahlweise auf dem Erdboden. Man kann sie natürlich im Gelände auch separat in der Jackentasche unterbringen.Nach dieser Übersicht folgen die Artkapitel. Den in systematischer Reihenfolge gegliederten Artenportraits werden zunächst Familien-Übersichten vorangestellt. Die entsprechenden Bestimmungsmerkmale der zugehörigen Gattungen sind mit Fotos vergleichend nebeneinandergestellt. Das ist von der Herangehensweise her schlichtweg genial und vorbildlich für ein Bestimmungsbuch! Mit ein bisschen Einarbeitung lassen sich die gattungstypischen Kennzeichen sehr gut einprägen und vor Ort anwenden. Und mit der Zuordnung zur Gattung hat man sich der Artenbestimmung schon sehr stark angenähert. Die nachfolgend vorgestellten Arten können also relativ einfach bestimmt werden.Die Artenprofile erstrecken sich jeweils über eine Doppelseite. Die linke Buchseite enthält textliche Beschreibungen zu den Merkmalen, zu Verbreitung und Lebensraum, zur Entwicklung und Phänologie, zum Gesang und zu Besonderheiten wie bemerkenswerten Lebensweisen usw. Die rechte Seite enthält je ein großformatiges Foto von Männchen und Weibchen der Art. Die Fotos sind brillant. Makrofotografie in ausgezeichneter Qualität! Sie lassen alle bestimmungsrelevanten Kennzeichen präzise erkennen und sind mit eingeklinkten textlichen Hinweisen und Detailfotos versehen, mit denen die relevanten und sehr gut herausgearbeiteten Bestimmungsmerkmale verdeutlicht werden. So wird eine schnelle und eindeutige Bestimmung, auch für Anfänger, ermöglicht. Eine kleine Einschränkung: viele Fotos zeigen die Tiere in einer seitlichen Ansicht. Vielleicht hätte man besser durchgehend Fotos verwenden können, auf denen die Tiere von schräg oben zu sehen sind. Aber das ist kein wirklicher Grund zur Klage. Sehr gut sind auch die grafischen Balken-Darstellungen zur Größe der Arten. Insgesamt ist der Bestimmungsteil wirklich gut durchdacht und methodisch ausgefeilt. Hier wird erneut deutlich, dass die Bestimmungsmethodik von Praktikern entwickelt wurde. Auch ausgestorbene Arten werden übrigens in einem kurzen Kapitel vorgestellt.Die Verbreitung der Arten wird in zwar kleinen, aber sehr guten und vergleichsweise detaillierten Karten aufgezeigt, jedoch nur innerhalb Deutschlands; Vorkommen in Nordtirol werden nur verbal beschrieben. Am Ende der Artenkapitel steht jeweils eine Auflistung von speziellen Literaturstellen zu der vorgestellten Art, die vollständig im Gesamtliteraturverzeichnis am Schluss des Buchs nachgesehen werden können. Außerdem wird der Rote Liste-Status angegeben.Den Larven der Heuschrecken wird ein kurzes Kapitel gewidmet, welches Fotos einer Auswahl von einigen charakteristischen Arten enthält. Eine Bestimmung ist damit allerdings nur bedingt möglich, da unterschiedliche Larvenstadien gezeigt werden, und dies ohne jede Erläuterung. Insofern wird hier vor allem eines deutlich: nämlich wie schwierig die Larvenbestimmung ist.Eine mehrseitige, sehr übersichtliche Tabelle enthält schließlich Angaben zur jeweiligen Imaginalzeit und zu Vorkommen in verschiedenen Lebensräumen. Es folgt eine Gegenüberstellung von ehemaligen und aufgrund aktueller systematischer Erkenntnisse neu zugeordneter Artnamen. Am Ende des Buchs stehen ein aktuelles und erweitertes, übergreifendes und umfangreiches Literaturverzeichnis sowie ein Stichwortverzeichnis.Eine hilfreiche Ergänzung wäre es gewesen, wenn die Herausgeber dem Buch eine CD mit den Gesängen zur akustischen Bestimmung beigelegt oder diese über einen Online-Link zum Herunterladen auf das Smartphone bereitgestellt hätten. Leider fehlt dieses Angebot auch in der Neuauflage.Was ist nun gegenüber der 1. Auflage neu? Zum Einen sind es einige wenige taxonomische Anpassungen. Des Weiteren wurden Aktualisierungen der Verbreitungsangaben aufgrund entsprechend neuester Erkenntnisse vorgenommen. Die Verbreitungskarten sind dementsprechend angepasst worden. Die Rote Liste-Angaben für Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein wurden aktualisiert; betroffen sind davon allerdings nur wenige Arten. Die artenbezogenen Literaturangaben und das Literaturverzeichnis wurden deutlich ergänzt; und dies ist auch die wesentliche Änderung. Einzelne Fotos von Larven wurden gegen neue Abbildungen ausgetauscht; alle anderen Fotos in den Bestimmungsteilen und Artenportraits sind unverändert geblieben.Fazit:Das Buch ist wirklich richtig gut! Ein exzellentes und vorbildliches Bestimmungsbuch! Es ist methodisch durchdacht, logisch aufgebaut und sehr übersichtlich. Die Texte und Erläuterungen sind verständlich und nachvollziehbar und mit durchweg außerordentlich guten und sachdienlichen Fotos illustriert. Texte und Fotos ergänzen sich hervorragend. Dieses Werk weckt und fördert das Interesse an der Beschäftigung mit der Tiergruppe der Heuschrecken. Das Buch ist zwar wegen des festen Einbandes wenig flexibel, aber damit auch robust und aufgrund des vergleichsweise kleinen Formats und verträglichen Gewichts auch für den Rucksack geeignet.Für hauptberuflich oder ehrenamtlich tätige Biologen, Kartierer, Gutachter, Naturschützer, Landschaftspfleger und Landschaftsplaner sowie interessierte Naturliebhaber, die sich in die Materie einarbeiten wollen, ist dieses Buch einfach ein Muss! Wer sich für Heuschrecken interessiert, bekommt hier ein wirklich ganz hervorragendes, absolut praxistaugliches und aktuelles Bestimmungsbuch an die Hand, und wird daran mit Sicherheit seine bzw. ihre Freude und großen Nutzen haben.Die Änderungen gegenüber der vorherigen Auflage sind überschaubar. Wer also die 1. Auflage besitzt, müsste sich die 2. Auflage nicht unbedingt zulegen, es sei denn, dass er oder sie wirklich vertieftes Interesse an den wenigen Aktualisierungen hat bzw. darauf angewiesen ist, auf den aktuellen Kenntnisstand zurückgreifen zu können. Wer das Buch aber noch nicht besitzt, dem sei es auf jeden Fall dringend empfohlen.
Das Buch "Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols: Bestimmen – Beobachten – Schützen" von Jürgen Fischer, Daniela Steinlechner und fünf weiteren Autoren präsentiert die Heuschrecken der besagten Region in brillanten Makrofotos, bei denen auf bestimmungsrelevante Details hingewiesen wird. Die Bestimmung erfolgt mehrschrittig: Zunächst führen Bestimmungstafeln systematisch zu einer Eingrenzung auf eine Gruppe mit wenigen Arten, dann führt eine bebilderte Gattungsübersicht hin zur Art, die sich durch Vergleich anhand der Makrofotos zusammen mit den Angaben im Textteil verifizieren lässt. Für jede Art steht eine Doppelseite zur Verfügung: Eine Textseite inklusive Verbreitungskarte und eine Bildseite mit zwei großen Fotos und oftmals zusätzlich kleinen Inset-Fotos mit Details wie beispielsweise vergrößerten Aufnahmen der Fühler, des Kopfes oder der Legeröhre. Außerdem gibt es eine Einführung in den Körperbau und die Biologie der Insekten und Hinweise zu den Lebensraumansprüchen. Abgerundet wird das Werk durch einen Anhang mit Hinweisen zu relevanten Internet-Seiten, einer hilfreichen Übersicht der Imaginalzeiten und Lebensräume der Heuschrecken und einem umfangreichen Literaturverzeichnis. Dieses mit viel Liebe zum Detail gestaltete Bestimmungsbuch vereint das Wissen des Autorenteams mit den Anliegen der herausgebenden Bayerischen Akademie für Naturschutz und dem Verlag Quelle & Meyer. Alle verbindet die Liebe zur Artenvielfalt in der Natur und das Anliegen, das Wissen über Biodiversität zugänglich zu machen. Das Buch "Die Heuschrecken Deutschlands und Nordtirols" ist ein gelungenes Beispiel guter Kooperation und ein hervorragendes Bestimmungswerk für die faszinierende Insektengruppe der Heuschrecken!
Heuschrecken gehören sicherlich nicht zu den beliebtesten Insekten, denn schon in biblischen Zeiten hatten sie keinen guten Ruf und auch Namen wie „Braunfleckige Beißschrecke“ oder „Gemeine Dornschrecke“ lassen auf nichts Gutes schließen. Beim genaueren Hingucken geht jedoch von diesen häufig durch schreckhafte Bewegungen gekennzeichneten Geradflüglern eine Faszination aus, die sich in ihrem vielfältigen Habitus, ihrem Verhalten und ihrer Art der Kommunikation äußert. Dieses mit detailliert beschrifteten, punktgenau treffenden Farbfotobildvergleichen arbeitende Bestimmungsbuch eröffnet dem Nutzer die wunderbare Welt der Heuschrecken als Adulte und Larven. Eingestreute Bestimmungstafeln sowie eine entsprechende Faltkarte dienen zusätzlich der Orientierung bei der Artbestimmung. Selbstredend sind die umfassenden Fachinformationen zum „Heuschreckenwissen“ allgemein und zu den gelisteten Arten in Deutschland und Nordtirol. Fazit: Geballtes Sachwissen mit dem Potenzial, Heuschrecken ganz weit oben in der Beliebtheitsskala anzusiedeln.Dr. Christiane Högermann