Bambiland und Babel, zwei Theatertexte über den Irakkrieg, genauer: wie er sich in den Medien spiegelte. Bambiland entstand parallel zum Krieg, als Mitschrift eines "embedded writer". In Babel wird das Gesehene dann reflektiert und wie in einer Bach'schen Fuge durchgeführt. "Aktueller kann Literatur, kann literarische Transformation des Rohstoffes Welt kaum sein ... Als Therapeutikum ist dieser eigensinnige Jelinek-Mix aus Sprachanalyse, Aneignung und Demontage falschen Denkens im nicht vorhandenen, aus Kolportage, Scherz, Satire und Idolatrie, aus Wiener Schmäh, Autoreflexion und Selbstentblö ßung während des Schreibens brisant, erhellend und, ja, unterhaltsam ... Man lauscht einem Ich, das vor sich hin spricht, vollgesogen von den Geschehnissen der Innenwelt der Außenwelt, das räsoniert über die vielen Toten und die Lebenden, über mediale Berieselung, Abhärtung und Ignoranz, Arabien und Dick Cheney ... Ungerecht, polemisch und klarsichtig ist Bambiland, einseitig, tiefgründig, ganz Ohr, ein musikalisches Kunstwerk - vielleicht das erste, das einzige sprachliche Ereignis des Krieges." (Alexander Kluy, Frankfurter Rundschau)
Bewertungen & Erfahrungen
4,3 von 5
3 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 3 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Jelinek, wie immer sehr verwirrend, ABER mit sekundärliteratur eine große Freude für akribische Literaturdetektive. Kein Buch für einsame Stunden, sondern für Austausch und am besten ein wenig Methoden- und Theorie- Wissen!!!So oft schon aufgeregt und nichts verstanden und plötzlich fällt der Vorhang, der erst noch die Augen verschleiert hat!!!
Erlkönig. Der Tod und das Mädchen. Der Wanderer. Eine kleine Trilogie des Todes. „Ein Land, wo das Anmaßende die Farbe von Schmutz annimmt, damit es einem von Anfang an vertraut ist.“ Jelineks unerhört einfachen Sätze sind anmaßende Erinnerungen an den Tod, wie er tagtäglich passiert und sich immer wieder wie eine gewohnte Gleichgültigkeit einschleicht. In das, was einer ist und das, was einer tut, denkt oder gedankenlos gehen lässt wie es eben geht. „Na, und wer ist der Sieger in dem Kampf Ware gegen Grund, Glaube gegen Vernuft? DAS TIER.“ Bis noch die Reinste von allen, Schneewittchen, tot ist. Denn egal, was man von Kunst, von Kultur, vom Theater und Kino, erwartet; „das Gute kann Berge versetzen, manchmal auch der Glaube, die Schönheit kanns jedenfalls nicht.“ Und Jelinek kann’s? Mit ihrer Kunst? Jedenfalls rührt sie um, im Denkgewohnten. Diese Theaterstücke rühren auf, jedenfalls in den Gefühlen, Gedanken, Gemütern, vielleicht noch im Denken selbst. Oder sind’s vielleicht gar keine, nichts Spielbares, kein Spiel? Ein schwer zu lesendes lesenswertes Buch in jedem Fall. Schwer zu spielen sicherlich, die, die sich hier aufführen.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.