Wie auch bei der Sharpe-Serie, hat Cornwell mit den Uthred Romanen eine Abenteuerserie um einen geschichtlichen Nebendarsteller gesponnen. Ist es bei Sharpe ein Scharfschütze der englischen Armee in den napoleonischen Kriegen, so kann man hier Uthred, einem angelsächsischem Fürsten mit Wikingerabstammung folgen. Und das in einer äusserst spannenden Phase der englischen Geschichte, als es auf der Kippe stand, ob England mehrheitlich britisch/angelsächsisch oder von den Wikingern beherrscht wird.Geschickt webt Cornwell den - fiktiven - Handlungsbogen um konkrete geschichtliche Ereignisse und Personen wie Alfred den Großen und seine Bemühungen, die angelsächsischen Stämme und Königreiche gegen den Feind aus dem hohen Norden zu vereinen. Die Geschichte erzählt den Werdegang Uthreds, der als Kind seine Heimat Bebbanburg (Bamburgh Castle in Northumberland) verliert und sein Leben der Rückeroberung selbiger widmet.Uthred erlebt hierbei alle Höhen und Tiefen des Kriegerlebens, einmal ganz oben als Feldherr bewundert, einmal ganz unten, weil er nicht dem Christentum angehören möchte, sondern lieber zu seinen alten Göttern betet.Und das alles in Cornwells typischer Art, aus der persönlichen Sicht des Protagonisten, mit hohem geschichtlichem Sachverstand und den überaus plastischen Schilderungen der Strapazen des damaligen Lebens, vor allem der Schlachten und deren Vorbereitung.Ich kann diese Serie jedem geschichtlich interessierten Leser nur ans Herz legen, leider neigt sich diese ja nun dem Ende zu.
"Ich brauchte Dunkelheit. In dieser Sommernacht aber schien ein Halbmond immer wieder zwischen den Wolkenlücken hindurch und brachte mich aus der Ruhe. Ich aber wollte Dunkelheit. Ich hatte zwei Ledertaschen auf den kleinen Hügel gebracht, der die nördliche Grenze meines Anwesens bildete. Meines Anwesens. Mit Fifhaden, so hieß es, hatte mich König Alfred für meine Dienste bei Ethandun belohnt, wo wir auf einem langen grünen Bergrücken das dänische Heer aufgerieben hatten. Es war ein Kampf Schildwall gegen Schildwall gewesen, und an seinem Ende war Alfred wieder König, und die Dänen waren geschlagen, und Wessex war wiederauferstanden.Ich kann sagen, dass ich zu all dem mehr getan habe als die meisten anderen Kämpfer. Meine Frau war umgekommen, mein Freund war umgekommen, ein Speer hatte sich in meinen rechten Oberschenkel gebohrt, und meine Belohnung war Fifhaden. Fünf Felder. Das bedeutete der Name. Fünf Felder! Es war kaum genug Land, um die vier Sklavenfamilien zu ernähren, die den Boden beackerten und im Kenet fischten. Andere Männer hatten weitläufigen Grundbesitz erhalten, und die Kirche war mit großen Waldgebieten und fetten Weidegründen belohnt worden, und mir gaben sie fünf Felder. Ich hasste Alfred."Etwa einen Monat nach der Schlacht bei Ethandun, in der die Dänen Guthrums vernichtet geschlagen wurden und mit der "Der weiße Reiter" zu Ende gegangen war, beginnt der 3. Teil der Saxon Stories damit, dass Uthred seinen Schatz vergräbt, sich von König Alfred lossagt, sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt und sich gen Norden aufmacht. Er begegnet alten und neuen Freunden, wird von einem bitter verraten und in die Sklaverei verschachert, findet eine neue Liebe und immer wieder neue Schlachten, die geschlagen werden müssen.Und noch immer ist sein Ziel die Rückeroberung der Bebbanburg, seiner Heimat...Und mein Fazit:Chronologisch der Entstehungsgeschichte Englands im ausgehenden 9. und frühen 10. Jahrhundert folgend, ist auch mit diesem dritten Teil Bernard Cornwell interessantes historisches Lesefutter gelungen, allerdings diesmal mit einigen Längen (z.B. während der Sklavereizeit auf Sverris Trader oder während der diversen Tracks zu den unterschiedlichsten Belagerungen oder Schlachtgetümmeln) und mit einem Uthred, der mir mit seinen manchmal doch etwas aufgesetzt wirkenden gockelhaften Überheblichkeitsattacken ziemlich auf den Keks gegangen ist - so sympathisch ich ihn sonst auch finde. Wenn man dann zum gefühlt 20. Mal gelesen hat, wen er alles zu seinen Vorfahren befördert hat, wünscht man sich beinahe wieder einen Steapa, der ihm mal eins auf die Nase gibt.Vor allem bei dem Kampf mit Ivarr oder bei dem Ende von Dunholm habe ich das so empfunden, beides ging irgendwie zu konstruiert (vor allem die Sache mit Kjartans Hunden) und/oder zu glatt - und deshalb manchmal unglaubwürdig.Dennoch war "Die Herren des Nordens" spannend zu lesen, die gesamte Reihe hat für mich noch immer Ausnahme-Niveau und ich freue mich auf den nächsten Band "Schwertgesang" - mal sehen...Eine kurze Übersicht zur Reihe:Das letzte KönigreichDer weiße ReiterDie Herren des NordensSchwertgesangDas brennende Land: Historischer RomanMaking of England 6 (erscheint demnächst)