Ein sehr eindrückliches Buch mit biografischen Berichten von Betroffenen der damaligen Zeit, die, ohne Schuldzuweisungen und Bitterkeit, über ihre Erfahrungen als geduldete- und oftmals nicht mal das- Vertriebene, berichten.Man erfährt wie das idyllische Leben plötzlich zerstört wurde, was sie auf der Flucht erlebt und was sie in ihrem weiteren Leben bewegt und motiviert hat. Man erfährt, wie die Flucht - unter unmittelbarer Lebensgefahr und weil sie vertrieben wurden- den Lebensweg vor allem der jüngeren Generation, also der damaligen Kinder und Jugendlichen, gezeichnet hat.Dass damals ganz bewusst darauf geachtet wurde, Menschen eines Dorfes nicht zusammen unterzubringen bzw. dies verboten war, war mir neu.Aus völlig irrationalen und nur politischen Gründen wurde diesen Menschen in doppelter Hinsicht und unnötig Schmerz und Unrecht zugefügt. Nebst dem Verlust der Heimat, gab es nun auch die völlige Isolation, die mit Gemeinschaften, die sich zusammen hätten neu ansiedeln können, sicher hätte verhindert werden können.Man kann sagen, Hitler ließ die zuvor völlig gehypte Bevölkerung im Stich, nachdem er den Krieg verloren hatte, die Siegermächte und auch die junge Bundesrepublik, setzte diese Haltung aber irgendwie weiter fort. Die vertriebenen Menschen und ihr Befinden interessierte niemand.Beeindruckend und bedrückend auch, wie lange, in die 60er Jahre gar hinein, manche Menschen in Notunterkünften verbringen mussten.Was auch wichtig ist, ist der Blick in die Politik. Wie man damals über die Vertriebenen urteilte, dass sie eben in zweifacher Hinsicht entwurzelt wurden, als man ihnen nicht erlaubte, sich in ihrer alten, oftmals dörflichen und Halt gebenden Gemeinschaft neu niederzulassen, wer davon wie sprechen durfte, ob das Unrecht war oder nicht, wurde maßgeblich durch offiziell Stellungnahmen beeinflusst.So erklärt sich der Eindruck, den man vermittelt bekommen hat, diese Vertreibung sei notwendig gewesen, weil der Krieg durch Deutschland begonnen worden war.Wenn man es genau bedenkt, bleibt aber unklar bzw. geht es nicht aus der Niederlage des Kriegstreibers Deutschlands hervor, weshalb man diese deutschen Ost-Gebiete annektieren und die Menschen aus ihrer Umgebung entreißen musste. Es zeigt sich im Buch, dass das reine Willkür der Siegermächte war, die sich mitnichten aus den Taten des sog. III. Reiches logisch und nachvollziehbar erklären ließen.So wichtig und richtig die Gegenwehr der Alliierten war- die anschließende Vertreibung war es offenbar nicht, zumindest nicht überall.Die eigentlichen Täter wurden ja nicht damit bestraft, sondern letztlich Unschuldige und man kann nicht mal auf die „Wähler von 1933“ hinweisen, wenn man die Kleinkinder, Kinder und Jugendlichen oder junge Erwachsene des Jahres 1945 berücksichtigt, die nun mal mit 1933 keinerlei Berührung hatten.Kritik ist an den Autoren zu üben, dass sie einerseits im Verlauf des Buches zu Recht darauf verweisen, wie politische Interessen erst zu Unrecht führen und dann die Geschichtsschreibung beeinflussen, die Historie verzerren, die Menschen erneut ins Unrecht setzen- aber selbst damit leider in der Einleitung genauso schreiben.Da wird in dieser auf die „Umbrüche“ und „Vertreibungen“ sowie Flucht in Europa, nach der „Zerschlagung“ des Osmanischen Reiches und den Kriegen im Balkan verwiesen und es (wieder mal) so dargestellt, als sei das Osmanische Reich in seinen Taten und seinem späteren Umfang etwas anderes, als das 3. Reich gewesen, gewissermaßen eine Art Naturerscheinung, die zu Beginn des 20. Jh. dann „zerschlagen“ und aufgeteilt worden sei.Das war es nun mal nicht, der Unterschied ist lediglich, dass das eine im 15. Jh und das andere im 20. stattfand und der eine Besatzer und seine Nachkommen ihr Reich fast 500 Jahre halten konnte, während beim anderen nach 12 Jahren seiner beabsichtigten 1000, schon Schluss war.Ein Großteil dieses O-Reiches entstand historisch belegt durch sehr brutale Angriffskriege (wer nicht gleich kapitulierte, war besonders betroffen), der Tötung der Herrscher und Kaiser bezwungener Gebiete, der Plünderung, Brandschatzung, Zerstörung oder sonst Entweihung der Kirchen, Unterdrückung von Sprache und Glauben usw., der Vernichtung z.B. des byzantinischen Reiches, einer damaligen Weltmacht, die ihr Gebiet aber nicht durch Angriffskriege erworben hatte, sondern durch Erstbesiedelung - und deren überlebenden Einwohner danach versklavt wurden.Die Kriege von Griechen, Serben, Bulgaren usw. zu Beginn des 20. Jh dann nicht als das darzustellen, was wenige Jahrzehnte später Franzosen, Niederländer usw. mit Hilfe der Alliierten erfolgreich umsetzten- der Befreiung ihres besetzten und versklavten Territoriums und ihrer unterdrückten Einwohner- ist unverständlich und sehr ärgerlich.Das Unrecht, die Bevölkerung dort (Byzanz, Armenien usw.) vertreiben zu lassen und dem Besatzer (!) das gewaltsam eingenommene Gebiet zuzusprechen, nur, weil er es 450 Jahre und nicht nur 12 Jahre in seiner Gewalt hatte, sollte in einem Buch, das sich um das Leben der Menschen, die zur Flucht durch Vertreibung aus ihren Jahrhundertelang (oder länger) bewohnten Gebiete gezwungen werden und die die Politik im Stich lässt, nicht als Normalität und vor allem derart verzerrt dargestellt werden.Wenn man sich hier offenbar der Politik beugen möchte, die aus den in ihrem Land versklavten Menschen „Minderheiten“ macht und aus ihrem Befreiungskrieg eine Art Eroberung „zerschlagener“ Reiche konstruiert, das Opfer also zum Täter umschreibt, dann sollte man diesen Verweis besser gar nicht erwähnen.Zum Thema Deutschland und Vertreibung, aber ein sehr lesenswertes Buch mit neuen Informationen, selbst wenn man sich zum Thema Vertreibung nach dem 2. WK schon gut informiert hat.